Nach dem Berlin Marathon

Haile Gebrselassie: "Ich kann 2:03:30"

Haile Gebrselassie nach seinem Weltrekord beim Berlin-Marathon im Runner’s World-Interview.

Haile Gebrselassie krönte das Jubiläumsrennen beim 35. Berlin-Marathon mit einem Weltrekord: Der Äthiopier lief als erster Athlet über die 42,195 km unter 2:04 Stunden. Nach 2:03:59 war Haile Gebrselassie im Ziel am Brandenburger Tor und hatte damit seinen eigenen, im vergangenen Jahr in Berlin aufgestellten Weltrekord um 27 Sekunden verbessert.

Der alte und neue Weltrekordler über die Marathondistanz freut sich über seine 2:03:59 Stunden.

Bild: Martin Grüning

Was machte es möglich, dass Sie in diesem Jahr noch schneller waren als letztes Jahr beim Weltrekord?
Haile Gebrselassie: „Es war ein so passendes Wetter, wie man es wohl nur einmal im Leben zum Tag eines Rekordversuchs geschenkt bekommt. Außerdem lief die Vorbereitung auch so gut wie nie zuvor. Zwar bekam ich vor zwei Wochen leichte muskuläre Probleme, aber da war die harte Trainingsarbeit ja schon getan. Und eventuell brachten mich auch erst diese Probleme dazu, optimal zu regenerieren.
Außerdem waren die Pacemaker in diesem Jahr noch perfekter als letztes Jahr. Vor allem Abel Kirui war bis Kilometer 32 ganz souverän an der Spitze. Danke!
Und dann das Publikum. Immer und überall „Haile! Haile!“, ich liebe das Berliner Publikum und sie mich offensichtlich auch.“

Waren Sie überrascht, dass die beiden Kenianer Charles Kamathi und James Kwambai ihr Rekordtempo mitgingen?
Gebrselassie: „Ich hatte Kamathi erwartet, aber dass dieser andere Kenianer, Kwambai, mitging. Uhh, das war überraschend. Ja, ich machte mir ein wenig Sorgen. Und als er schließlich noch bei 36, 37 km dran war... Er kam mit einer 2:10er Bestzeit nach Berlin und jetzt rennt er 2:05!“

Wieviel schneller können Sie den Marathon noch laufen?
Gebrselassie: „Ich kann noch ein wenig schneller. Ich halte für mich eine 2:03:30 für realistisch. Aber jetzt beginnt ein viel schwerer Lauf: der Lauf gegen mein Alter!

Dies war Ihr 25. Weltrekord, also auch ein Jubiläum.
Gebrselassie: „Eigentlich mein 26. Weltrekord, aber leider wurde der 25-km-Rekord ja noch nicht anerkannt. Aber wissen Sie, es ist wieder „nur“ ein Rekord, und morgen kann ihn schon jemand brechen. Rekorde sind vergänglich, aber die Erlebnisse, die ich damit verbinde, die kann mir niemand nehmen. Und ich brauche Ziele, ja auch dafür sind die Rekorde wichtig. Denn hätte ich kein Ziel mehr, dann müsste ich aufhören zu trainieren. Zwischen meinem ersten Weltrekord in Hengelo auf der Bahn und heute liegen 14 Jahre, eine lange Zeit, doch ich bin noch immer hungrig.“

Werden Sie im kommenden Jahr in Berlin bei den Weltmeisterschaften im Marathon starten?
Gebrselassie: “Die diesjährige Marathonvorbereitung mit der Bahnsaison und der 10000-m-Teilnahme in Peking bei den Olympischen Spielen war eigentlich sehr, sehr gut. Wäre ich in Peking etwas aggressiver gelaufen, wäre statt Platz sechs auch eine Medaille drin gewesen. Also sollte ich so auch kommendes Jahr vorgehen und bei der WM in Berlin nur auf der Bahn starten und erst im Herbst in Berlin beim Marathon. Aber da ich in Berlin noch nie ein Rennen verloren habe, reizt es mich schon, auch einen Marathonstart bei der WM zu überdenken.“

Besten Dank für das Gespräch.

Lesen Sie außerdem unseren Bericht über den Berlin-Marathon und schauen Sie sich unsere ausführlichen Fotogalerien Berlin-Marathon Teil 1, Berlin-Marathon, Teil 2) und die Impressionen vom Streckenrand an.

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