Annie Bersagel gewinnt den Düsseldorf-Marathon

Läufer, die im Frühjahr überraschten

Im vierten und letzten Teil unserer Serie stellen wir Annie Bersagel vor. Die US-Amerikanerin setzte sich beim Düsseldorf-Marathon überraschend gegen die afrikanischen Favoritinnen durch.

Annie Bersagel in Düsseldorf

Annie Bersagel nach ihrem Sieg beim Düsseldorf-Marathon.

Bild: www.photorun.net

Düsseldorf ein erster Schritt Richtung Rio?

Mit einigem Aufwand haben die Veranstalter des Metro Group Marathon Düsseldorf in den vergangenen Jahren auch in den USA Werbung für ihr Rennen gemacht. Bei der diesjährigen Auflage bekamen sie etwas aus Amerika zurück: die erste US-Siegerin in der Geschichte des Düsseldorf-Marathons. Annie Bersagel gelang mit dem Sieg gegen die afrikanischen Favoritinnen eine große Überraschung. Mit 2:28:59 Stunden erzielte die 31-Jährige Ende April am Rhein ihre erste Zeit unter 2:30. Bersagel, die mit dem erfolgreichen norwegischen Bergläufer Öyvind Helberg Sundby verheiratet ist, in Oslo lebt und dort auch voll berufstätig ist, ist eine Läuferin, der man in den nächsten Jahren noch einiges zutrauen kann. Ihr Fernziel ist die Olympia-Teilnahme 2016.

Annie Bersagel auch über Halbmarathon-Distanz erfolgreich

Schon vor dem Metro Group Marathon Düsseldorf hatte Annie Bersagel gezeigt, dass mit ihr zu rechnen ist. Bei den Halbmarathon-Weltmeisterschaften in Kopenhagen belegte sie Ende März einen starken 13. Rang und war damit die beste Amerikanerin bei den Titelkämpfen. Mit 70:09 stellte sie dabei auch eine persönliche Bestzeit auf. Dass das Wetter in Düsseldorf dann extrem schlecht war – es regnete derart stark, dass sich tiefe Pfützen auf der Strecke bildeten – war nicht der einzige Grund, warum Annie Bersagel vorsichtig begann. „Drei Wochen vor dem Rennen war ich krank und verlor dadurch einiges an Training“, erzählte die Läuferin, die dann die erste Hälfte in 1:15:02 Stunden lief. Als einzige Athletin des Elitefeldes lief sie dann eine schnellere zweite Hälfte mit 1:13:57.

Annie Bersagel kommt ursprünglich aus der Region nördlich von Denver in Colorado. Als Teenagerin spielte sie zunächst Baseball und schloss sich einem Verein an. „Wir waren einige Mädchen, die in einem Team der Jungs mitspielten“, erinnert sie sich. Als sie dann als 13-Jährige in der Schule bei einem Meilenrennen an den Start ging wurde sie Dritte, „obwohl ich in schlechter Form war“. Nach diesem Erlebnis schloss sich Annie Bersagel als Mittelstreckenläuferin dem Leichtathletik-Schulteam an. „In meinem ersten Rennen für das Schulteam wurde ich Zweite, und danach gewann ich alle folgenden Läufe.“

Annie Bersagel: Von North Carolina nach Oslo

Während sie verschiedene Distanzen bis zu einer Länge von 10.000 Metern lief und zudem auch in der Halle sowie im Cross startete, war Bersagel nicht minder erfolgreich in ihrem Studium an der Universität. In Wake Forest (North Carolina) studierte sie Wirtschaft und Politikwissenschaften. 2006 wurde sie dabei als NCAA Frau des Jahres ausgezeichnet – eine amerikanische Ehrung, die eine erfolgreiche Leichtathletin erhält, die zugleich auch im Studium außerordentlich erfolgreich ist. Danach zog Annie Bersagel nach Oslo, wo sie auch ihren späteren Ehemann kennen lernte. In der norwegischen Hauptstadt schloss sie ein Master-Studium in Politikwissenschaften ab. Anschließend kehrte sie für drei Jahre in die USA zurück, wo sie von 2009 bis 2012 in der angesehenen Universität von Stanford Jura studierte. Derzeit arbeitet Bersagel in Oslo einem Vollzeit-Job als Beraterin eines Investment-Unternehmens.

Das Gros ihres Trainingspensums absolviert Annie Bersagel mit ihrem Mann. Öyvind Helberg Sundby hat eine Halbmarathon-Bestzeit von 69 Minuten, doch hauptsächlich konzentriert er sich auf das Berglaufen. „Ich habe ein paar solcher Rennen in Norwegen ausprobiert, aber das überlasse ich ihm“, sagt Annie Bersagel, die nun einen Start bei einem Herbstmarathon anstrebt. Da ihr derzeitiger Arbeitsvertrag im Juni 2015 ausläuft, überlegt sie, ob sie danach zeitweise weniger arbeiten sollte. Dann hätte sie mehr Zeit zum Training und sicherlich bessere Chancen, ihr Traumziel zu erreichen: die Olympia-Qualifikation für das US-Marathon-Team 2016.

In Teil 1 haben wir Anna Hahner vorgestellt.

In Teil 2 haben wir Joyce Chepkirui vorgestellt

In Teil 3 haben wir Getu Feleke vorgestellt