Boston-Marathon 2014

Meb Keflezighi gewinnt, Rita Jeptoo bricht Kursrekord

Der US-Amerikaner Meb Keflezighi gewann am Ostermontag sensationell den Boston-Marathon 2014, Rita Jeptoo brach den Kursrekord.

Meb Keflezighi gewinnt den Boston-Marathon 2014.

Meb Keflezighi triumphiert in Boston.

Bild: photorun.net

Meb Keflezighi Sieger beim Boston-Marathon

Der US-Amerikaner Meb Keflezighi hat am Ostermontag sensationell den Boston-Marathon gewonnen. Ein Jahr nachdem das Rennen aufgrund der Bombenanschläge nach rund vier Stunden abgebrochen werden musste, hätte es bei der 118. Auflage des Traditionslaufes keinen passenderen Sieger geben können. Der 38-jährige Keflezighi triumphierte in 2:08:37 Stunden und sorgte für den ersten amerikanischen Boston-Sieg im Männerrennen seit 1983. Damals gewann Greg Meyer mit 2:09:00. In einem dramatischen Finish, in dem der zeitweilig große Vorsprung von Keflezighi noch bis auf wenige Sekunden schmolz, belegten die Kenianer Wilson Chebet (2:08:48) und Frankline Chepkwony (2:08:50) die Ränge zwei und drei.

Den spitzensportlichen Höhepunkt des Tages produzierte jedoch das Rennen der Frauen, in dem Rita Jeptoo ihren Vorjahressieg wiederholte und mit 2:18:57 Stunden einen Streckenrekord aufstellte. Damit unterbot sie den zwölf Jahre alten Kursrekord ihrer kenianischen Landsfrau Margaret Okayo, die 2002 mit 2:20:43 gewonnen hatte, um fast zwei Minuten. Rita Jeptoo ist die erste Frau seit Catherine Ndereba (Kenia/2004 und 2005), der eine Titelverteidigung in Boston gelungen ist. Die Kenianerin, die auch schon 2006 in Boston triumphiert hatte, erzielte das erste Ergebnis unter 2:20 auf der hügeligen Strecke und lief die schnellste Zeit des Jahres bisher. Es ist die achtbeste Zeit aller Zeiten, allerdings ist die Punkt-zu-Punkt-Strecke des Boston-Marathons nicht rekordkonform. Dadurch werden die Ergebnisse aus Boston nicht offiziell als Rekorde oder Bestzeiten anerkannt. Die Äthiopierinnen Buzunesh Deba (2:19:59) und Mare Dibaba (2:20:35) belegten mit Weltklassezeiten die Ränge zwei und drei. Bei sehr guten Wetterbedingungen mit Temperaturen zwischen 15 und 18 Grad Celsius, Sonnenschein sowie einem leichten Wind gingen knapp 36.000 Läufer unter großen Sicherheitsvorkehrungen an den Start.

Im Männerrennen waren es die Amerikaner, die vom Start weg das Geschehen an der Spitze bestimmten. Dabei war das Tempo nie wirklich schnell, und die afrikanischen Favoriten des sehr stark besetzten Feldes hielten sich so lange zurück, bis es schließlich zu spät war. Ryan Hall (USA) lief zunächst an der Spitze einer 24-köpfigen Führungsgruppe. Doch der schnellste amerikanische Marathonläufer (Bestzeit: 2:04:58 in Boston 2011) fiel später weit zurück und kam schließlich auf Rang 20 ins Ziel. Es waren nach einer 10-km-Zwischenzeit von 30:29 Minuten zwei andere Amerikaner, die sich absetzten: Der aus Kenia stammende Josphat Boit und Meb Keflezighi. Die Topfavoriten des Rennens, der äthiopische Titelverteidiger Lelisa Desisa und der Kenianer Dennis Kimetto, ließen das Duo ziehen. Offenbar gingen sie davon aus, dass weder Boit noch Keflezighi eine Gefahr darstellten. Das Duo hatte an der 15-km-Marke (Durchgangszeit: 45:47 Minuten) zehn Sekunden Vorsprung. Doch die Lücke wuchs ständig, und bald waren die Führenden außer Sichtweite, nachdem sie den Halbmarathonpunkt in 64:21 passiert hatten.

