Tod von Grete Waitz

Ihr Weg zum Marathon

Grete Waitz

Grete Waitz.

Bild: photorun.net

In einer Zeit, als die längsten Frauen-Laufstrecken bei großen Meisterschaften 1.500 m betrugen, gewann Grete Waitz in Norwegen nationale Junioren-Titel über 400 und 800 m. Es heißt, dass sie es nicht leicht hatte, ihre Eltern davon zu überzeugen, es mit der Leichtathletik zu versuchen. Doch 1971 rannte Grete Waitz einen Juniorinnen-Weltrekord über 1.500 m (4:17,0 Minuten), nachdem sie im gleichen Jahr übrigens eine Hochsprung-Bestleistung von 1,61 m aufgestellt hatte. Als 18-Jährige startete sie dann über die 1.500-m-Distanz bei den Olympischen Spielen von München 1972. Damals blieb sie bei der olympischen 1.500-m-Premiere der Frauen im Vorlauf hängen. Längere Distanzen standen noch nicht auf dem Programm. Ihr Talent für Langstrecken hatte Grete Waitz damals ohnehin noch nicht richtig entdeckt, obwohl sie schon immer eine starke Crossläuferin war und bei diesen Rennen gleich zwölf Jahre lang bis 1981 ungeschlagen war. Von ihrer späteren Paradedisziplin, dem Marathon, war die Läuferin aus Oslo Anfang der 70er Jahre jedoch noch weit entfernt.

Heute klingt diese Aussage kurios, und schon ein Jahr später wird Grete Waitz darüber selbst gelacht haben. Denn 1975 unterbot sie in Oslo den 3.000-m-Weltrekord um gut sechs Sekunden und lief 8:46,6 Minuten. 1976 verbesserte sie die Marke auf 8:45,4. Doch auch die 3.000 m waren zu kurz für Grete Waitz, die 1975 ihren Trainer Jack Waitz geheiratet hatte. Nachdem sie 1978 ihren ersten von fünf Cross-WM-Titeln gewonnen hatte, war es der Gründer des New York-Marathons, Fred Lebow, der sie einlud, bei seinem Rennen an den Start zu gehen.

Das beweist auch eine Aussage von Grete Waitz aus dem Jahr 1974, über die der Italiener Roberto L. Quercetani in seinem Buch ,A World History of Long Distance Running’ schreibt. Demnach wurde Grete Waitz nach ihrer Bronzemedaille über 1.500 m bei den Europameisterschaften in Rom gefragt, ob sie nicht vielleicht auf die 3.000-m-Strecke wechseln wolle. Denn diese Distanz gehörte damals erstmals zum EM-Programm. Darauf antwortete Grete Waitz: „Ich habe diese Strecke bereits ausprobiert und ich glaube, das ist zu lang!“

Nie zuvor war Grete Waitz einen Marathon gelaufen. „Ich ging“, erzählte sie später über eine Situation kurz vor dem Start, „zu einem bärtigen Mann, der in einem Jeep stehend Anweisungen gab und fragte ihn: ,Mister Lebow, wo muss ich hier lang laufen?’“ Gut zweieinhalb Stunden später hatte Grete Waitz den New York-Marathon gewonnen und bei ihrem Debüt auch gleich den Weltrekord von Christa Vahlensieck (2:34:47) um gut zwei Minuten auf 2:32:30 verbessert. Damit begann für sie in New York eine einmalige Erfolgsstory, die Grete Waitz auch in Amerika zu einem Vorbild des Frauenlaufsports machte. Im folgenden Jahr kehrte sie nach New York zurück und lief als erste Frau unter zweieinhalb Stunden (2:27:33). Das Rennen wurde damals zum ersten Mal live im Fernsehen gezeigt. Die Sendezeit aber ging zu Ende, ohne dass von dem bahnbrechenden Rekord der Grete Waitz die Rede war. Im TV-Abspann sah man die Norwegerin noch durch das Ziel laufen, doch nur Insider erkannten, was gerade passierte.

Weiterlesen

Seite 2 von 4
Lesen Sie auf der nächsten Seite:
Ihr Verdienst für den Frauen-Langstreckenlauf