New-York-Marathon

Geoffrey Mutai pulverisiert Kursrekord

Der Kenianer Geoffrey Mutai gewann den New-York-Marathon in 2:05:06 Stunden.

Geoffrey Mutai pulverisiert Kursrekord in New York

Geoffrey Mutai läuft auch in New York einen sensationellen Streckenrekord.

Bild: photorun.net

Geoffrey Mutai hat bewiesen, dass auch auf der welligen Strecke des New-York-Marathons Weltklassezeiten möglich sind: Der Kenianer gewann das Spektakel am Sonntag in 2:05:06 Stunden und verbesserte damit den zehn Jahre alten Kursrekord gleich um 2:37 Minuten. Zweiter wurde der nicht mit dem Sieger verwandte Emmanuel Mutai (Kenia/2:06:28), Rang drei belegte Tsegaye Kebede (Äthiopien/2:07:13). Bei sehr guten Witterungsbedingungen – Temperaturen von knapp 10 Grad Celsius zur Startzeit, Sonne und praktisch kein Wind – setzte sich bei den Frauen überraschend die Äthiopierin Firehiwot Dado mit 2:23:15 durch. Die große Favoritin, Mary Keitany (Kenia), musste ihrem übertriebenen Anfangstempo Tribut zollen und brach am Ende ein. Hinter Bizunesh Deba (Äthiopien/2:23:19) wurde Keitany Dritte mit 2:23:38. Rund 45.000 Läufer gingen bei der 42. Auflage des New-York-Marathons an den Start.

Dass Geoffrey Mutai schnell laufen kann, hatte er in der Vergangenheit schon mehrfach bewiesen. 2010 steigerte er sich in Rotterdam zunächst auf 2:04:55 Stunden, dann lief er in Berlin 2:05:10 – beide Male wurde er jeweils von seinem Landsmann Patrick Makau knapp auf Platz zwei verwiesen. Dann triumphierte der inzwischen 30-Jährige im April auf der hügeligen Strecke von Boston mit 2:03:02. Es ist die schnellste Zeit aller Zeiten, jedoch kann das Ergebnis nicht als Weltrekord anerkannt werden, da die abfallende Bostoner Punkt-zu-Punkt-Strecke nicht die für Rekorde nötigen Kriterien erfüllt. Der Rückenwind hat an jenem Tag im April sicherlich auch geholfen, jedoch war es trotzdem eine Sensation, dass auf einer schweren Strecke wie in Boston derartige Zeiten möglich sind. Nun hat Geoffrey Mutai in New York seine Leistung aus dem April bestätigt.

Die Boston-Resultate eingeschlossen, ist das New Yorker Ergebnis die achtschnellste Zeit des Jahres. Und New Yorks neuer Kursrekord ist plötzlich schneller als der auf der flachen Strecke von Chicago. Nur noch sechs Rennen haben einen besseren Kursrekord als New York: Boston, Berlin, Frankfurt, Rotterdam, London und Dubai.

Ohne Tempomacher erreichte die zehnköpfige Spitzengruppe die Halbmarathonmarke nach 63:17 Minuten. In der Folge wurde es etwas schneller und die ersten Läufer konnten das Tempo nicht mehr halten. Sieben Läufer erreichten dann den 30-km-Punkt nach 1:29:45 Stunden: Geoffrey und Emmanuel Mutai, der Debütant Matthew Kisorio (alle Kenia), der Titelverteidiger Gebre Gebremariam, Tsegaye Kebede (beide Äthiopien), Jaouad Gharib (Marokko) und der einzige nicht-afrikanische Läufer Meb Keflezighi (USA). Doch diese Gruppe blieb nur noch kurze Zeit zusammen. Denn etwa zehn Kilometer vor dem Ziel machte Geoffrey Mutai ernst, nachdem er sich zuvor zurückgehalten hatte: Der Boston-Sieger zog das Tempo deutlich an und riss damit die Gruppe auseinander. Zunächst konnten Kebede, Gebremariam und Emmanuel Mutai noch mithalten, doch dann setzte sich Geoffrey Mutai entscheidend ab. An der 40-km-Marke (1:58:42) hatte er bereits einen Vorsprung von 55 Sekunden auf seinen Namensvetter und Kebede, die um Platz zwei kämpften. Auch im sehr welligen Central Park zeigte Geoffrey Mutai auf den letzten Kilometern keine Schwäche.

Hinter dem Sieger Geoffrey Mutai (2:05:06), Emmanuel Mutai (2:06:28) und Kebede (2:07:13) belegten Gebremariam (2:08:00), Gharib (2:08:27) und Keflezighi (2:09:13) die nächsten Plätze. Der US-Amerikaner riskierte mit seinem Start in New York viel. Denn bereits am 14. Januar finden in Houston die US-Olympia-Ausscheidungen im Marathon statt. Nur die ersten drei qualifizieren sich dort für London 2012. Meb Keflezighi bleibt eigentlich zu wenig Zeit, um bis Houston wieder in Form zu kommen. Um die Qualifikation braucht sich dagegen Viktor Röthlin keine Sorgen zu machen. Der Schweizer Marathon-Europameister belegte in New York Rang elf in 2:12:26 Stunden.

