2-Stunden Barriere fällt

Interview mit Haile Gebrselassie

Haile Gebrselassie

Haile Gebrselassie als Erster im Ziel beim Berlin-Marathon.

Bild: Norbert Wilhelmi

Was ist für Sie noch möglich im Marathon?

Ich bin sicher, dass ich 2:03:30 Stunden im Marathon erreichen kann, allerdings muss dafür alles perfekt zusammenpassen. Vielleicht sind sogar 2:03:00 möglich, aber das ist schwer zu sagen. 2008 gab es beim Dubai-Marathon so einen Tag und ich ärgere mich heute noch darüber, dass ich damals den Rekord verpasste, weil wir im ersten Teil des Rennens etwas zu schnell angegangen sind. Für mich sind die beiden besten Marathonstrecken die in Berlin und Dubai. Hier kannst du dein eigenes Rennen laufen. Manche Leute sagen, ich jage nur Rekorde – aber wo ist das Problem? Das ist das, was ich machen möchte! In Berlin haben sie im vergangenen Jahr mit Duncan Kibet den nach mir zweitschnellsten Marathonläufer der Welt ins Rennen genommen. Ich habe gesagt, ,Ja, lasst ihn laufen’. Denn dadurch war ich noch konzentrierter.

Ist der olympische Marathon in London 2012 nach wie vor Ihr Ziel?

Ja, 2012 möchte ich in London bei den Olympischen Spielen Marathon laufen. Die Konkurrenz wird natürlich von Jahr zu Jahr immer stärker. Deswegen bin ich darauf bedacht, meine Form zu halten und sie bis 2012 sozusagen zu konservieren, um dann topfit zu sein. Um dieses Ziel zu erreichen, werde ich nicht mehr als zweimal pro Jahr einen Marathon laufen. Ich glaube, dass man sich generell keine bestimmten Grenzen oder Limits setzen sollte. Das brauchen wir im Sport nicht – man sollte immer nach vorne schauen. Einige Athleten haben bestimmte Ziele, wo und wann sie zurücktreten wollen. Ich glaube, wenn du dir ein solches Ziel ausgesucht hast, bist du in diesem Augenblick praktisch schon zurückgetreten.

Welche fünf Rennen sind Ihre Lieblingsläufe?

Der Berlin-Marathon gehört natürlich dazu, denn ich habe auf dieser Strecke den Weltrekord gebrochen und zuletzt viermal in Folge gewonnen. Berlin ist eine tolle Stadt. Der Dubai-Marathon ist nicht so weit weg von meiner Heimat, wo ich lebe und trainiere. Die Reise ist kein Problem, die Betreuung ist fantastisch und ich bin erstaunt, dass es die Organisatoren immer wieder schaffen trotz der vielen Baumaßnahmen eine Top-Strecke anzubieten. Der London-Marathon ist ein sehr gut etabliertes Rennen und ich laufe gerne dort. Ich hoffe, dass mir 2012 in London bei Olympia etwas Besonderes gelingt. In die Liste der Top fünf muss ich auch den Great Ethiopian Run aufnehmen. Das Rennen in meiner Heimat bedeutet mir sehr viel. Der Fukuoka-Marathon zählt ebenfalls dazu. Ich habe diesen Lauf 2006 gewonnen und die Atmosphäre dort genossen. Auch nach Fukuoka würde ich gerne wieder zurückkehren.

Wie wird sich der Marathon-Weltrekord entwickeln?

Ich glaube wirklich, dass eines Tages die Zwei-Stunden-Marke fällt. Es wird nicht in den nächsten 20 bis 30 Jahren passieren, aber wir werden es erleben!

Weiterlesen

Seite 3 von 3
Zurück zur ersten Seite:
Interview mit Haile Gebrselassie