LA-WM in Moskau

Edna Kiplagat verteidigt Marathon-Gold

Im Marathon der Frauen verteidigte die Kenianerin Edna Kiplagat ihren Titel in 2:25:44 Stunden. Auf Rang zwei folgte völlig unerwartet die Italienerin Valeria Straneo in 2:25:58.

Edna Kiplagat wurde zum zweiten Mal Marathon-Weltmeisterin.

Edna Kiplagat wurde zum zweiten Mal Marathon-Weltmeisterin.

Bild: photorun.net

Die erste Entscheidung bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften von Moskau produzierte eine Sensation: Im Marathon der Frauen verteidigte zwar mit der Kenianerin Edna Kiplagat eine der Favoritinnen ihren Titel, doch auf Rang zwei folgte völlig unerwartet die Italienerin Valeria Straneo. Kiplagat konnte sich erst zwei Kilometer vor dem Ziel absetzen und gewann in 2:25:44 mit 14 Sekunden Vorsprung vor der 37-jährigen Straneo (2:25:58), die niemand im Medaillenkampf auf der Rechnung hatte. Dritte wurde die Japanerin Kayoko Fukushi in 2:27:45 vor ihrer Landsfrau Ryoko Kizaki (2:31:28). Deutsche Läuferinnen waren bei dem Rennen, das bei Temperaturen von 27 Grad im Schatten in der Mittagshitze stattfand, nicht am Start.

Die 33-jährige Edna Kiplagat ist die erste Frau, der bei einem WM-Marathon eine Titelverteidigung gelungen ist. Vor zwei Jahren hatte sie im südkoreanischen Daegu bei noch heißerem Wetter vor ihren Landsfrauen Priscah Jeptoo und Sharon Cherop gewonnen. Die einzige andere Frau, die ebenfalls zweimal zu WM-Goldmedaillen im Marathon lief, ist Catherine Ndereba. Die Kenianerin triumphierte 2003 und 2007, 2005 war sie zudem Zweite. „Ich bin überglücklich, dass ich meinen Titel verteidigt habe“, sagte Edna Kiplagat. Überraschend war in Moskau jedoch, dass Edna Kiplagat die einzige Afrikanerin unter den besten zwölf Läuferinnen war.

Valeria Straneo kam nach 2:25:58 Stunden ins Ziel.

Bild: photorun.net

Während Favoritinnen wie die Olympiasiegerin Tiki Gelana, die Halbmarathon-Weltmeisterin Meseret Hailu, die Paris-Marathon-Siegerin Feysa Tadese und in der Endphase des Rennens auch noch Meselech Melkamu (alle Äthiopien), die im vergangenen Oktober den Frankfurt-Marathon gewonnen hatte, neben anderen aus dem Rennen gingen, setzten sich die Europäerinnen so gut in Szene wie schon lange nicht mehr bei einer Weltmeisterschaft.

Es ist acht Jahre her, dass zuletzt eine Europäerin bei einem Weltmeisterschafts-Marathon – die Titelkämpfe finden alle zwei Jahre statt – eine Medaille gewann: 2005 triumphierte Weltrekordlerin Paula Radcliffe (Großbritannien) in Helsinki mit der WM-Rekordzeit von 2:20:57. Damals lief zudem Constantina Tomescu-Dita (Rumänien) hinter Catherine Ndereba (Kenia) zur Bronzemedaille.

Auf der Pendelstrecke in der russischen Hauptstadt übernahm bereits in der Anfangsphase des Rennens Valeria Straneo die Initiative. Sie setzte sich an die Spitze des Feldes und bestimmte das Tempo, das für ein Meisterschaftsrennen recht flott war. Die 37-Jährige passierte den 10-km-Punkt in 34:12 Minuten, was auf eine Endzeit um 2:24 Stunden hinausläuft. Dadurch riss das Feld in der Hitze frühzeitig auseinander und es bildete sich schnell eine kleinere Spitzengruppe. In dieser war die Titelverteidigerin zunächst nicht vertreten. Edna Kiplagat hatte ein langsameres Anfangstempo gewählt und lag an der 10-km-Marke dadurch bereits 29 Sekunden zurück. Doch auf dem folgenden 5-km-Abschnitt arbeitete sich die Kenianerin nach vorne und erreichte die nun achtköpfige Spitzengruppe.

Man fragte sich immer wieder, wann Valeria Straneo die Kräfte ausgehen würden. Die Italienerin hatte zwar im vergangenen Jahr als Zweite in Amsterdam einen Landesrekord von 2:23:44 Stunden aufgestellt, doch nichts hatte in diesem Jahr darauf hingedeutet, dass sie bei der WM ganz vorne dabei sein könnte. Straneo war im Frühjahr keinen Marathon gelaufen, dafür rannte sie dreimal über die halbe Distanz. Ihre erreichten Zeiten bewegten sich auf keinem besonders starken Niveau, allerdings gewann sie bei den Mittelmeer-Spielen in der türkischen Küstenstadt Mersin Ende Juni die Halbmarathon-Goldmedaille. Während Valeria Straneo eine sechsköpfige Spitzengruppe – hinter der Italienerin liefen Edna Kiplagat, Kayoko Fukushi, Meselech Melkamu, Lucy Kabuu und Valentine Kipketer (beide Kenia) – nach 1:12:58 Stunden durch die Halbmarathonmarke führte, gingen dann anderen die Kräfte aus. Nacheinander fielen zunächst Kipketer und Kabuu sowie kurz vor 30 km Fukushi zurück. Fünf Kilometer vor dem Ziel war dann auch bei Melkamu der Ofen aus: Mit muskulären Problemen ging die Äthiopierin aus dem Rennen.

Könnte Valeria Straneo nun sogar der ganz große Coup gelingen? Nicht ganz, denn als Edna Kiplagat an der 40-km-Marke angriff, konnte die Italienerin nicht gleich reagieren. Der Rückstand von rund fünf Sekunden blieb bis zum Stadioneingang – das Ziel war in der Arena – konstant, aber aufholen konnte Valeria Straneo nicht mehr. „Nach 40 km musste ich Edna ziehen lassen, denn ich spürte Schmerzen in meinen Muskeln“, sagte die Italienerin und erklärte: „Ich glaube, ich war die Überraschung des Tages. Von einem solchen Erfolg hätte ich nicht zu träumen gewagt, das ist unglaublich für mich. Die Hitze war für mich nicht schlecht.“

„Es war ein hartes Rennen in dieser Hitze“, sagte Edna Kiplagat, die im April beim hochkarätigen London-Marathon den zweiten Platz belegt hatte. „Die Startzeit war ungewöhnlich, ich bin es eigentlich gewöhnt morgens zu laufen. Um mich daran zu gewöhnen habe ich teilweise auch mittags trainiert. Als ich bei 40 Kilometern antrat, war ich zuversichtlich, dass ich gewinnen würde“, erklärte Edna Kiplagat, die einst vom früheren Trainer Uta Pippigs, Dieter Hogen, entdeckt und betreut wurde.

Ergebnisse:

1. Edna Kiplagat KEN 2:25:44
2. Valeria Straneo ITA 2:25:58
3. Kayoko Fukushi JPN 2:27:45
4. Ryoko Kizaki JPN 2:31:28
5. Alessandra Aguilar ESP 2:32:38
6. Emma Quagliar ITA 2:34:16
7. Madai Perez MEX 2:34:23
8. Hye-Gyong Kim PRK 2:35:49
9. Deena Kastor USA 2:36:12
10. Susan Partridge GBR 2:36:24

Leichtathletik-Weltmeisterschafte:

Gehen sich Dibaba und Defar doch ...