Leser-Reporter Tom Klossek

Lebenstraum New-York-Marathon erfüllt

Leser-Reporter Tom Klossek hat sich zu seinem 40. Geburtstag einen Lebenstraum erfüllt: der Start beim New-York-Marathon.

Leser-Reporter Tom Klossek

So sehen glückliche Finisher aus: Leser-Reporter Tom Klossek lief den New-York-Marathon.

Bild: privat

Für mich war es schon immer ein Traum, zumindest einmal in die Stadt der Superlative zu reisen. Und seit ich vor ein paar Jahren begann, mir regelmäßig die Laufschuhe zu schnüren, wuchs natürlich der Wunsch dort vielleicht sogar einmal den Marathon zu laufen: durch Big Apple, einmal über die größte Hängebrücke der USA, einmal Frank Sinatras "New York, New York ..." beim Start hören, einmal unter 50.000 Sportlern aus aller Welt ins Ziel im Central Park laufen, nur einmal ... es gibt tausend gute Gründe für die Teilnahme beim New-York-Marathon. Zu meinem 40. Geburtstag war es dann soweit und ich erfüllte mir diesen Traum verbunden mit einer tollen Reise.

Zwar regnete es Gottseidank nicht, dafür war es aber bitterkalt. Im Morgengrauen zwischen 5.30 und 6.30 Uhr kutschierten 700 Busse die Läufer aus allen möglichen Hotels zum Startgelände auf Staten Island, wo der Einlass nur mit gültiger Startnummer gewährt wird. Die Anspannung stieg stetig. Kurz nach sieben Uhr erreichten wir das Startgelände am Fort Wadsworth und unter strengen Sicherheitsvorkehrungen und Kontrollen mischten wir uns unters Läufervolk. Ich musste ins orange "Start-Village" - die erste von vier Startwellen. Doch bis es so weit war, waren es noch zweieinhalb Stunden. Der Wind am Fort Wadsworth blies heftig und ließ die gefühlte Temperatur weiter sinken. Das Zelt war natürlich schon voll, also versorgte ich mich mit Kaffee und Bagels, und saß meine Zeit auf einem Bordstein ab - eine „Hollister“-Tüte wärmte mich. Die Vorfreude stieg und die Zeit verging wie im Flug.

Drei Ziele habe ich mir für den New York City Marathon gesetzt:
1. Ankommen, und das möglichst unter vier Stunden.
2. Das Rennen genießen.
3. Es in die New York Times schaffen, denn dort werden am Montag danach alle Finisher unter 4:30 Stunden namentlich erwähnt.

Vor dem Start des New-York-Marathons hieß es für Leser-Reporter Tom Klossek warten.

Bild: privat

Um 8:10 Uhr öffnete dann die erste Startwelle, die um 8:55 schon wieder geschlossen wurde. Ein Wahnsinnsgefühl zum Start zu maschieren: vor mir ragt die Verrazano-Narrows-Bridge empor, in der Ferne spiegelte sich die Morgensonne in den Glasfassaden Manhattans. Das Adrenalin lief mir quasi aus Ohren und Nase. 1.700 Dixie-Toiletten standen verteilt in den Startvillages, aber an der Brückenrampe selbst war keines mehr zu erreichen. „Wildpinkeln“ führt zur Disqualifikation, deshalb war das Motto: zusammenzwicken!

9:10 Uhr, Start des Elitefeldes der Frauen: Unter ihnen ist auch unsere "Mocki", die später nach 2:27 Stunden als Siebte das Ziel im Central Park erreicht wird. Dann ertönt endlich „The Star Spangled Banner“, die amerikanische Nationalhymne, und die ersten Tränen standen mir in den Augen. Vor Glück? Vor Aufregung? Vor Freude? Ich bebte förmlich und stand total unter Strom. Es war ein geniales Gefühl!

9:40 Uhr, Start der ersten Welle durch einen Kanonenschuss, auf den ich jetzt vier Jahre gewartet hatte und es ertönt Frank Sinatra aus den Lautsprechern. Die Masse kommt in Bewegung, Hubschrauber der NYPD waren zu hören, wärmende Pullover und Mützen flogen noch über das Feld, und während des Überschreitens der Startlinie löste sich die Anspannung. Ich konnte aber immer noch nicht glauben, jetzt den legendären New-York-Marathon zu laufen. Über vier Kilometer ist die Verrazano-Brücke lang, entsprechend steil ging es erstmal bergauf, dafür ist aber der Ausblick atemberaubend. Das richtige Tempo fand ich erst nach etwa vier Meilen auf der schnurgeraden 4th Avenue in Brooklyn. Tausende von Zuschauern treiben einen hier an, alle paar hundert Meter steht eine Band, begleitet von Trommeln, Glocken und Anfeuerungsrufen wie "Go, Germany, go!", "Angie loves you!", "Go ahead!" und "Tom, you looks great!". Dadurch lief ich deutlich zu schnell und die geplanten Zwischenzeiten, die ich mir als Ausdruck an mein Armgelenk gebunden hatte, waren schon hinfällig.

