Äthiopier wollen nach Rio

Marathon Hamburg als Sprungbrett

Der äthiopische Verband nominiert nach der Frühjahrs-Marathonsaison die drei schnellsten Läufer für Olympia. Fünf Äthiopier peilen darum beim Marathon Hamburg 2016 Bestzeiten an.

Tesfaye Abera

Dubai-Sieger Tesfaye Abera ist der Star im Hamburger Männerfeld.

Bild: Standard Chartered Dubai Marathon

Ein äthiopisches Quintett, bestehend aus drei Männern und zwei Frauen, will beim Marathon Hamburg am Sonntag mit hochklassigen Zeiten noch die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Rio erreichen. Darunter ist mit Tesfaye Abera sogar der Jahresweltbeste über die klassische Distanz. Der 24-Jährige hatte im Januar in Dubai mit 2:04:24 Stunden triumphiert. Er trifft am Sonntag unter anderen auf seine Landsleute Feyisa Bekele und Abayneh Ayele. Bei den Frauen bekommt Titelverteidigerin Meseret Hailu starke Konkurrenz durch ihre Landsfrau Meselech Melkamu, deren Bestzeit von 2:21:01 Stunden genau acht Sekunden schneller ist als die der Vorjahressiegerin. Während bei den Frauen am Sonntag der Streckenrekord von 2:24:12 Stunden deutlich unterboten werden könnte, ist auch bei den Männern ein Ergebnis im Bereich der Kursbestzeit denkbar. Diese Marke hatte der Kenianer Eliud Kipchoge vor drei Jahren mit 2:05:30 Stunden aufgestellt.

Starke Läufer beim Marathon Hamburg 2016

„Es ist das erste Mal, dass wir in der Geschichte des Haspa Marathon Hamburg den Jahresweltbesten am Start haben - darauf sind wir stolz. Aber auch bei den Frauen sind wir sehr gut besetzt. Wenn die Wetterbedingungen gut sind, dann erwarten wir schnelle Zeiten“, sagte Marathon-Chef Frank Thaleiser während der Pressekonferenz mit den internationalen Topathleten.

Im vergangenen November hatte die Stadt Hamburg nach einem Referendum überraschend die Bewerbung um die Olympischen Spiele 2024 zurückgezogen. Keine fünf Monate später ist das Thema Olympia in Hamburg in anderer Form wieder ganz aktuell. Athleten aus verschiedenen Nationen wollen am Sonntag ihre jeweiligen nationalen Qualifikationszeiten unterbieten. Während die Äthiopier international im Blickpunkt stehen, sind es national vor allen Julian Flügel (Asics Team Memmert) und Anja Scherl (LG Telis Finanz Regensburg).

Julian Flügel will seinen Olympia-Startplatz beim Marathon Hamburg sichern

Julian Flügel hat die Nominierungsvoraussetzungen für die Olympischen Spiele erfüllt. Da er jedoch mit seiner Berliner Zeit aus dem vergangenen September von 2:13:57 nur drei Sekunden unter der Olympia-Norm blieb, will er sich am Sonntag weiter steigern, um seinen Rio-Startplatz zu sichern. Denn eine Woche später werden Falk Cierpinski (SG Spergau), Hendrik Pfeiffer (TV Wattenscheid) und Manuel Stöckert (SC Ostheim/Röhn) in Düsseldorf noch versuchen, die Olympianorm zu unterbieten. Ebenfalls Chancen für Rio rechnet sich in Hamburg Anja Scherl aus. Nach einer überraschenden Steigerung im Halbmarathon auf 71:17 Minuten im Februar in Barcelona will sie versuchen, die Olympia-Norm von 2:30:30 zu unterbieten. Bisher steht ihre Bestzeit zwar erst bei 2:36:31 Stunden, doch die Halbmarathonleistung deutet auf eine deutliche Steigerung hin. Mona Stockhecke (LT Haspa Marathon Hamburg) wird ebenfalls am Sonntag in Hamburg starten. Sie lief bisher 2:33:50 Stunden, wobei nicht damit zu rechnen ist, dass sie die Olympianorm noch unterbieten kann.

