Berlin-Marathon

Laufen im Hier und Jetzt

Läufer-Predigt zum Berlin-Marathon

Beim Nikolauslauf Tübingen 2010 führte es die Läufer durch eine verschneite Winterlandschaft.

Bild: photorun.net

Kommen wir etwa mit der Tatsache unserer Sterblichkeit besser zurecht als andere? Auch das ist eine zweischneidige Behauptung. Vielleicht kann man sagen: Läufer sind sensibilisiert, auf deutsch: sind vorbereitet auf die Erfahrung nachlassender Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit. Allerdings weiß ich, dass gerade die älteren Läufer und besonders die ganz alten Recken sich allzu gerne dem süßen Irrtum von demnächst wieder besser werdenden Laufzeiten hingeben. Dann erhalten wir Kunde von anders woher, Kunde vom Dahinschwinden nicht nur der früheren Laufzeiten, sondern vom Dahinschwinden eines anderen Läufers.

Nunmehr nur noch ein Schatten seiner selbst, schließlich angekommen am letzten Ziel, das jeder erreichen wird. Ich hörte von solchem Ende jenes lieben alten Mannes und ehemaligen Meisterläufers aus Wilhelmshaven, des Weltbesten in verschiedenen Altersklassen. Ich vernahm außerdem die an mich gerichtete Frage: Was bleibt vom Leben, wenn wir nicht mehr leben? Ich antworte so: Du gehst zurück in Gottes Garten. Erde zu Erde, Asche zu Asche. Keine Panik! Nur Geduld! Irgendwann wirst du aufgerufen. Keine Energie vergeht auf dieser Welt, sie bleibt erhalten: ein göttliches Naturgesetz. Irgendwann wird es heißen: Erde, werde wieder Mensch!

Was wird dann geschehen, wer wirst du sein? Egal, eines ist gewiss: Du bleibst, wer du schon bist: Gottes Geschöpf. Deshalb: Keine Angst! „Ich bin immer bei dir!“ Das ist Gottes Stimme. Verlautbart für immer in Jesus von Nazareth. Leise ist sie geworden, diese Stimme: „Ich bin immer bei dir, nur keine Angst!“ Leise, aber umso eindringlicher. Lasst mich etwas sagen am Rande des Ketzerischen: Jesus hätte sich eigentlich totlachen müssen, wenn er gewusst hätte, was sie mit ihm vorhaben, zum Zwecke seiner Verunstaltung: Den Weltenrichter haben sie erfunden und IHN dazu ernannt!

Den Weltenrichter, der am Ende der Tage den Daumen hochhält oder senkt. Er wird das tun vor einer milliardenfachen Billion aller auf der Erde jemals lebendig gewesenen Menschen, die in dichten, hundert Kilometer dichten Reihen den Erdball umscharen und ihr Urteil kriegen: Unbestechlich und haargenau abwägend ER, der Weltenrichter.

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