Neues Wertungssystem der WMM

Ein Eigentor der World-Marathon-Majors-Serie?

Im Rahmen des Tokio-Marathons wurde ein Wertungssystem der World-Marathon-Majors-Serie (WMM) verabschiedet. Die wichtigste Neuerung: Der Wertungszeitraum wurde verkürzt.

Berlin-Marathon 2014 - Die Bilder
Irina Mikitenko

Irina Mikitenko siegte 2008 beim einzigen deutschen WMM-Rennen in Berlin und wurde danach zur WMM-Siegerin. Nach einer Punktgleichheit gab es die bis heute einzige Abstimmung über einen WMM-Sieger.

Bild: photorun.net

Im Rahmen des Tokio-Marathons gaben die Verantwortlichen der World Marathon Majors (WMM) vor wenigen Tagen eine gravierende Änderung bezüglich des Wertungssystems bekannt. Wurden die Sieger der WMM bisher in einer zwei Jahre laufenden Serie ermittelt, so wurde dieser Zeitraum nun um rund ein Jahr gekürzt. Zu der Serie gehören die Marathonrennen von Tokio, Boston, London, Berlin, Chicago und New York, außerdem werden die Marathonentscheidungen der Weltmeisterschaften und der Olympischen Spiele eingerechnet.

Mit einem ausgeklügelten System starteten die World Marathon Majors 2006. Eine WMM-Serie lief jeweils zwei Jahre, jedoch überlappten die Serien jeweils. Jährlich wurde eine neue Serie gestartet, so dass ab 2007 nach jedem New York-Marathon im November ein Sieger und eine Siegerin gekürt wurden, die je 500.000 Dollar kassierten. Bei jedem Rennen sammelten die Läufer somit Punkte für zwei Serien – zum Beispiel im vergangenen Jahr für die Serien 2013-2014 sowie 2014-2015. Doch dieses System ist Geschichte.

World-Marathon-Majors-Serie 2016 begann mit dem Tokio-Marathon

Die neue WMM-Serie begann am vergangenen Sonntag in Tokio und endet mit dem japanischen Rennen 2016. Die nächste Serie fängt dann in Boston im April 2016 an und endet 2017 ebenfalls dort. Danach folgen London, Berlin, Chicago und New York jeweils mit Start- und Schlussrennen der nächsten Serien. Der Vorteil ist, dass jede Veranstaltung somit alle sechs Jahre einmal das Finale einer Serie bildet – was aber natürlich auch bei einer zweijährigen Serie möglich gewesen wäre. Auf den ersten Blick ist eine kürzere Serie übersichtlicher.

Doch am Ende könnte es auch schnell sehr unübersichtlich werden. Da jeder Läufer maximal nur zwei Rennen in eine Serie einbringen darf, sind bei bis zu acht Veranstaltungen Punkt-Gleichstände wahrscheinlicher als bisher. Zwei Weltklasseläufer, die bei unterschiedlichen Rennen an den Start gehen und jeweils zweimal gewinnen, haben jeweils 50 Punkte. Da es in dieser Konstellation keinen direkten Vergleich gibt, müssen am Ende die Race-Direktoren in einer Abstimmung über den Sieger entscheiden.

New-York-Marathon 2014 - Fotos

Das gab es bisher erst einmal, bei der zweiten Serie 2007-2008. Damals waren Irina Mikitenko und die Äthiopierin Gete Wami punktgleich. Da auch der direkte Vergleich unentschieden stand (1:1), mussten die Race-Direktoren abstimmen. Sie votierten einstimmig für die Deutsche. Danach wurde das Regelwerk der zweijährigen Serien so geändert, dass eine für alle Beteiligten unglückliche Abstimmung zukünftig praktisch ausgeschlossen war. Nun dürfte diese Situation wieder vorkommen.

Ob die kurzen, einjährigen Serien zudem die besten Läufer der Welt genauso stark an die WMM binden wie die überlappenden zweijährigen Wertungen, bleibt abzuwarten. Wer jetzt zum Beispiel im Frühjahr nicht ganz vorne dabei ist, hat kaum noch eine Chance auf den Jackpot und könnte im Herbst dann auch mal woanders Marathon laufen. Davon wiederum könnten Rennen wie zum Beispiel Frankfurt oder Amsterdam profitieren.

Dieses Jahr kein Jackpot-Gewinner bei der WMM

In diesem Jahr wird es übrigens keine Jackpot-Gewinner geben – die bereits begonnene WMM-Serie 2014-2015 wurde nachträglich gestrichen. Wilson Kipsang, der im vergangenen Jahr die Rennen von London und New York gewonnen hatte und somit in der Serie 2014-2015 mit 50 Punkten aus zwei Rennen eine hervorragende Ausgangsposition hatte, muss nun plötzlich wieder bei null anfangen. Ganz fair ist das gegenüber den Athleten nicht.

Vielleicht hätten die WMM anstelle der Serie besser das Preisgeldsystem reformieren sollen. Nur die beiden Sieger kassieren weiterhin eine halbe Million. Selbst die Plätze zwei und drei gehen leer aus – was im Falle einer Abstimmung über den Sieger noch unglücklicher aussieht.

Es scheint so als haben sich die World Marathon Majors ein Eigentor geschossen.

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