Tesfaye Abera hofft auf Olympia-Nominierung durch einen Sieg in Hamburg

„Ich habe gut trainieren können und hoffe, dass ich auch in Hamburg gewinnen kann“, erklärte Tesfaye Abera, der nach seinem überraschenden Sieg in Dubai im Januar zurzeit im knallharten Rennen um die drei äthiopischen Marathon-Startplätze bei den Olympischen Spielen die Pole-Position hat. Der äthiopische Verband nominiert in der Regel nach der Frühjahrs-Marathonsaison die drei schnellsten Läufer. Dabei spielen Verdienste der Vergangenheit keine Rolle, so dass auch Superstars keinen Bonus haben - vor vier Jahren fiel dadurch sogar Haile Gebrselassie durch das Raster. „Aufgrund der Strecke in Dubai gibt es dort immer superschnelle Zeiten. Eine sehr gute Leistung dort alleine reicht dem äthiopischen Verband nicht unbedingt für eine Nominierung. Sie schauen auch auf die Ergebnisse bei den europäischen Frühjahrs-Marathonrennen. Wenn Tesfayey hier am Sonntag 2:05 oder 2:06 Stunden läuft, dann hat er sicher sehr gute Chancen, für Olympia nominiert zu werden“, erklärte sein Manager Jos Hermens. Abera rückte kurzfristig in das Elitefeld des Haspa Marathon Hamburg, nachdem sein Landsmann Shumi Dechasa verletzungsbedingt absagen musste. Der Sieger des Rennens von 2014 leidet an Knieproblemen. Abera hatte sich aber ohnehin auf einen Frühjahrs-Marathon vorbereitet.

Während Feyisa Bekele am Sonntag zurück zu seiner Bestform finden will - 2012 rannte er in Amsterdam 2:06:26 -, zeigte sein Landsmann Abayneh Ayele vor kurzem hochklassige Form: Bei den Halbmarathon-Weltmeisterschaften in Cardiff verpasste er eine Medaille als Vierter nur ganz knapp und erzielte mit 59:59 eine persönliche Bestzeit über die „halbe Distanz“. Ayele erreichte bisher im Marathon 2:06:45. „Ich weiß, dass die Hamburger Strecke gut ist. Daher bin ich optimistisch dass ich hier unter 2:06 laufen kann“, sagte der 28-jährige Ayele.

Am Sonntag ist für die erste Gruppe eine Halbmarathon-Durchgangszeit von knapp über 63:00 Minuten geplant, die für die zweite Hälfte Spielraum lässt für eine Weltklasse-Siegzeit. Sollten sich die Äthiopier am Sonntag mit dem Tempo übernehmen, wäre der Kenianer Philemon Rono einer jener Läufer, die profitieren können. Zum dritten Mal in Folge startet er beim Haspa Marathon Hamburg, wo er 2014 bei seinem Debüt seine Bestzeit von 2:07:07 aufstellte.

Harte Konkurrenz für Meseret Hailu

Für Meseret Hailu ist das Projekt Titelverteidigung beim Haspa Marathon Hamburg ein gutes Stück schwerer geworden. Denn auf der Startliste steht inzwischen ihre äthiopische Landsfrau Meselech Melkamu. Sie ist die Afrika-Rekordlerin über 10.000 m (29:53,80 Minuten) und hat eine hochklassige Marathon-Bestzeit von 2:21:01, die sie 2012 bei ihrem Debüt in Frankfurt erreichte. Die 30-jährige Melkamu war in diesem Jahr bereits Dritte in Dubai mit 2:22:29. Trotz dieser Weltklassezeit muss sie sich wohl noch steigern, um eine Chance zu haben, für Olympia nominiert zu werden. „Rio ist mein Ziel“, sagt Meselech Melkamu, während Meseret Hailu erklärte: „Olympia ist eine große Motivation für mich. Wenn ich gut laufe, dann fahre ich nach Rio.“

Entsprechend wollen die Äthiopierinnen am Sonntag sehr schnell angehen. Eine Halbmarathon-Durchgangszeit von 71:00 Minuten ist geplant. Ein sehr schnelles Rennen will auch eine Kenianerin laufen: Sarah Chepchirchir gab im vergangenen Monat bei ihrem Marathon-Debüt in Nagoya auf. Jetzt nimmt sie in Hamburg einen zweiten Anlauf.

Ausgewählte Favoriten und persönliche Bestzeiten:

Männer:
Tesfaye Abera ETH 2:04:24
Feyisa Bekele ETH 2:06:26
Abayneh Ayele ETH 2:06:45
Hendrick Ramaala RSA 2:06:55
Philemon Rono KEN 2:07:07
Ezekiel Chebii KEN 2:07:18
Josphat Kiprono KEN 2:09:34
Yekeber Bayabel ETH 2:09:39
Benedict Moeng RSA 2:10:21
Jeff Hunt AUS 2:11:00
Julian Flügel GER 2:13:57
Moses Kipsiro UGA Debut
Nicholas Bor KEN Debut
Merhawi Kesete ERI Debut

Frauen:
Meselech Melkamu ETH 2:21:01
Meseret Hailu ETH 2:21:09
Madai Perez MEX 2:22:59
Beata Naigambo NAM 2:26:57
Adriana da Silva BRA 2:29:17
Monika Stefanowicz POL 2:29:28
Megertu Ifa ETH 2:32:31
Kellys Arias COL 2:32:32
Mona Stockhecke GER 2:33:50
Anja Scherl GER 2:36:31
Sarah Chepchirchir KEN DNF Nagoya

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