Vor dem Berlin-Marathon

Haile Gebrselassie „In Berlin ist immer etwas möglich“

Haile Gebrselassie vor dem Berlin-Marathon am Sonntag: "Ich weiß, dass ich 2:03 Stunden laufen kann".

Haile Gebrselassie vor dem Berlin-Marathon

Haile Gebrselassie bei der Pressekonferenz in Berlin.

Bild: photorun.net

Mit Haile Gebrselassie startet am Sonntag beim real,- Berlin-Marathon der vielleicht größte Läufer aller Zeiten. Der Äthiopier brach in seiner Karriere bisher 18 offizielle und 7 inoffizielle Weltrekorde, hinzu kamen zwei Olympiasiege und vier Weltmeistertitel über 10.000 Meter. Damit steht der 35-jährige äthiopische Volksheld zumindest in einer Reihe mit dem legendären Finnen Paavo Nurmi, der bis Anfang der 30er Jahre 35 Weltrekorde aufgestellt hatte, oder Emil Zatopek. Der Höhepunkt in der Karriere des Tschechen waren die Olympischen Spiele 1952 in Helsinki, wo er Gold über 5.000 m, 10.000 m sowie im Marathon gewann.

Mit seinem Landsmann und Nachfolger Kenenisa Bekele, der ihm auch die Weltrekorde über 5.000 und 10.000 m abnahm, kann Haile Gebrselassie nicht mehr ganz mithalten. Diese Bestzeiten wird er nicht mehr erreichen können. Doch im Marathon ist das anders: Haile Gebrselassie ist sich sicher, dass er über die 42,195 km sein volles Potenzial noch nicht ausgeschöpft hat.

„Ich weiß, dass ich 2:03 Stunden laufen kann. Aber ich weiß nicht, wann ich das erreichen werde. Für Sonntag will ich mir keine bestimmte Zeit als Ziel setzen. Ich möchte keine Zeiten mehr prognostizieren“, erklärte der 35-Jährige, der vor einem Jahr den Weltrekord auf 2:04:26 Stunden verbessert hatte. Damit war er 29 Sekunden schneller als Paul Tergat (Kenia) vier Jahre zuvor in Berlin und stellte erstmals eine globale Bestmarke über die klassische Distanz auf. Jetzt würde er die Marke gerne unter 2:04 Stunden drücken. „Wenn es mir gelingt, die erste Streckenhälfte in der Zeit wie letztes Jahr zu passieren (62:29 Minuten, d. Red.), traue ich es mir zu. Bei meinem Versuch in Dubai war die erste Hälfte zu schnell.“ Gebrselassie hatte im Januar den Dubai-Marathon in 2:04:53 gewonnen.

Sein Training in der Höhenlage der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba verlief sehr gut, betonte er. „Nach den Olympischen Spielen habe ich zu Hause trainiert, dabei stand die Ausdauer im Vordergrund. Und ich bin dabei sehr gut in Form gekommen. Ich hatte dann ein kleines muskuläres Problem vor zwei Wochen, aber das ist normal, wenn man auf einem so hohen Level trainiert. Da gibt es immer wieder mal kleine Wehwehchen. Ich fühle mich jetzt fit und gehe mit viel Selbstvertrauen ins Rennen“, erklärte Haile Gebrselassie und fügte hinzu: „Aber wenn man einen Weltrekord im Marathon aufstellen will, dann muss an diesem Tag alles perfekt stimmen. Wenn es am Sonntag klappt, prima. Wenn es nicht reicht, dann schauen wir auf das nächste Jahr. Aber Berlin bietet den schnellsten Kurs, da ist immer etwas möglich.“

„Von allen meinen Weltrekorden ist die Marathon-Bestmarke ohne Zweifel die wichtigste, denn der Marathonlauf ist eindeutig die Königsdisziplin unter den Langstrecken. Jetzt steht mein Name in den Marathon-Rekordlisten, und darauf bin ich stolz. Denn noch in 100 Jahren wird man ihn lesen und sagen, ah, das war Haile Gebrselassie“, erzählte der Ausnahmeläufer, der aus Zentral-Äthiopien (Provinz Arsi) stammt und neun Geschwister hat. Haile Gebrselassie wuchs auf einer Farm auf, seine Schule war zehn Kilometer entfernt. Laufend beziehungsweise rennend absolvierte er täglich den Schulweg. Damit legte Haile Gebrselassie wie viele andere afrikanische Weltklasse-Langstreckenläufer als Kind eine Grundlage für seine spätere Karriere. Auf dem Schulweg trug er seine Bücher unter dem Arm. Das erkennt man heute noch an seinem Laufstil, denn sein linker Arm ist dabei stärker angewinkelt.

Heute lebt Haile Gebrselassie längst in der Hauptstadt Addis Abeba. Mit seiner Frau hat er vier Kinder (drei Töchter und einen Sohn). Früh morgens fährt der Läufer aus der Stadt heraus und absolviert in der Höhe seine Haupt-Trainingseinheit. Anschließend arbeitet Haile Gebrselassie einige Stunden in seinem Bau- und Immobilien-Unternehmen bevor er nach einer Ruhepause nachmittags eine zweite Trainingseinheit absolviert. „Diese Trainingseinheit ist lockerer als die am Morgen. Und meist gehe ich danach noch in den Kraftraum.“ Langsam allerdings läuft Haile Gebrselassie nie. „Ich kann nicht wirklich langsam joggen. Irgendetwas in mir drängt mich dazu, schnell zu laufen. Ein langsamer Lauf ist für mich, wenn ich 4:30 Minuten pro Kilometer laufe, alles andere geht nicht.“

Text: race-news-service.com
Foto: photorun.net

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