„Auch wenn ich gewonnen habe, war das nicht leicht“, erklärte Geoffrey Mutai und fügte hinzu: „Ich wollte nicht an einem bestimmten Punkt die Führung übernehmen, ich bin einfach nur mein Tempo gelaufen.“ Zum ersten Mal seit zehn Jahren gab es in New York wieder einen Kursrekord bei den Männern. 2001 hatte der Äthiopier Tesfaye Jifar in 2:07:43 Stunden gewonnen. Für seine Leistung erhielt Geoffrey Mutai neben der Siegprämie von 130.000 Dollar einen Bonus von weiteren 70.000 Dollar.

Eine noch deutlich höhere Prämie sicherte sich allerdings der zweitplatzierte Emmanuel Mutai. Der Kenianer wurde in New York zum neuen Gewinner der World Marathon Majors (WMM)-Serie 2010-2011. Während bei den Frauen die Russin Liliya Shobukhova bereits vor ihrem Sieg in Chicago als Siegerin feststand, waren vor dem New York-Marathon noch vier Athleten im Rennen um die Prämie von einer halben Million Dollar. Für den London-Marathon-Sieger Emmanuel Mutai war es auf den letzten Kilometern entscheidend, dass er Tsegaye Kebede hinter sich lassen konnte. Wenn der Äthiopier ihn überholt hätte, dann hätte Geoffrey Mutai nicht nur das Rennen sondern auch noch die WMM-Serie gewonnen.

Die Äthiopierin Firehiwot Dado siegte in New York in 2:23:15 Stunden.

Bild: photorun.net

Mangelnde Erfahrung im Marathon kostete Mary Keitany den Sieg in New York. Die kenianische Weltrekordlerin über die Halbmarathon- und 25-km-Distanz lief am Sonntag ihr drittes Rennen über die 42,195 km. New York scheint dabei nicht ihr Pflaster zu sein. Vor einem Jahr war sie bei ihrem Debüt in Big Apple als Dritte in 2:29:01 Stunden klar unter ihren Möglichkeiten geblieben. Im April zeigte sie dann in London ihr Potenzial und gewann in 2:19:19 Stunden. Noch schneller wollte sie nun auf der schwereren New Yorker Strecke laufen. Mit Zwischenzeiten, die zum Teil sogar in den Bereich von Paula Radcliffes Weltrekord (2:15:25) gingen, überraschte sie die Konkurrenz und die Beobachter. Kilometer 10 passierte Mary Keitany nach 31:54 Minuten, den 15-km-Punkt erreichte sie in 47:59 und die Halbmarathonmarke nach 67:56. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie einen Vorsprung von 2:17 Minuten auf eine vierköpfige Verfolgergruppe mit den Äthiopierinnen Firehiwot Dado, Bizunesh Deba und Worknesh Kidane sowie der Boston-Marathon-Siegerin Caroline Kilel (Kenia). Auch diese Gruppe lief mit einer Zwischenzeit von 70:13 Minuten ein sehr hohes Tempo.

Nach einer Weltklasse-Zwischenzeit über 25 km (1:21:38) wurde Mary Keitany langsamer und der Vorsprung begann jenseits der 30 km-Marke (1:38:57) dramatisch zu schmelzen. Für den folgenden 5-km-Abschnitt benötigte die Kenianerin gut 18 Minuten – damit lief sie plötzlich nur noch ein 2:32-Stunden-Tempo. Kurz vor der 40-km-Marke schlossen Firehiwot Dado und Bizunesh Deba zu Mary Keitany auf. Kurzzeitig versuchte die Kenianerin noch gegenzuhalten, doch einen Kilometer vor dem Ziel zog Dado davon. Nun war Mary Keitany endgültig geschlagen. Auch im Kampf um Platz zwei hatte sie keine Chance.

Hinter Firehiwot Dado, die mit 2:23:15 den acht Jahre alten Streckenrekord von Margaret Okayo (Kenia/2:22:31) letztlich nicht gefährden konnte, Bizunesh Deba (2:23:19) und Mary Keitany (2:23:38) belegten Ana Dulce Felix (Portugal/2:25:40), Kim Smith (Neuseeland/2:25:46) und Caroline Kilel (2:25:57) die nächsten Plätze.

„Es war ein hartes Rennen mit einem für mich überraschenden Ausgang. Aber natürlich bin ich sehr froh“, erklärte die 27-jährige Äthiopierin, die in New York den größten Sieg ihrer Karriere feierte und insgesamt 170.000 Dollar verdiente. Firehiwot Dado hatte in den Jahren 2009 bis 2011 dreimal in Folge den Rom-Marathon gewonnen und ihre persönliche Bestzeit dabei in diesem Frühjahr auf 2:24:13 gesteigert.

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