Kurz vor der 25-km-Marke, die Keflezighi dann nach 1:16:00 Stunden passierte, konnte Boit nicht mehr Schritt halten mit seinem Landsmann. Und nach 30 km (1:31:10) hatte der spätere Sieger 48 Sekunden Vorsprung auf Boit und bereits 1:20 Minuten auf eine Verfolgergruppe, in der unter anderen Kimetto, Desisa, Chebet und Markos Geneti (Äthiopien) liefen. Erst als Keflezighi schon auf dem gefürchteten Heartbreak Hill war, kam die Aufholjagd der Favoriten – doch es war zu spät, sie hatten sich offenbar zu lange gegenseitig belauert. Kimetto, Desisa, Chebet und Chepkwony lagen nach 35 km noch 51 Sekunden zurück. Während Chicago-Sieger Kimetto bei seinem ersten Marathon auf einer hügeligen Strecken jenseits der 35-km-Marke ebenso wie Titelverteidiger Desisa aufgab, war es der dreimalige Amsterdam-Marathon-Sieger Chebet, der den Rückstand fast aufholte. Nur noch zwölf Sekunden betrug der Vorsprung von Keflezighi bei der 40-km-Marke. Eine Sekunde nach der anderen kam der Kenianer dichter heran. Als es bei etwa Kilometer 41 nur noch fünf Sekunden waren, sah es so aus, als ob Chebet das Rennen gewinnen würde. Doch dann gingen auch dem Kenianer die Kräfte aus, während Keflezighi, den historischen Sieg vor Augen, noch einmal zulegen konnte. „Nach dem was im vergangenen Jahr in Boston passiert ist, hier nun als Amerikaner in Führung liegend auf die Zielgerade einzubiegen, das war außergewöhnlich. Es war unglaublich und hatte eine Bedeutung, die weit über den Laufsport hinausging. Ich wollte das Rennen für alle Läufer hier gewinnen, das war mein Ziel. Die Zuschauer haben mir auf den letzten Kilometern geholfen“, erklärte Meb Keflezighi, der schließlich unter dem Jubel seiner Landsleute elf Sekunden Vorsprung ins Ziel rettete.

Zwölf Mal in Folge hatte zuvor entweder ein Kenianer oder ein Äthiopier den Boston-Marathon gewonnen. Nur einmal hatte es seit 1991 einen Sieger gegeben, der nicht aus einem dieser beiden Länder kam: 2001 triumphierte der Südkorenaner Lee Bong-Ju in Boston. Nun kam Meb Keflezighi, der im Vorfeld nicht zu den Topfavoriten gehört hatte. Gemessen an seiner vorherigen Bestzeit von 2:09:08 Stunden gab es 16 Läufer auf der Startliste, die zum großen Teil sogar einige Minuten schneller waren. „Es war mein Traum, Boston zu gewinnen. Dieser Sieg ist ein Riesenerfolg für mich, aber er ist für die Menschen hier“, sagte Keflezighi, der vor zehn Jahren sensationell die Silbermedaille im olympischen Marathon von Athen gewonnen hatte, dann 2009 in New York triumphiert hatte und 2012 bei Olympia in London Vierter war.

Rita Jeptoo siegte beim Boston-Marathon 2014.

