Neue Regeln bei den World Marathon Majors

Mary Keitany gewinnt halbe Million

Mary Keitany gewinnt die 500.000-Dollar-Prämie für die World-Marathon-Majors-Serie nach einer Abstimmung unter den Renndirektoren. Denn drei Läuferinnen waren punktgleich. Das sorgt für Diskussionen.

Mary Keitany

Mary Keitany gewann die WMM-Serie und damit eine halbe Million US-Dollar nach einer Abstimmung der Race-Direktoren.

Bild: photorun.net

Eigentlich funktioniert der Laufsport ganz einfach: Wer zuerst im Ziel ist, hat gewonnen. Und da die Leichtathletik eine messbare Sportart ist, sind die gestoppten Zeiten in den Laufdisziplinen ein Gradmesser. Doch ausgerechnet, als es vor kurzem um die höchste Prämie ging, die in der gesamten Leichtathletik regelmäßig ausgeschüttet wird, musste eine Abstimmung herhalten, um die Siegerin zu ermitteln.

Drei Läuferinnen punktgleich bei den World Marathon Majors

Am Ende der Abbott World Marathon Majors (WMM)-Serie, die sich aus den Rennen in Tokio, Boston, London, Berlin, Chicago und New York zusammensetzt, waren die Kenianerinnen Mary Keitany und Helah Kiprop sowie die Äthiopierin Mare Dibaba punktgleich. Und da es während der rund einjährigen Serie keinen direkten Vergleich zwischen Keitany und Dibaba gab - Kiprop hingegen war einmal Dibaba unterlegen -, stimmten die Race-Direktoren ab. Sie entschieden sich für Mary Keitany. Die Kenianerin erhielt dadurch eine halbe Million Dollar. Bei den Männern hatte Eliud Kipchoge (Kenia) als einziger die Maximalpunktzahl von 50 erreicht. Er bekommt ebenfalls die Prämie von 500.000 Dollar.

Unabhängig davon, dass Mary Keitany eine würdige Siegerin der WMM-Serie ist - gleiches hätte aber auch für Mare Dibaba gegolten -, hat eine Abstimmung bei der es um ein Preisgeld von einer halben Million Dollar geht, einen faden Beigeschmack. Vor allem für die, die bei der Abstimmung verlieren. Das ganze bekommt einen Touch von der - von Fehlurteilen begleiteten - Benotung beim Eiskunstlaufen.

Abstimmung ist kein Novum für die World Marathon Majors

Schon einmal gab es bei den WMM eine Abstimmung. Nach der damals noch über zwei Jahre laufenden Serie 2007-2008 lagen Irina Mikitenko und Gete Wami punktgleich an der Spitze, obwohl es im Rahmen der jeweiligen Rennen zweimal einen direkten Vergleich gegeben hatte. Doch auch hier stand es damals unentschieden. Die Race-Direktoren votierten dann für die Deutsche. Den damaligen Race-Direktoren - aus dieser ursprünglichen Gruppe sind inzwischen nur noch der Berliner Mark Milde und der Chicagoer Carey Pinkowski weiter in ihrer Funktion tätig -, war jedoch klar, dass eine Abstimmung eine äußerst unglückliche Prozedur ist, um Sieger zu ermitteln.

Sie änderten die Regeln und fügten verschiedene Kriterien hinzu. Als allerletzte Möglichkeit gab es dann erst die Abstimmung. Doch es war klar, dass es in der Praxis mit den neuen Regeln, bei denen als vorletzter Vergleich die Durchschnittszeit zählte, nicht mehr zu einer Abstimmung kommen würde.

Mehr Transparenz notwendig

Im vergangenen Jahr waren es wohl einige der neueren Race-Direktoren, die verschiedene Regeländerungen forcierten - obwohl auf den ersten Blick ersichtlich war, dass es sehr leicht wieder eine Situation geben würde, die zu einer Abstimmung führen würde.

Eine Abstimmung ist kein transparentes System. Und angesichts der vielen Skandale der Leichtathletik gerade zurzeit alles andere als eine gute Idee. Bei den WMM fragt man sich zudem, welche Funktion das Finale hat. Die Sieger sind dort in Tokio nicht gelaufen; und die Gewinner des letzten Rennens, darunter Helah Kiprop, hatten keinen Vorteil.