Partystimmung auf der Lustmeile

Kigen gewinnt 25. Marathon Hamburg

Bei besten Bedingungen liefen 15.174 Läufer beim Jubiläums-Marathon Hamburg. Wilfred Kigen siegte in 2:09:22.

Marathon Hamburg 2010

Die Landungsbrücken bei Kilometer 10 sind immer einer der Stimmungshöhepunkte beim Marathon Hamburg.

Bild: Dirk Stelzner; Bettina Wagner

Zum Jubiläum gab es perfekte Laufbedingungen: Bei 9 Grad Celsius startete der 25. Hamburgmarathon am Millerntor in St. Pauli auf die Reeperbahn, Hamburgs weltbekannter Lustmeile. Ein Highlight war der Lauf für viele der 15.174 Starter, darunter auch Prominente wie Johannes B. Kerner, Christian Clerici oder der „Tiger“, Ex-Boxweltmeister, der hier seinen zweiten Marathon lief. Viel Prominenz gab es bei den Eliteläufern nicht: Mangels Antrittsgeldern und mäßigen Siegprämien blieb die Marathon-Weltelite aus. Somit war aber der Weg frei für einen, der den Sieg hier schon einmal fast sicher hatte: Wilfred Kigen (Kenia) siegte in 2:09:22 Stunden vor dem eingebürgerten Norweger Urige Buta mit 2:09:27 Stunden und dem beherzt laufenden Eritreer Beyene Zerea Beraki (2:10:06 Stunden).

Kigen, dreifacher Frankfurt-Marathon-Sieger, war in Hamburg bereits sechs mal am Start und wurde 2007 denkbar knapp Zweiter. Damals hatte ihn Rodgers Rop in einem fulminanten Endspurt auf den letzten Metern geschlagen. Diesmal war das Zielfinish genau andersherum, Kigen lief klug und war in der Verfolgerrolle. Bis Kilometer 35 lief eine fünfköpfige Spitzengruppe beisammen, bis Urige Buta und Beyene Beraki mit einer Tempoverschärfung die Gruppe sprengten. Kigen kontrollierte die Situation und zog auf der längsten Zielgerade eines Marathonlaufs, der Glacischaussee, an dem Norweger vorbei.

Lange draußen war da schon der einzige Deutsche Spitzenläufer: Martin Beckmann. Er wollte hier eigentlich eine neue persönliche Bestzeit laufen, doch er lief viel zu schnell an. Bei Kilometer 5 war er bereits 15 Sekunden zu schnell, bei Kilometer 10 lief sein Tempomacher 40 Sekunden zu schnell durch. „Und dann war das Tempo einfach viel zu unruhig – das ist die Art der Kenianer“, beklagte sich Beckmann anschließend im RUNNER’S WORLD-Interview. „Die laufen halt mal einen Kilometer 20 Sekunden schneller, dann mal wieder langsam. Wir laufen halt kontinuierlicher.“ Bei Halbmarathon, als Beckmann die deutlich zu schnelle Zeit realisierte, gab er entnervt und deutlich verärgert auf. „Da kann man nichts machen, den Tempomacher kannte ich nicht: Den stellt der Veranstalter.“ Ob Beckmann einen weiteren Marathon vor der Europameisterschaft in Barcelona, für die er bereits qualifiziert ist, laufen wird, ließ er offen. Nächste Woche will sein Teamkollege Falk Cierpinski beim Marathon in Düsseldorf starten.

Bei den Frauen war im Spitzenfeld deutlich weniger Spannung. Siegerin Sharon Cherop lief in ihrem erst zweiten Marathon ein mutiges Rennen. Die Kenianerin verbesserte mit 2:28:38 Stunden ihre persönliche Bestzeit um fünf Minuten. Zweite wurde Biruktayit Eshetu Degefa. Die 20-jährige Äthiopierin blieb mit 2:29:48 Stunden ebenfalls noch unter der 2:30-h-Marke. Weiter abgeschlagen war bereits die Dritte, Beata Naigambo aus Namibia mit 2:33:00 Stunden. Beste Deutsche wurde die Westfälin Kirsten Heckman in 2:51:42 Stunden als 14. Direkt hinter kam Daniela Jakop in 2:51:54 Stunden ins Ziel und wurde damit gleichzeitig Hamburger Marathonmeisterin. Schnellster Deutscher war Magnus Kreth 2:28:27 Stunden auf Platz 10. Jan Oliver Hämmerling war Zweitschnellster in 2:31:44 Stunden auf Platz 14.

Die anfänglich idealen Temperaturen von 9 Grad am Start wurden im Laufe des Tages für die Mehrzahl der Läufer fast zu warm. „Besser geht es nicht“, sagte der Sieger der Handbiker, Vico Merklein: Der Weltrekordler stellte mit seinem Sieg einen neuen Streckenrekord beim Hamburg-Marathon auf mit 1:06:24 Stunden. Sein Trainingspartner Arkadiusz Skrzypinski (Polen), mit dem er die meiste Zeit des Rennens die Führungsarbeit geteilt hatte, wurde Zweiter in 1:06:43 Stunden.
Insgesamt setzte sich der Teilnehmerrückgang der letzten fünf Jahre beim Hamburg-Marathon fort – kein Grund zum Jubeln für den Veranstalter des viel beworbenen Jubiläumsmarathons. Der Teilnehmerrekord wurde 2005 mit 18.243 Läufern erreicht. Begonnen hatte alles 1986 mit damals immerhin schon über 7000 Teilnehmern. Über 50 Marathon-Jubilare waren in diesem Jahr wieder dabei, die jeden der 25 Marathons in Hamburg absolviert habe. Etwas missmutig wurde von den Teilnehmern auch die Verlegung der Marathonmesse in den Schuppen 52 im Freihafen aufgenommen, der von der Innenstadt nur per Shuttle oder eigenem PKW zu erreichen war; da war der Ort der früheren Marathonmesse in den Messehallen deutlich zentraler. Ein Lob gab es jedoch für die Hamburger Straßenmeisterei, die die gröbsten Frostlöcher im Asphalt noch rechtzeitig ausgebessert hatten.

Herausragend war einmal mehr die Stimmung in Hamburg: Während beim Start an der Reeperbahn noch einige Nachtschwärmer die Läufer unterstützten, waren bereits zum Anfeuern des Spitzenfeldes dichte Zuschauerreihen an den prominenten Streckenabschnitten. Der Hamburg-Marathon erwies sich somit erneut als Zuschauermagnet, offiziell gemeldet wurden 850.000 Zuschauer. Die vielleicht weltweit beste Marathon-Stimmung motivierte die Teilnehmer besonders an Landungsbrücken und Klosterstern. Darüber hinaus stehen aber entlang fast der gesamten Strecke Zuschauerreihen – das gibt es nirgendwo sonst beim Marathon.

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