Inzwischen zeigte sich die Sonne, es wurde etwas wärmer, aber der eisige Wind fegte durch die Häuserschluchten. Nach jeder Meile gab es einen Verpflegungsstand mit Gatorade und Wasser. Kurz vor der berühmt berüchtigten Queensborough-Brücke, die Queens und Manhattan verbindet, erreichte ich die Halbmarathonmarke. Zu diesem Zeitpunkt befindet sich der spätere Sieger, Geoffrey Mutai, schon auf der Zielgeraden. Auf der ansteigenden Brückenrampe kamen die ersten Schmerzen, sodass ich das Anfangstempo nicht mehr halten konnte. Meine Muskeln ächzten. Aber das ist eben ein Marathon und der beginnt bekanntlich erst bei 30 Kilometern.

Leser-Reporter Tom Klossek

Bild: privat

Leser-Reporter Tom Klossek muss dem hohen Anfangstempo Tribut zollen. Trotzdem kämpft er sich durch.

Auf der First Avenue ging es zunächst nach Norden in die Bronx. Dort ließen die Anfeuerungen der Zuschauer nicht nach, daher war an gelegentliches Gehen auch nicht zu denken. „Go, Germany, go“, hörte ich immer wieder. Jetzt dran bleiben, kämpfen, auch wenn nichts mehr geht, es sind doch nur noch paar und zehn Kilometer. "Bring it home, Tom!" hörte ich in Harlem einen Zuschauer brüllen und "Chuck Norris never ran a Marathon" war auf einem Schild zu lesen. Das machte mir immer wieder Mut. Ich pack das, auch wenn es weh tut, flößte ich mir immer wieder ein. Tränen schossen mir in die Augen. Im Central Park muss die Hölle los sein, dachte ich mir. Ich hörte schon die Jubelchöre, obwohl das Ziel noch nicht in Sichtweite war. Mein Tempo wurde geringer und geringer, irgendwann machte sich eben das zu hohe Anfangstempo bemerkbar. Für mich war klar, dass ich hier den Marathon meines Lebens laufe - an Aufgeben war gar nicht zu denken. So ging es weiter in Richtung Manhattan. Viele von Krämpfen geplagte Läufer begegneten mir unterwegs. Auch mein Körper sagte: "Es geht nichts mehr!", aber der Kopf antwortete: "Durchhalten!" Die letzten Meilen versuchte ich nur noch das Erlebnis New-York-Marathon zu genießen und klatschte tausende Zuschauer ab. Nur zum Lächeln fehlte mir die Kraft.

Von tosendem Applaus getragen erreichte ich dann endlich den Central Park, die letzten Meilen. Gänsehaut pur. Hier war vielleicht ein Höllenlärm! Meine Uhr zeigte zu diesem Zeitpunkt 3:57 Stunden an. Wie gerne hätte ich eine Zielzeit unter vier Stunden, mir wurde jedoch bewusst, dass es dazu nicht reichen würde. Aber gleich würde ich es geschafft haben, aber es tat so weh und ich wollte keinen leidenden Eindruck machen, schon gar nicht beim Zieleinlauf. Dann die letzte Rechtskurve, ein kleiner Anstieg, noch 300 Yards, noch 200, noch 100, gleich habe ich's geschafft, ich bin kurz davor, ein paar Meter nur noch, da ist die Ziellinie, ich komme ihr näher, gleich habe ich's geschafft ... Jetzt habe ich's geschafft! Ich bin Finisher des New-York-Marathons. Damit hat sich mein Traum erfüllt!

4:01:45 Stunden zeigt die Uhr. Es ist vorbei. Überglücklich nahm ich die ersehnte Finisher-Medaille in Empfang. Gleich danach die Wärmefolie. Schön, dass es vorbei ist und doch auch schade. Andere liefen schneller, andere liefen maskiert und wiederum andere jagten Rekorde. Ich habe es genossen und werden den Tag nie und nimmer vergessen, so hart es war, so schmerzhaft es war und gleichzeitig war es doch ein unbeschreibliches Erlebnis. So etwas zu toppen wird nicht funktionieren!


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