Rekordgage verpasst

Haile verpasst den Weltrekord in Dubai

Nur 28 Sekunden fehlten dem Laufstar, um seinen eigenen Weltrekord von Berlin zu knacken.

Haile Gebrselassie

Haile Gebrselassie unterwegs in Dubai zur zweitschnellsten Zeit aller
Zeiten.

Bild: Standard Chartered Dubai Marathon/Veranstalter

Superstar Haile Gebrselassie hat es trotz perfekten Wetters auf der wohl flachsten Strecke der Welt nicht geschafft, seinen eigenen Marathon-Weltrekord zu brechen. Um nur 28 Sekunden hat der Äthiopier die höchste Prämie in der Geschichte des Laufsports verpasst. Eine Million Dollar hatten die Veranstalter des Standard Chartered Dubai-Marathons mit Hilfe des Investment-Unternehmens Dubai-Holding neben dem Sieggeld von 250000 Dollar für einen neuen Weltrekord ausgelobt. 2:04:26 Stunden war der äthiopische Ausnahmeläufer in Berlin am 30. September des vergangenen Jahres gerannt, als er den Weltrekord des Kenianers Paul Tergat um 29 Sekunden unterboten hatte. Nach 2:04:53 war er nun in Dubai im Ziel. Das Rennen der Frauen gewann in den Vereinigten Arabischen Emiraten Gebrselassies Landsfrau Berhane Adere in hochklassigen 2:22:42 Stunden.

Immerhin war das Resultat von Haile Gebrselassie in Dubai die zweitschnellste Zeit aller Zeiten über die klassischen 42,195 km. Nur der zweifache 10000-m-Olympiasieger selbst, der in seiner Karriere bisher 18 offizielle und sieben inoffizielle Weltrekorde aufstellte, war jemals schneller. Und Haile Gebrselassie konnte sich mit der höchsten Siegprämie der Marathon-Geschichte trösten. „Es tut mir leid, dass ich es nicht geschafft habe, die hohen Erwartungen zu erfüllen. Aber es ist auch für mich nicht so einfach wie viele denken, einen Weltrekord zu brechen“, sagte Haile Gebrselassie, der sich nun auf den Marathon-Olympiastart in Peking vorbereiten wird. Danach ist ein Start beim New York-Marathon denkbar.

Auf der komplett flachen Strecke ging Gebrselassie bei perfekten Wetterbedingungen (11° Celsius beim Start, kein Wind) nach einem furiosen Beginn auf den letzten zehn Kilometern die Puste aus. Tempomacher hatten Haile Gebrselassie nach superschnellen 28:39 Minuten zur 10-km-Marke gezogen, nach 61:27 Minuten war die erste Hälfte gelaufen – keine schlechte Siegzeit in einem Halbmarathonrennen. Doch die Pacemaker hatten übertrieben. Dabei war es ausgerechnet ein Läufer aus dem eigenen Stall von Hailes Manager Jos Hermens, Jackson Koech (Kenia), der am Anfang wesentlich zu schnell losgerannt war. „Vielleicht war er in guter Form“, nahm es Haile Gebrselassie später bei der Pressekonferenz mit Humor, nachdem ihm die Enttäuschung über den verpassten Rekord zunächst anzusehen war.

Das zu schnelle Tempo hatte sich am Ende bitter gerächt, Gebrselassie wurde alleine laufend müde und der Weltrekord geriet außer Reichweite. „Ich muss mich zukünftig am Anfang mehr zurückhalten“, sagte der 34-Jährige, der aber mit großem Vorsprung vor den Kenianern Isaac Macharia (2:07:16) und Sammy Korir (2:08:01) ins Ziel kam. „Ich habe schon kurz vor dem Ausscheiden des letzten Tempomachers Abel Kirui bei Kilometer 30 gesehen, dass Haile müder wird“, erklärte Jos Hermens. Der Holländer hatte ebenso wie Gebrselassie selbst in der Anfangsphase des Laufes die Gelegenheit verpasst, das Tempo zu drosseln. „Die Bedingungen waren einfach unglaublich. Ich dachte, dies könnte ein sehr spezieller Tag werden und vielleicht geht es auch mit diesem Supertempo“, erklärte Jos Hermens, der aber auch sagte: „Haile hätte selbst das Tempo jederzeit drosseln können – er ist ja der Chef im Rennen.“

Bei 30 km war Haile Gebrselassie mit einer Zwischenzeit von 1:28:01 Stunden noch 53 Sekunden schneller als in Berlin im September. Doch in der Folge verlor er sichtbar an Fahrt, der Vorsprung im Vergleich zu seinen Berliner Zwischenzeiten schmolz bei steigenden Temperaturen in der Sonne von Dubai. Bei 40 km war es vorbei mit dem Millionentraum. Nach 1:58:20 passierte Gebrselassie diese Marke, nunmehr 13 Sekunden langsamer als in Berlin.

„Mir war das Tempo am Anfang zu schnell. Daher habe ich mich gleich zurückfallen lassen und bin in einer zweiten Gruppe mein eigenes Tempo gerannt“, erklärte Sammy Korir. Der Kenianer, mit einer Bestzeit von 2:04:56 Stunden der nach wie vor drittschnellste Läufer aller Zeiten, war nach diversen Verletzungsproblemen zufrieden mit seiner Zeit von 2:08:01 und Rang drei.

Im Rennen der Frauen stieg die Cross- und Halbmarathon-Weltmeisterin Lornah Kiplagat (Kenia) kurz nach der Halbmarathonmarke aus. Dadurch war der Weg frei für die Äthiopierin Berhane Adere, die im Oktober den Chicago-Marathon gewonnen hatte. Für ihren Erfolg in der Kursrekordzeit von 2:22:42 Stunden erhielt auch sie ein Sieggeld von einer Viertelmillion Dollar. Hier belegten ihre Landsfrauen Bezunesh Bekele (2:23:09) und Askale Tafa (2:23:23) die nächsten Ränge.

Mit großer Spannung wartete in den frühen Morgenstunden in Berlin der Race-Direktor des Berlin-Marathons, Mark Milde, auf die Zwischenzeiten und Ergebnisse, die er per SMS aus Dubai erhielt. “Ich war angespannt, denn es war mir klar, dass dies von Haile ein absolut ernsthafter Rekordversuch war. Meine Hoffnung war, dass das Wetter schlecht sein könnte oder dass Haile zu schnell anläuft – letzteres ist dann passiert, wie mir die Zwischenzeiten zeigen“, erklärte Mark Milde, der aber auch hinzufügte: „Mir ist natürlich bewusst, dass Rekorde da sind, um gebrochen zu werden. Aber jetzt bin ich erst einmal froh, dass unser Rekord noch steht.“

Dennoch: Der Dubai-Marathon hat sich am Freitag früh unter den schnellsten Rennen der Welt etabliert. Und mittelfristig ist es durchaus denkbar, dass in den Vereinigten Arabischen Emiraten der Weltrekord fällt. „Wir haben mit diesem Rennen heute den bisher größten Schritt nach vorne gemacht“, erklärte der englische Race-Direktor des Laufes, Peter Connerton.