Chicago-Marathon 2013

Kimetto verpasst knapp neuen Weltrekord

Dennis Kimetto hat ein Jahr nach seinem Marathon-Debüt den Chicago-Marathon gewonnen und dabei den Weltrekord um lediglich 22 Sekunden verpasst.

14102013 Chicago Marathon 2013 Dennis Kimetto

Dennis Kimetto triumphiert in Chicago.

Bild: Bank of America Chicago Marathon

Dennis Kimetto lief in Chicago mit einer Zeit von 2:03:45 Stunden ins Ziel. Der Kenianer bewies damit auch, dass die Chicagoer Strecke bei guten Wetterbedingungen, wie sie am Sonntag herrschten, nach wie vor geeignet ist für einen Weltrekord. Eine globale Männer-Bestzeit hatte hier zuletzt Khalid Khannouchi (Marokko) aufgestellt, der 1999 mit 2:05:42 gewann. Bei den Frauen hatte Paula Radcliffe (Großbritannien) hier vor elf Jahren mit 2:17:18 einen Weltrekord aufgestellt.

Der 29-jährige Dennis Kimetto erzielte am Sonntag die viertbeste Zeit aller Zeiten über die klassische Distanz und stellte einen Streckenrekord auf. Zweiter wurde Emmanuel Mutai (Kenia) mit 2:03:52. Zum ersten Mal blieben damit auf einer Rekord-konformen Strecke zwei Läufer unter 2:04 Stunden. Dritter wurde mit Sammy Kitwara in 2:05:16 ein weiterer Kenianer mit einer Weltklassezeit.

Rita Jeptoo war bei dem World Marathon Majors (WMM)-Rennen die schnellste Frau. Die Kenianerin gewann in der Jahresweltbestzeit von 2:19:57 Stunden vor ihrer Landsfrau Jemima Sumgong (2:20:48) und der Russin Maria Konovalova (2:22:46). Jeptoo lief die erste Zeit unter 2:20 in diesem Jahr. 45.000 Läufer hatten für den Chicago-Marathon gemeldet, 40.143 gingen an den Start.

Das Männerrennen war von Beginn an schnell und die Zwischenzeiten stets nur einige Sekunden langsamer als jene von Wilson Kipsang vor zwei Wochen in Berlin. Der Kenianer war in der deutschen Hauptstadt mit 2:03:23 Stunden Weltrekord gelaufen. 16 Läufer plus Tempomacher gingen das hohe Anfangstempo mit. Sie passierten die 10-km-Marke nach 29:21 Minuten – fünf Sekunden langsamer als Kipsang vor zwei Wochen.

Der erste bemerkenswerte Ausfall aus der großen Spitzengruppe war dann Zersenay Tadese. Der Halbmarathon-Weltrekordler aus Eritrea schaffte es einmal mehr nicht, sein enormes Vermögen auf die Marathondistanz zu übertragen. Der Serien-Weltmeister über die „halbe Distanz“ fiel vor der 20-km-Marke aus der Führungsgruppe heraus, hatte bei der Halbmarathonmarke bereits über eine Minute Rückstand und beendete das Rennen bald darauf vorzeitig. Die Spitzengruppe passierte die erste Hälfte in 61:52 Minuten und lag damit gut auf Kurs für den angepeilten Streckenrekord, den der Äthiopier Tsegaye Kebede vor einem Jahr mit 2:04:38 aufgestellt hatte. Verglichen zu Kipsangs Berliner Weltrekord fehlten zu diesem Zeitpunkt 18 Sekunden.

An der 25-km-Marke war die Chicagoer Spitzengruppe bis auf drei Sekunden an die entsprechende Berliner Zwischenzeit herangekommen. Als nach 25 km (1:13:16 Stunden) der letzte Tempomacher aus dem Rennen ging, waren es vor allen Dennis Kimetto und Emmanuel Mutai, die die Initiative ergriffen und das Tempo hoch hielten. Es wurde spannend, sowohl im Kampf um den Sieg als auch im Rennen gegen die Uhr. Waren an der 25-km-Marke noch neun Läufer in der Spitzengruppe, begann diese bei 30 km auseinanderzufallen. Dennis Kimetto, der nach seinem zweiten Platz beim Debüt in Berlin 2012 (2:04:16) im Februar den Tokio-Marathon gewonnen hatte (2:06:50), und Emmanuel Mutai, der 2011 beim London-Marathon in 2:04:40 triumphiert hatte, machten Druck. 1:28:04 war ihre Durchgangszeit bei 30 km – immer noch waren sie nur drei Sekunden langsamer als Kipsang in Berlin. Nur noch zwei Sekunden waren es bei 35 km (1:42:38), doch Kipsang war vor zwei Wochen die letzten sieben und besonders die letzten zwei Kilometer sehr schnell gelaufen. An der 40-km-Marke (1:57:18) fehlten sechs Sekunden zur Weltrekord-Zwischenzeit. Nachdem Kimetto und Mutai zuvor ihre Landsleute Sammy Kitwara und Micah Kogo hinter sich gelassen hatten, fiel die Entscheidung kurz vor Kilometer 41. Hier setzte sich Dennis Kimetto, der bei den Big 25 Berlin 2012 den aktuellen Weltrekord über 25 km aufgestellt hatte (1:11:18), von Mutai ab.

