Marathon in der Provinz

Kleine Veranstaltungen mit Charme

Es muss nicht immer New York sein: RUNNER'S WORLD berichtet über den Reiz der kleinen Marathon-Veranstaltungen

Man stelle sich dieses Szenario einmal in Berlin vor: Kurz vor dem Start werden alle Marathonläufer gebeten, 54 Meter nach vorn zu kommen. 40 000 Menschen müssten sich in Bewegung setzen und hinter einem Absperrband wieder stoppen. Undenkbar. In einem kleinen Ort bei Hildesheim ist eine solche Aktion dagegen kein Problem: Beim Haseder Feldmarklauf starten gerade einmal ein paar Dutzend Marathon-Läufer. Damit sie wirklich die amtlich vermessene Strecke laufen, müssen sie ein Stück vor die Start­linie der kürzeren Wettbewerbe treten.

Das Teilnehmerfeld in Hasede ist gemischt: Überwiegend nehmen erfahrene Läufer daran teil, viele aus der Umgebung, einige kommen aber auch von weiter her: Die Zwillinge Iris und Claudia Brümmer (44) zum Beispiel sind aus Braunschweig und Göttingen angereist. Die passionierten Läuferinnen kennen viele Marathonstrecken auf der ganzen Welt. Trotzdem melden sie immer wieder für den Feldmark-Marathon. „Mir gefällt der fami­liäre Cha­rakter“, sagt Iris. Claudia pflichtet ihr bei: „Hier wird man beim Abholen der Startnummer mit Namen begrüßt.“ Auf der flachen und landschaftlich reizvollen Strecke trainieren die Schwestern für die großen Stadtmarathons.

Es geht durch Felder und Wiesen, entlang an Kanälen und Kreisstraßen. An der Strecke stehen keine Zuschauer, einzig die Helfer, die den Weg weisen, applaudieren. Bereits wenige Hundert Meter nach dem Start hat sich das „Feld“ entzerrt: Vorn ziehen zwei ambitionierte Läufer einsam ihre Kreise, die meisten Teilnehmer laufen ihr Tempo, nur selten findet sich eine Gruppe zusammen. Nach der hal­ben Distanz sind viele Läufer allein – mit der Landschaft und ihrem inneren Schweinehund. Vor und hinter ihnen ist niemand zu sehen. Dafür wird an den Verpflegungspunkten jeder Läufer begrüßt und erhält ein paar aufmunternde Worte. Mancher Teilnehmer bleibt sogar für ein Schwätzchen stehen.

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