Berlin-Marathon

Freude am Laufen

Läufer-Predigt zum Berlin-Marathon

Gut gelaunte Läufer beim Mailänder Weihnachtsmannlauf.

Bild: photorun.net

Um Gottes Willen, ist das dein Ernst, Pfarrer Klaus Feierabend?! Nein, natürlich nicht. Aber so haben sie es mir mitteilen lassen, meine ehemaligen Freunde, die ich in meiner Seelennot damals um ihre einfache persönliche Antwort auf meine Gottverlassenheit nach dem Tod meiner wunderbaren Frau F. bat. Sie, die frommen Christenmenschen, waren in eigener Person nicht fähig zu solcher von mir erhofften einfachen persönlichen Antwort. Stattdessen schickten sie mir eine gedruckte Broschüre, angefüllt mit eben diesem fundamentalistischen Unsinn, als wüssten sie nicht, dass ich Pfarrer bin und theologische Fachbücher gelesen habe. Jetzt jedoch brauchte ich etwas anderes, das hatten sie nicht. Sehr sehr schade, für mich und auch für sie.

Und mir fiel das Bibelwort ein: MIT MEINEM GOTT KANN ICH ÜBER MAUERN SPRINGEN! So heißt es im Psalm 18, Vers 30. Dort allerdings ist es ein kriegerisches Unternehmen gegen Feinde, deren Mauern gestürmt werden sollen. Ich erlaube mir die Freiheit eines ganz anderen Verstehens: MIT DEM STEINERNEN DOGMA KANNST DU NICHT ÜBER MAUERN SPRINGEN! Es ist nicht tragfähig, das Dogma, weil es nicht getragen werden kann. Das Dogma ist nicht tragbar, ähnlich wie der Stein des Sisyphos. Aber du kannst über Mauern springen mit dem lebendigen, dem sprungfähigen, mit dem springenden Gott! Das lass du dir von niemandem nehmen!

Und von daher ist die zwangsweise Verbiegung der Person des Nazareners in die Position des unnahbaren Richters: „Hinab mit dir in die Hölle!“ die gefälschte Rechtfertigung jener, die sich am liebsten selber in der Position des Weltenrichters sehen. Wir aber stehen neben der sog. Ehebrecherin, die, von allen verurteilt zur Steinigung, ihren vergebenden Freispruch aus dem Mund Jesu vernimmt. Wisst ihr, geistlich zu sein ist kein Beruf, obwohl es heißt: Siehe, ein Geistlicher! Im Gegenteil: Die professionellen Geistlichen stehen andauernd vor der Versuchung, den geistlichen Anspruch als ausschließlich i h n e n vorbehalten zu sehen, unerreichbar jedoch den anderen, den normalen Menschen.

So kann es aus geistlichem Mund zu fatalen Ratschlägen für den normalen und angeblich ungeistlichen Menschen kommen. Ein Beispiel gefällig? Zitat: „Der Sonntag ist wie ein großes Atemholen. Wir müssen verhindern, das DIE WASCHKÜCHE DES ALLTAGS, DIE NEBELSCHWADEN DER DIESSEITIGKEIT, DES REINEN GEWINN- UND KONSUMDENKENS, DES GENUSSLEBENS UND UNSERER PERSÖNLICHEN SORGEN immer höher steigen und alles zudecken.

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