Berlin Marathon 2017

Eliud Kipchoge: "Ich bin bereit für den Weltrekord"

Jürg Wirz hat für RUNNER'S WORLD ein Exklusiv-Interview mit Eliud Kipchoge geführt. Der will beim Berlin-Marathon 2017 einen Weltrekord laufen.

Berlin-Marathon 2016 – Bilder Best of
Eliud Kipchoge

Eliud Kipchoge

Bild: photorun.net

Eliud Kipchoge, wir sitzen vor dem Trainingscamp Ihrer Management-Agentur Global Sports in Kaptagat. In rund zwei Wochen kommt es zum großen Showdown in Berlin. Wie verlief das Training, ging alles nach Plan?

Eliud Kipchoge: Ja, absolut. Wir hatten in letzter Zeit zwar ziemlich viel Regen und konnten oft erst im letzten Moment entscheiden, wo das Bahntraining möglich war. Man muss wissen, dass die Kunststoffbahn in Eldoret zuerst nur für Veranstaltungen freigegeben wurde, und jetzt wird das Stadion renoviert. So waren wir oft auf einer aufgeweichten Aschenbahn. Aber kein Problem. Alles ist bestens – und ein Bahntrauing stand ja nur einmal in der Woche auf dem Programm.

Gab es Änderungen im Training?

Ich habe gleich trainiert wie letztes Jahr und zuletzt vor dem Breaking2-Versuch in Monza. Der einzige Unterschied: Vor Monza gab es durch die Beteiligung der Nike-Forschungsabteilung den einen oder anderen wissenschaftichen Test; das fiel diesmal wieder weg.

Letztes Jahr verbesserten Sie den Streckenrekord in London um 1:23 Minuten und verpassten mit 2:03:05 Stunden den Weltrekord nur um acht Sekunden. Schöpfen Sie daraus die Zuversicht für Berlin?

London war kein Weltrekordversuch; dass ich so schnell unterwegs war, realisierte ich erst auf den letzten Kilometern. Ich bin überzeugt, dass ich besser bin als vor einem Jahr. Der Breaking2-Versuch hat das gezeigt. Natürlich hatte ich dort Hilfen, die es in Berlin ncht gibt, aber wenn mein Körper fähig ist, den Marathon in zwei Stunden und 25 Sekunden zu laufen, ist er auch bereit für den regulären Weltrekord.

In Berlin kommt es zum grossen Showdown der drei im Moment besten Marathonläufer der Welt: neben Ihnen sind auch Wilson Kipsang und Kenenisa Bekele am Start. Kipsang ist Ihr Landsmann, hat aber einen anderen Ausrüster und auch Manager. Was erwarten Sie von dieser Kostellation? Ist ein Teamwork denkbar?

Ich gehe nach Berlin als Eliud Kipchoge, nicht als Nike-Athlet oder Repräsentant von Gobal Sports. Ich bin nicht Kenenisa, ich bin nicht Wilson. Ich kann nicht sagen, welche Absicht die beiden haben. Ich gehe davon aus, dass jeder für sich schauen wird. Ich konzentriere mich ganz auf mich. Nach allem, was ich im Marathon bisher erreicht habe, ist der Weltrekord das Ausrufezeichen, das mir noch fehlt. Die beiden anderen sind auch stark, aber ich habe in der Vorbereitung alles dafür getan, dass ich am 24. September der neue Weltrekordhalter sein werde.

Eliud Kipchoge beim Breaking2-Versuch in Monza.

Bild: Nike

Letztes Jahr war der letzte Tempomacher schon nach 27 Kilometern draussen. Diesmal soll die Unterstützung besser sein. Können Sie schon sagen, wie schnell Sie die erste Hälfte laufen wollen?

Die Details werden wir an der Pressekonferenz vor dem Rennen bekannt geben. Dann wissen wir auch, wie am Renntag das Wetter sein wird. Es macht ja keinen Sinn, wenn ich jetzt sage, ich will die erste Hälfte soundso schnell laufen – und dann regnet es in Strömen.

Dann stelle ich die Frage anders: Nehmen wir an, das Wetter ist so gut wie in den letzten Jahren. Ist eine Halbmarathon-Durchgangszeit von 61 Minuten dann realistisch? Die schnellste Durchgangszeit war bis jetzt 61:24 bei Ihrem Sieg letztes Jahr in London.

Ja, das ist realistisch.

Dann wäre auch ein ganz spezieller Rekord möglich. Themawechsel. Sie sagen immer wieder, in einem Marathon sei der Kopf – der mentale Bereich – mindestens so wichtig wie der Körper.

Das ist tatsächlich ein sehr wichtiger Teil. Man setzt sich mit allen Eventualitäten auseinander, damit man im Rennen nicht erschrickt, wenn man plötzlich ein paar Sekunden schneller oder langsamer unterwegs ist. Die mentale Vorbereitung ist genauso wichtig wie die körperliche. Ich gehe sogar so weit zu sagen, der Geist befiehlt über den Körper.

Haben Sie denn eine Zeit im Kopf, an die Sie im Training immer wieder denken?

Sie kennen die Antwort. Ich will den Weltrekord. 2:02:56 ist ein neuer Weltrekord. Daran orientiere ich mich.

So wie ich Sie kenne, wären Sie mit der Verbesserung um eine Sekunde nicht zufrieden. Hinzu kommt: Wenn Sie 2:02:56 laufen, wären Sie zwar eine Sekunde unter dem bestehenden Weltrekord, aber die Möglichkeit ist gross, dass Sie dann trotzdem nicht neuer Weltrekordinhaber sind, weil Kipsang oder Bekele schneller waren...

Kein Kommentar. (Lacht laut…)

Eliud Kipchoge

Bild: photorun.net

Eliud Kipchoge gewann bei den Olympischen Spielen in Rio im vergangenen Sommer den Marathon.

Mehrere Wissenschaftler haben sich an der Diskussion beteiligt, welche Zeit in einem regulären Marathon möglich ist. Die beiden Holländer Hans van Dijk und Ron van Megen kamen zum Schuss, die 2:00:25 von Monza seien in einem Städtemarathon wie Berlin 2:02:18 wert. Ross Tucker glaubt sogar an 2:01:40. Haben Sie sich mit diesen Berechnungen auseinandergesetzt?

Ich habe das gelesen. Ganz interessant. Aber es ist doch so, dass ich laufen werde und keiner dieser Wissenschaftler. Was die berechnet haben, ist Theorie. Theorie und Praxis sind zwei verschiedene Dinge. Jeder, der schon einen Marathon gelaufen ist, weiss, wie viel auf den 42,195 Kilometern passieren kann. Ich kann nicht auf diese Experten abstellen. Ich ziehe es vor, ganz einfach vom Weltrekord zu reden.

Vor einiger Zeit haben Sie gesagt, 2:01 oder 2:01:30 sei schon in eins bis zwei Jahren möglich. Halten Sie immer noch daran fest?

Ich bin fest davon überzeugt und denke, dass verschiedene Läufer dafür in Frage kommen, Trainingskollegen von mir und auch Mo Farah, wenn es ihm gelingt, seine Unterdistanzfähigkeit auf den Marathon zu übertragen.

Eliud Kipchoge sollten wir auch nicht vergessen. Sie denken ja vorläufig nicht an Rücktritt.

Ich werde schon noch ein paar Jahre weitermachen und versuchen, mich weiter zu verbessern. Doch im Moment dreht sich für mich alles um Berlin.

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