Dass er den Weltrekord mit 2:03:45 relativ knapp verpasst hatte, störte Dennis Kimetto nicht. „Ich bin froh, denn ich habe den Kursrekord gebrochen. Die Bedingungen waren heute sehr gut“, erklärte der Kenianer in einem Interview mit NBC. Neben seinem Sieggeld von 100.000 Dollar verdiente er sich weitere 150.000 Dollar an Prämien.

Im Rennen der Frauen passierten acht Läuferinnen die Halbmarathonmarke nach 1:11:15 Stunden. Nur noch fünf liefen dann nach 25 km (1:24:18) an der Spitze: Titelverteidigerin Atsede Baysa (Äthiopien), die im Vorjahr im Zweikampf gegen Rita Jeptoo mit einer Sekunde Vorsprung gewonnen hatte, die Kenianerin Jeptoo, Maria Konovalova (Russland), Jemima Sumgong (Kenia) und Abebech Afewok (Äthiopien).

Jeptoo, die ihre Bestzeit von 2:22:04 2012 bei der knappen Niederlage in Chicago aufgestellt hatte, hielt das Tempo hoch und so war sie nach 30 km (1:40:52) zusammen mit Sumgong alleine an der Spitze. Baysa war nach einer Krankheit vor einigen Monaten noch nicht wieder in Bestform. Vor der 40-km-Marke fiel dann die Entscheidung: Jeptoo setzte sich ab. Der Sieg war der Kenianerin, die im April den Boston-Marathon gewonnen hatte, sicher. Doch nun jagte Rita Jeptoo noch ihr erstes Ergebnis unter 2:20 Stunden. Um drei Sekunden unterbot sie schließlich diese Marke mit 2:19:57. Damit hatte die 32-Jährige auch die Jahresweltbestzeit ihrer Landsfrau Priscah Jeptoo (2:20:15), mit der sie nicht verwandt ist, unterboten. Insgesamt erhielt Rita Jeptoo in Chicago Preis- und Zeitgelder von 155.000 Dollar.

Nach den Bombenanschlägen beim Boston-Marathon im April fand das Rennen unter deutlich verstärkten Sicherheitsvorkehrungen statt. Um die Opfer des Boston-Attentats zu unterstützen, hatten die Veranstalter zudem ihren Läufern angeboten, mit blauen Schnürsenkeln an den Start zu gehen, um somit ihre Sympathie für Boston auszudrücken. Blau ist die Farbe des Boston-Marathons. Die Schnürsenkel wurden für 26 Dollar verkauft. Der Erlös kommt den Boston-Opfern zugute.

Die Ergebnisse des Chicago-Marathon 2013

Männer:

Platz Name Land Zeit
1. Dennis Kimetto KEN 2:03:45
2. Emmanuel Mutai KEN 2:03:52
3. Sammy Kitwara KEN 2:05:16
4. Micah Kogo KEN 2:06:56
5. Dathan Ritzenhein USA 2:09:45
6. Ayele Abshero ETH 2:10:10
7. Hiroaki Sano JPN 2:10:29
8. Moses Mosop KEN 2:11:19



Frauen:
Platz Name Land Zeit
1. Rita Jeptoo KEN 2:19:57
2. Jemima Sumgong KEN 2:20:48
3. Maria Konovalova RUS 2:22:46
4. Aliaksandra Duliba BLR 2:23:44
5. Atsede Baysa ETH 2:26:42
6. Ehitu Kiros ETH 2:27:42
7. Yukiko Akaba JPN 2:27:49
8. Abebech Afework ETH 2:28:38

Die schnellsten Männer-Zeiten aller Zeiten

Zeit Name Land Event Datum
2:03:23 Wilson Kipsang KEN Berlin 29.9.2013
2:03:38 Patrick Makau KEN Berlin 25.9.2011
2:03:42 Wilson Kipsang KEN Frankfurt 30.10.2011
2:03:45 Dennis Kimetto KEN Chicago 13.10.2013
2:03:52 Emmanuel Mutai KEN Chicago 13.10.2013
2:03:59 Haile Gebrselassie ETH Berlin 28.9.2008
2:04:05 Eliud Kipchoge KEN Berlin 29.9.2013
2:04:15 Geoffrey Mutai KEN Berlin 30.9.2012
2:04:16 Dennis Kimetto KEN Berlin 30.9.2012
2:04:23 Ayele Abshero ETH Dubai 27.1.2012


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