Interview mit Peter Vetter

Gefährdet Hurrikan Sandy den New-York-Marathon 2012?

Hurrikan Sandy bringt den US-Präsidentschaftswahlkampf durcheinander. Ist auch der New-York-Marathon gefährdet? Reiseveranstalter Peter Vetter im Interview.

Gefährdet Hurrikan Sandy den New-York-Marathon?

Beim New-York-Marathon 2011 konnten die Läufer die Skyline bei strahlendem Sonnenschein bestaunen. Dieses Jahr sorgt Hurrikan Sandy für Unruhe.

Bild: Norbert Wilhelmi

Hurrikan „Sandy“ bringt in New York alles durcheinander, sogar den Präsidentschaftswahlkampf: Ist auch der New-York-Marathon 2012 am Sonntag, den 4. November 2012, gefährdet? Wir haben Reiseveranstalter Peter Vetter von Grosse-Coosmann Sportreisen nach seiner Einschätzung der Lage befragt.

Peter Vetter, wird der New York-Marathon stattfinden am kommenden Sonntag?

Oha, ich sag so: Es gibt bisher keine Äußerungen, dass er nicht stattfindet. Ich weiß, die Annahme kursiert im Internet – aber das sind alles Spekulationen, keiner weiß was, nichts ist entschieden.

Für Montag und Dienstag gibt es bereits zahlreiche Flugstornierungen. Was passiert mit den Marathonläufern, die schon losfliegen wollten: Kommen die noch rechtzeitig zum Marathon?

Wir haben wenige Reisende, die schon am Montag nach New York wollten, morgen am Dienstag aber schon mehr. Nach Aussage der Fluggesellschaft heißt es, dass die nicht Mittwoch und auch nicht Donnerstag befördert werden können, sondern erst am Freitag. Wir haben die gleiche Problematik: Unsere Mitarbeiter sollten morgen, am Dienstag, abreisen. Aber da geht nix. Das heißt: Wir beobachten auch.

Das werden ja aus Europa hunderte, tausende Marathonläufer sein, die ihren ursprünglichen Flug nicht werden antreten können: Schaffen die Fluggesellschaften das überhaupt, die alle rechtzeitig nach NY zu bringen?

Meines Erachtens ohne den Einsatz zusätzlicher Fluggeräte nicht. Denn alle Flüge sind voll.

Wird es zusätzliche Flüge geben?

Ich sehe das nicht, denn die Flugzeuge stehen ja nicht zur Verfügung. Aber momentan warten alle ab!

45.000 beim New-York-Marathon: 242 Fotos

Was müssen die Läufer tun, die nach New York reisen wollen: Wo können Sie sich über Ihren Reiseverlauf und die Daten informieren?

Es ist so: Wir informieren per E-Mail und Rundmail – wie die meisten anderen Reiseveranstalter aus Deutschland. Das ist natürlich auch schwierig für uns. Viele Kunden rufen uns auch an – die nehmen wir an, so wir das schaffen. Wir versuchen, drei bis viel Mal am Tag einen Rundmail zu schrieben und den neusten Stand durchzugeben. Wir fragen dazu auch ständig die Fluggesellschaften an. Momentan wissen wir nur: Montag und Dienstag fliegt keiner. Was Mittwoch und Donnerstag passiert, müssen wir abwarten.

Wie ist denn die rechtliche Situation: Wer kommt für die Kosten auf? Für Umbuchung, Hotelkosten für Zimmer, die nicht bezogen werden können und so weiter?

Das ist ein komplexes Thema. Meine erste Annahme ist: Es handelt sich hier um höhere Gewalt. Das kann dazu führen, dass das jeden einzelnen trifft und Kosten entstehen, die mir persönlich anfallen. Die Airlines äußern sich sehr vorsichtig. Die Hotels haben wir angegangen: Den Montag haben wir schon storniert – in der Hoffnung, dass die Stornierungskosten nicht angerechnet werden.

Würde der Reisende denn zahlen müssen?

Meine Annahme bei den Hotels und den Airlines ist: Jeder wird die Kosten ausschütten, die er vereinnahmt hat. Andererseits: Das kann ich mir für den New York-Marathon nicht vorstellen. Denn wie soll der Marathon das machen? Die haben ja bis jetzt schon hohe Aufwendungen, die aufgelaufen sind. Wir hatten eine etwas ähnliche Situation beim Boston Marathon in 2010, wo wetterbedingt etliche Starter nicht anreisen konnten. Und der Veranstalter von Boston, die BAA, hat nichts wieder ausgeschüttet. Die BAA garantiert aber den Läufern, die eine Startnummer hatten und nicht starten konnten, einen Startplatz fürs nächste Jahr – allerdings gegen Entgelt. Also, ich stelle mir das schwierig vor, dass der New York-Marathon die Anmeldegebühren wieder ausschüttet, sollten die Läufer nicht anreisen können oder Marathon nicht stattfinden.

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Bildergalerie: New-York-Marathon 2011
Foto: Urs Weber

Welche Kosten fallen dann für den Reisenden an?

Die Reise hat ja einen pauschalen Reisepreis. Und der Marathonstart für 395 Euro wird dazu gebucht. Aber ich rate jetzt: Nicht überhitzt reagieren. Der New York-Marathon wird sich heute melden bei uns. Bislang steht ja auf deren Webseite, dass man sich ständig auf dem Laufenden halten solle. Wir warten mal ab, was heute passiert. Wenn es bei uns 16 Uhr ist, dann sind die Amerikaner mit der Zeitverschiebung auch im Büro – und dann erfahren wir mehr.

Wie ist Ihre persönliche Einschätzung der Lage –mit der Erfahrung des Reiseveranstalters?

Wenn der Hurrikan Dienstag auf die Ostküste trifft und drei bis vier Tage Wind und arktische Kälte mit sich bringt – da stelle ich mir die Frage, wie sieht es dann in New York aus? Haben die dann noch Zeit, die Absperrung zu machen für den Marathon? Für den Veranstalter wird sich die Frage nicht stellen: Die haben die eiserne Regel, das unter allen Umständen durchzuziehen. Das haben wir ja auch nach dem 9. September 2001 gesehen. Ich könnte mir vorstellen, dass das eventuell sogar der Bürgermeister von New York das diesmal entscheiden wird.

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