Berlin-Marathon

Mit beiden Beinen fest auf der Erde

Läufer-Predigt zum Berlin-Marathon

Einer von vielen Weihnachtsmännern beim "Weihnachtsmannlauf" rund um die Binnenalster in Hamburg.

Bild: Claus Dahms

Wir brauchen DIE TRANSZENDENZ, DEN DURCHSTOSS ZUM EWIGEN wie die hohen Gipfel über dem Nebelmeer.“ Soweit jener Pfarrer, dem ich nichts Böses wünsche, nur Gutes. Und anzuerkennen sein Versuch, die Bedeutung des Sonntags gegenüber den Wochentagen hervorzuheben. Aber doch nicht für diese, so formulierten Ziele. Ich muss Euch sagen, dass ich immer allergischer werde gegenüber solchen Äußerungen. Ich halte leidenschaftlich dagegen: DIE DIESSEITIGKEIT ALS UNSER EINZIGES, UNSER LEIBHAFTES LEBEN IST DAS EINZIGE GROSSE GOTTESGESCHENK FÜR UNS AUF ERDEN. ICH WIEDERHOLE: DIE DIESSEITIGKEIT IST GOTTES GESCHENK AN UNS.

Den Alltag als „Waschküche“ zu diffamieren, die Diesseitigkeit mit „Nebelschwaden“ gleich zu setzen, das Gewinn- und Konsumdenken schon im Wortlaut für schmutzig zu erachten, ebenso den Genuss als minderwertig anzusehen ...: das ist ein schreckliches Gerede, ein ungeistliches Gerede, leider die Lieblingsmelodie von ordinierten Geistlichen, die damit im „Rucksackverfahren“ die armen, diesseitsverhafteten, ungeistlichen Patienten – ääh, also normalen Christenmenschen mitnehmen in die sonst unerreichbare Transzendenz, hoch oben über dem Nebelmeer.

So zu reden, zu predigen würde heutzutage keinem Franziskanerpater einfallen. Der weiß etwas von der vollen Genügsamkeit der schlichten, dankbaren Lebensfreude. Das Nebelmeer, das uns bedroht, liegt eher auf der Seite einer eingebildeten, unechten Transzendenz, also einer nur scheinbar geistlichen Haltung, welche schon der Apostel Paulus als Vergiftung des Glaubens gebrandmarkt hat. „Die Gnostiker“ nannte er sie, was so viel hieß wie „Die Abgehobenen“, die die göttliche Weisheit mit Löffeln gefressen haben. Es ist ein eingebildetes, elitäres Überlegenheitsbewusstsein des „Erwählten Menschen“ über alle „Nichterwählten“.

Gott behüte uns vor den selbsternannten „Geistreichen“, die das Weltgeheimnis schützen wollen vor den „Nichtsnutzen“. Wir aber sollen und wollen den Vögeln gleichen, die das Körnchen finden, welches sie brauchen. Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht. Sie haben keinen Dünkel. Sie genießen einfach, was ihnen zufällt. Wollen auch wir das? Dann müssen wir bewusst im Diesseits bleiben und unser Streben nach eingebildeter Transzendenz aufgeben. Gott allein ist transzendent. Gott sei Dank!

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