Marathon in der Provinz

Kleine Veranstaltungen mit Charme: Steinhuder-Meer-Lauf

Nicht alle Veranstaltungen können den Organisationsberg noch bewältigen...

Die Veranstalter des Steinhuder-Meer-Laufs haben eine umgekehrte Entwicklung zu verzeichnen: Während vor eini­gen Jahren noch bis zu 150 Läufer auf der Marathon-Distanz starteten, waren es zuletzt um die 50. „Pro Läufer bräuchten wir einen Streckenposten“, beschreibt Carsten Schmidt vom Veranstalter TSV Poggenhagen das Problem. Der Aufwand wurde im Verhältnis zu den Teilnehmerzahlen einfach zu groß.

Der Marathon am Steinhuder Meer konnte dem Organisationsberg nicht stand halten.

Bild: Tortuosa / wikipedia.de

2009 wurde der Marathon daher erstmals seit 28 Jahren aus dem Programm genommen. Schmidt glaubt, dass es inzwischen zu viele Läufe in der Region gibt: „Die Läufer kommen nicht mehr aufs Land.“
Wer aber doch aufs Land kommt, möchte ­ohne Ablenkung laufen und die Natur er­leben: „Hier kann ich den Kopf abschalten und die Landschaft genießen“, sagt Wolfgang Hornberger, der am Wendland-Marathon teilnimmt. Kleine Marathons sind etwas für Individualisten, die den Rummel meiden, und für Läufer, die Veranstaltungen vor der eigenen Haustür mitnehmen. „Man fühlt sich hier wohl und trifft eine Reihe guter Bekannter“, sagt Hans-Joachim Meyer, Vorsitzender des 100 Marathon Clubs, der in Hasede mitläuft. Und Jobst von Palombino, der aus Bückeburg zum Moormarathon angereist ist, will sogar einen Trend ausgemacht haben: „Was immer stärker zählt, ist die Laufkultur: Viele sind mehr auf Genuss und weniger auf Masse oder gute Zeiten aus.“

Andererseits müssen die Sieger auf Beifall verzichten: Als der erste Finisher im Ziel des Moormarathons einläuft, nimmt kaum jemand Notiz von ihm, da kurz vor und hinter ihm einige Läufer auf den später gestarte­ten kürzeren Distanzen ankommen. In Liepe ist der Sieger dagegen zunächst mit den Veranstaltern allein: Erst nach und nach trudeln weitere Teilnehmer ein. Das Gewusel, das nach den Kinderläufen und Kurzdistanzen im Dorfgemeinschaftshaus herrschte, ist längst einer Atmosphäre wie am Ende einer Party gewichen: Die letzten Gäste sitzen ­müde und plaudernd zusammen und verzehren die Reste des Buffets. Und auch sie werden längst verschwunden sein, wenn das Schlusslicht unter den Startern nach 5:24 Stunden ins Ziel kommt. Dann setzt in dem kleinen Ort im ehemaligen Zonenrandgebiet bereits die Abenddämmerung ein. Und die Kühe sind wieder fast für sich allein.

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