Interview zum Düsseldorf-Marathon

Düsseldorf-Marathon baut zukünftig weniger auf deutsche Athleten

"Auf die deutschen Athleten zu setzen, hat leider zum wiederholten Male nichts gebracht", zeigt sich Race-Director Jan Winschermann enttäuscht. Zukünftig setzt er mehr auf internationale Athleten.

Jan Winschermann

Jan Winschermann ist der Race-Direktor des Metro Group Marathon Düsseldorf.

Bild: photorun.net

Nach dem Düsseldorf-Marathon, bei dem am 28. April 2013 der Äthiopier Dereje Debele Tulu mit 2:07:48 Stunden einen Streckenrekord aufstellte und seine Landsfrau Melkam Gizaw in 2:26:24 gewann, gab Race-Direktor des Düsseldorf-Marathons Jan Winschermann das folgende Interview:

Wie bewerten Sie die Entwicklung des Metro Group Marathon Düsseldorf nach dem Rennen am Sonntag?

Jan Winschermann: Wir hatten am Sonntag mehr Zuschauer an der Strecke als je zuvor. Das zeigt, dass die Veranstaltung insgesamt immer besser angenommen wird. Die Stimmung war phantastisch. Spitzensportlich sind wir sehr zufrieden mit einem Streckenrekord bei den Männern und der zweitschnellsten Zeit in der Geschichte des Rennens bei den Frauen. Aber ich denke, wir haben noch Potenzial für weitere Verbesserungen im Elitebereich. Wichtig ist uns, dass das Rennen für alle Teilnehmer seinen bewährten hohen organisatorischen Standard hält. Wir werden den Service für die Läufer immer mehr optimieren und erweitern.

Was ist in der Zukunft möglich bezüglich der Teilnehmerzahlen im Marathon?

Jan Winschermann: Wir hatten in diesem Jahr rund 4250 Meldungen und 3200 Starter. Wir wollen diese Zahlen natürlich erhöhen. Ich denke aber, dass wir uns bezüglich der deutschen Läufer nicht mehr groß steigern können. Wir müssen vor allem den Ausländeranteil weiter erhöhen. Dieser liegt zurzeit bei rund 15 Prozent. Ich denke, wir könnten mittelfristig zumindest über 20 Prozent Ausländer am Start haben. Wir machen entsprechende weltweite Werbung für das Rennen, und die Bewertungen, die der Metro Group Marathon Düsseldorf von seinen ausländischen Teilnehmern erhält, sind sehr gut. Die Strecke ist für deutlich mehr Marathonläufer ausgelegt. Ich hoffe, dass wir in der Zukunft 5.000 Läufer im Ziel haben werden – aber das wird eine allmähliche Entwicklung sein.

Wie sind die spitzensportlichen Ziele?

Jan Winschermann: Wir wollen mit anderen internationalen Rennen mithalten und werden deswegen versuchen, den Streckenrekord in Richtung 2:05 Stunden zu drücken. Wir sind jetzt bei einer 2:07er-Zeit angekommen, die vor einigen Jahren international durchaus noch eine hohe Wertigkeit hatte. In der Zwischenzeit haben sich die Zeiten aber geändert. Auch den Frauen-Streckenrekord (2:25:49, d. Red.) wollen wir verbessern. Insgesamt soll es in den kommenden Jahren in Düsseldorf ein breiteres Spitzenfeld geben.

Sie haben in der Vergangenheit immer wieder stark auf die deutschen Athleten gesetzt und ihnen Anreize geboten. Jetzt mussten Sie aus verschiedenen Gründen eine Reihe von Absagen hinnehmen. Ändert sich dadurch etwas für die zukünftige Herangehensweise.

Jan Winschermann: Auf die deutschen Athleten zu setzen, hat leider zum wiederholten Male nichts gebracht. Im vergangenen Jahr haben wir uns sehr eingesetzt für Anna Hahner, dieses Mal wurde uns der Rücken zugekehrt. Wir haben viel Geld investiert, aber es kam nichts zurück – es gibt kein Vertrauen. Deswegen werden wir unsere Strategie ändern und zukünftig weniger auf deutsche Athleten bauen – es sei denn, sie starten für unseren Verein. Wir werden das Geld umschichten, um internationale Topzeiten zu erreichen. Schon in diesem Jahr hätten wir ein deutlich hochkarätigeres Feld am Start haben können, wenn wir nicht nach entsprechenden Absprachen Gelder für deutsche Athleten reserviert hätten.

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