Wie fit muss man sein?

Marathon - ein tödliches Risiko?

Todesfälle verun­sichern die Läufer­szene – und führen zu Eingangstests bei Wettkämpfen. Wie fit muss man sein?

Risiko Marathon

Illustration: Mickey Duzyj

Der Marathon ist in Bezug auf seine ursprüngliche Bedeutung untrennbar mit einem Mythos verbunden, der den Tod impliziert. Ebenso wie diese Legende wird auch die Behauptung, Marathons oder gar die ganze Lauferei als Freizeitsport seien gefährlich, nicht durch die Fakten gestützt.

Bevor man sich mit den Risiken und Nebenwirkungen des Laufens beschäftigt, sollte man sich eine Sache klarmachen: Gesund im klassischen Sinne war Marathonlaufen noch nie, schließlich handelt es sich dabei um eine Extrembelastung, bei der Menschen an ihre Leistungsgrenzen gehen. Das Gesunde daran ist höchstens das Training, wobei wissenschaftlich gesichert ist, dass man, um fit zu sein, nicht mehr als dreimal pro Woche 30 bis 50 Minuten in gemäßigtem Tempo zu laufen braucht. „Jeder, der mehr als 25 Kilometer pro Woche läuft, tut dies nicht aus Gesundheitsgründen, sondern ist anders motiviert“, postulierte schon vor 40 Jahren der amerikanische Fitness-Guru Ken Cooper. Wer also öfter und dabei auch noch schneller läuft, tut dies zum Beispiel, um ein Leistungsziel zu erreichen, um abzunehmen beziehungsweise das Körpergewicht zu regulieren oder ganz einfach, weil es ihm Spaß macht.

Meldungen, in denen über Todesfälle bei Laufveranstaltungen berichtet wird, stiften Verwirrung und Verunsicherung nicht nur unter Läufern. Vor allem weil über die Einzelfälle und speziell über die jeweiligen Gründe für den Tod meist nur wenig bekannt wird. Das hat zum einen damit zu tun, dass vielfach keine Autopsie erfolgt oder deren Ergebnisse nicht bekannt werden. Ob eine Obduktion stattfindet, hängt vom jeweiligen Fall ab und auch davon, ob die Angehörigen eine solche wünschen. Da die Resultate solcher Obduktionen erst nach Wochen vorliegen und außerdem der ärztlichen Schweigepflicht unterliegen, wird darüber so gut wie nie etwas publiziert, es sei denn
in der Fachliteratur. Es wird daher noch eine Weile dauern, bis seriöse Studien die Ergebnisse möglichst vieler Obduktionen in ihre Forschungsergebnisse einbeziehen und sich daraus weitere Schlüsse (und Empfehlun­gen) ziehen lassen.

Nun sind Todesfälle bei Laufveranstaltungen kein Phänomen der letzten Jahre. Dass allein 2007 acht Todesfälle bei Laufveranstaltungen in Deutschland bekannt wurden (aber auch der eines amerikanischen Marathon-Profis), ist nicht zuletzt auch einer gestiegenen Medienaufmerksamkeit geschuldet. Dabei wird oft übersehen, dass schon rein statistisch ein Todesfall gar nicht mal so unwahrscheinlich ist, da bei Großveranstaltungen mit 30000 oder mehr Teilnehmern immerhin die Bevölkerung einer ganzen Kleinstadt auf den Beinen ist.

Illustration: Mickey Duzyj

Todesursache: angeborener Herzfehler
In den meisten Fällen, bei denen aktive Sportler zu Tode kommen, handelt es sich um den sogenannten plötzlichen Herztod. Die Ursachen dafür sind, so vermuten die Ärzte, angeborene Herzfehler oder nicht erkannte Herzmuskelentzündungen. Vor diesem Hintergrund wurden nach den Vorfällen des vergangenen Jahres Diskussionen geführt, wie sich so etwas verhindern ließe. Das Ergebnis: mehr Unklarheit als je zuvor.

Schließlich fanden sich Ende August führende Sportmediziner sowie Vertreter des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) in Berlin zusammen und erarbeiteten ein Konsens-Papier. Es dient nun als Basis einer Empfehlung des Verbandes an die Laufveranstalter, einen Gesundheitstest auf ihrer Internetseite anzubieten, um die Lauf-Teilnehmer dazu anzuhalten, sich Gedanken über ihre Gesundheit zu machen, und mit dem Irrglauben aufzuräumen, wer Sport treibe, sei automatisch gesund. Das Motto des Konsens-Papiers lautete denn auch: Laufen ist gesund, aber nicht jeder, der läuft, ist es.

Die Veranstalter des Köln- und des Berlin-Marathons setzten den Gesundheitstest als Erste auf ihre Website. Dieser sogenannte PAPS-Test (Persönlicher Aktivitäts- und Präventions-Screening-Test) ersetzt zwar keine Untersuchung, soll die Befragten aber auf gesundheitliche Bedenken aufmerksam machen. Laufveranstalter sehen sich mit der Situation konfrontiert, dass sie nicht darüber entscheiden können, ob die Teilnehmer gesund und fit sind, egal ob 500 oder 30000 Menschen an der Startlinie stehen.

Ein Test ersetzt keine Untersuchung
Ein ärztliches Attest, in dem der Gesundheitszustand des Teilnehmers bestätigt wird, wie es zum Beispiel in Italien oder Frankreich bei Laufveranstaltungen zur Anmeldung nötig ist, ist aus verschiedenen Gründen nutzlos. Zum einen lässt sich der sogenannte Gesundheitsstatus nicht mittels einer 08/15-Untersuchung abklären, zum anderen kann sich jeder den Arzt selbst aussuchen, der ihm ein solches Gesundheitszeugnis ausstellt.

Führende deutsche Sportmediziner sind sich übrigens einig, dass sich kein einziger der Todesfälle bei Laufveranstaltungen hätte verhindern lassen, indem vorher ein solches Attest eingefordert worden wäre. Lars Brechtel, Sportmediziner an der Humboldt-Uni­versität und leitender Arzt des Berlin-Ma­rathons, zum Thema Sport­attest: „Ein Gesundheitszeugnis kann immer nur eine Momentaufnahme darstellen. Zwischen­zeit­lich auftretende Erkrankun­gen, zum Beispiel des Herzens, sind dadurch nicht er­fassbar. Auch wenn eine Untersuchung eine Sporttauglichkeit aus medizinischer Sicht erbracht hat, muss dieses Ergebnis nicht zwangsläufig beim Start eines Laufwettkampfs noch gültig sein.“

Ein Auszug aus dem Test: Lässt PAPS Sie laufen?

Was Sie beachten sollten: So vermeiden Sie Risiken

Die Legende: Todesmythos Marathon