Interview

Irina Mikitenko: „Ich fühle mich erschöpft und leer“

Aufgrund des Todes ihres Vaters hat Irina Mikitenko auf ihren Start beim WM-Marathon verzichtet.

Irina Mikitenko mit ihrer Familie

Die Familie ist ein Motor für Irina Mikitenko. Hier sitzt sie gemeinsam mit ihrem Mann Alexander sowie ihren Kindern Vanessa und Alexander.

Bild: Photorun

Der Tod ihres Vaters hat Irina Mikitenko aus der Bahn geworfen. Die zurzeit schnellste Marathonläuferin der Welt wird bei den Weltmeisterschaften in Berlin am 23. August nicht antreten. Am Tag ihres 37. Geburtstages hätte die Läuferin des TV Wattenscheid Chancen gehabt, ihre Karriere mit einer Goldmedaille zu krönen. Das deutsche Team hat damit eine der größten Hoffnungen auf einen WM-Triumph verloren.

Als Sie Ende Juni aus einem ersten Höhentrainingslager aus St. Moritz zurückkehrten, waren Sie noch guter Dinge. Was passierte dann?

Irina Mikitenko:
„Ja, das erste Trainingslager in St. Moritz lief sehr gut, ich hatte Spaß am Laufen und war optimistisch. Aber dann musste mein Vater Anfang Juli mit einem akuten Lungenproblem ins Krankenhaus. Es ging ihm von Tag zu Tag schlechter, ich war jeden Tag bei ihm und nur mittags kurz zuhause, um den Kindern Essen zu kochen. Das tat meinem Vater gut, dass ich bei ihm war, das habe ich gesehen – und mir auch. Ich konnte schon damals nicht mehr richtig trainieren. Ich habe es früh morgens versucht, aber ich war so leer und kaputt. Es ging einfach nicht.“

Sie gingen aber damals noch davon aus, dass Sie bei der WM starten würden.

Irina Mikitenko:
„Ich hoffte, dass es meinem Vater bald wieder besser gehen würde und ich dann wie geplant ins zweite Trainingslager nach St. Moritz fahren würde. Doch es ging ihm immer schlechter und er starb in der dritten Juli-Woche. Mein Vater war der wichtigste Mensch für mich. Ihm habe ich auch zu verdanken, dass wir 1996 aus Kasachstan überhaupt nach Deutschland gekommen sind. Dass er tot ist, kann ich immer noch nicht begreifen, er fehlt mir sehr. Es ist die schwierigste Zeit in meinem Leben.“

Sie sind dann trotzdem noch einmal nach St. Moritz gefahren.

Irina Mikitenko:
„Ja, ich war noch einmal neun Tage in St. Moritz mit meiner Familie und meiner Mutter. Ich habe alle anderen beim Training gesehen und bin auch selbst wie automatisch zum Laufen gegangen. Aber es machte keinen Sinn, ich fühle mich erschöpft und leer. Ich hatte mich sehr auf die WM gefreut und habe mich nach dem London-Marathon nur auf diesen Start vorbereitet und alle anderen Startangebote abgelehnt. Aber die Familie ist für mich viel wichtiger als alles andere. Mein Vater war immer stolz auf mich … ich werde weiterlaufen.“


Hier finden Sie ein Dossier mit allen Informationen rund um die Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2009 in Berlin

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