Bild: photorun.net

Rita Jeptoo überlegen im Frauenrennen beim Boston-Marathon

Was Meb Keflezighi im Männerrennen gelungen war, versuchte seine Landsfrau Shalane Flanagan ebenfalls: Doch die 32-Jährige jagte vergeblich einem Boston-Triumph hinterher. Mit hohem Tempo setzte sie sich an die Spitze des Feldes, wurde jedoch ihre Verfolgerinnen nicht los. Sieben Läuferinnen rannten hinter Shalane Flanagan an der 15-km-Marke, die die US-Amerikanerin nach 49:05 Minuten erreichte: Titelverteidigerin Rita Jeptoo, ihre kenianischen Landsfrauen Jemima Jelagat Sumgong und Sharon Cherop sowie die Äthiopierinnen Mare Dibaba, Buzunesh Deba, Belaynesh Oljira und Meselech Melkamu, die kurzfristig noch zum Boston-Elitefeld hinzugekommen war.

Über rund 15 km änderte sich nichts an der Konstellation in der Frauen-Spitzengruppe. Shalane Flanagan führte die Gruppe fast im Stile einer Tempomacherin weiter an und passierte die Halbmarathonmarke nach 69:27 Minuten und den 30-km-Punkt in 1:39:20. Doch wenige Kilometer später änderte sich das Bild schlagartig. Am Heartbreak Hill endete der Traum vom Boston-Sieg für Shalane Flanagan, die sich mit der Führungsarbeit offenbar keinen Gefallen getan hatte. Die US-Amerikanerin fiel plötzlich ebenso deutlich zurück wie Sharon Cherop und Belaynesh Oljira. Schließlich erreichte Flanagan zwar Rang sieben mit einer starken persönlichen Bestzeit von 2:22:02, doch in der entscheidenden Phase hatte sie keine Chance im Kampf um den Sieg. „Ich habe alles gegeben. Ich werde solange nach Boston zurückkommen, bis ich gewinne“, kündigte Flanagan an.

An der Spitze fiel die Entscheidung bei Kilometer 36. Hier setzte sich Rita Jeptoo, die bereits im vergangenen Jahr in Chicago die einzige Zeit des Jahres unter 2:20 Stunden gelaufen war (2:19:57) und nun deutlich unter dieser Barriere blieb, mit einer Tempoverschärfung ab. Zunächst sah es so aus als ob Meselech Melkamu und Mare Dibaba noch einmal herankommen könnten, doch der Eindruck täuschte. Jeptoo war nicht mehr einzuholen. Bzunesh Deba sicherte sich Rang zwei und blieb mit 2:19:59 haarscharf unter 2:20. Die ersten sechs Läuferinnen erreichten Weltklassezeiten von unter 2:21:30 Stunden. „Nach dem was im vergangenen Jahr hier passiert ist, wollte ich in Boston laufen, um damit die Stadt zu unterstützen. Ich hatte gut trainiert in Kenia und war zuversichtlich“, sagte Rita Jeptoo.

Die Ergebnisse beim Boston-Marathon 2014

Ergebnisse, Männer:
1. Meb Keflezighi USA 2:08:37
2. Wilson Chebet KEN 2:08:48
3. Frankline Chepkwony KEN 2:08:50
4. Vitaliy Shafar UKR 2:09:37
5. Markos Geneti ETH 2:09:50
6. Joel Kimurer KEN 2:11:03
7. Nicholas Arciniaga USA 2:11:47
8. Jeffrey Eggleston USA 2:11:57

Frauen:
1. Rita Jeptoo KEN 2:18:57
2. Buzunesh Deba ETH 2:19:59
3. Mare Dibaba ETH 2:20:35
4. Jemima Jelagat Sumgong KEN 2:20:41
5. Meselech Melkamu ETH 2:21:28
6. Aleksandra Duliba BLR 2:21:29
7. Shalane Flanagan USA 2:22:02
8. Sharon Cherop KEN 2:23:00
9. Philes Ongori KEN 2:23:22
10. Desiree Linden USA 2:23:54
11. Belaynesh Oljira ETH 2:24:21
12. Yeshi Esayias ETH 2:27:40

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