Olympische Spiele 2016

Die Top-Favoriten beim Marathon in Rio

Sieben Favoriten für den Marathon in Rio stellen wir vor und geben einen Ausblick auf ihre möglichen Leistungen bei den olympischen Spielen.

Eliud Kipchoge Berlin

Eliud Kipchoge ist zurzeit der beste Marathonläufer der Welt.

Bild: photorun.net

Bei einem olympischen Marathonrennen kann viel passieren. Favoritensiege, wie der des zwischenzeitlich verstorbenen Sammy Wanjiru (Kenia), der 2008 in Peking dominierte, sind selten. Vor vier Jahren triumphierte mit Stephen Kiprotich (Uganda) ein Läufer, den niemand auf der Rechnung hatte. Er wird am 21. August um 9.30 Uhr (Ortszeit) in Rio zur Titelverteidigung antreten und gehört zu den sieben aussichtsreichen Athleten, die wir nachfolgend vorstellen.

Eliud Kipchoge
Nation: Kenia
Bestzeit: 2:03:05
Alter: 31


Wenn es im Marathon der Männer einen Favoriten gibt, dann kann es nur Eliud Kipchoge sein. Er ist der derzeit beste Marathonläufer der Welt und der Mann, den es zu schlagen gilt für seine Konkurrenten. Im April gewann Eliud Kipchoge den fünften großen Lauf über die 42,195 km in Folge. Nach einem Auftaktsieg in Hamburg 2013 folgte seine einzige Marathon-Niederlage in Berlin im gleichen Jahr, wo er dem damals Weltrekord laufenden Wilson Kipsang den Vortritt lassen musste. Danach siegte er in Rotterdam, Chicago, London, Berlin und nun erneut an der Themse. Den zwei Jahre alten Londoner Streckenrekord von Wilson Kipsang (2:04:29) verbesserte er im April deutlich auf 2:03:05, den Weltrekord verpasste er dabei lediglich um ärgerliche acht Sekunden. Kipchoge kann jetzt schon fünf Zeiten unter 2:05 Stunden vorweisen.

Stephen Kiprotich wurde in London 2012 überraschend Olympiasieger.

Bild: photorun.net

Stephen Kiprotich
Nation: Uganda
Bestzeit: 2:06:33
Alter: 27


Stephen Kiprotich sorgte mit seinem Sieg beim olympischen Marathon in London für eine große Überraschung. Es war ein weiterer Beweis dafür, dass bei dem olympischen Rennen alles möglich ist. Kiprotich, der in Uganda zu einem Volkshelden wurde, gewann ein Jahr später auch den WM-Titel in Moskau. Bei dem Rennen in Russland zeigte er, dass er auch bei hohen Temperaturen sehr gut laufen kann. Stephen Kiprotich ist ein Meisterschaftsläufer, einen bedeutenden City-Marathon hat er noch nie gewonnen. Seine Bestzeit von 2:06:33 Stunden erzielte er mit einem zweiten Rang in Tokio im vergangenen Jahr. Auch im vergangenen Februar startete Kiprotich in Tokio und wurde Vierter. Dadurch hatte er ein halbes Jahr Vorbereitungszeit - mehr als die meisten seiner Konkurrenten - auf den olympischen Marathon, was durchaus ein Vorteil sein kann.

Ghirmay Ghebreslassie
Nation: Eritrea
Bestzeit: 2:07:46
Alter: 20


Sensationell gewann Ghirmay Ghebreslassie vor einem Jahr in Peking den Marathon-WM-Titel. Nichts hatte darauf hingedeutet, dass er diesen Titel in seinem dritten Rennen über die klassische Distanz gewinnen könnte. 2:09:08 Stunden war er 2014 in Chicago als Sechster gelaufen, dann folgte ein zweiter Platz in Hamburg mit 2:07:47. Mit 19 Jahren wurde er vier Monate später zum jüngsten Marathon-Weltmeister der WM-Geschichte. Beim superschnellen London-Marathon im April hatte er einen großen Rückstand auf den Sieger Eliud Kipchoge, erreichte aber immerhin Rang vier und verbesserte sich um eine Sekunde auf 2:07:46. Den Bonus des Unbekannten hat er in Rio als Weltmeister nicht mehr. So wird es schwerer, die Konkurrenz ein weiteres Mal zu überraschen.

Stanley Biwott
Nation: Kenia
Bestzeit: 2:03:51
Alter: 30


Stanley Biwott gewann im vergangenen November den New York-Marathon gegen hochkarätige Konkurrenz. Das ist nach wie vor der größte Sieg seiner Karriere. Damals reichten 2:10:41 Stunden zum Sieg, doch der Kenianer hatte schon vorher gezeigt, dass er sehr viel schneller laufen kann. In Paris gewann er 2012 in der damaligen Streckenrekordzeit von 2:05:12, in London steigerte er sich 2014 auf 2:04:55. In diesem Jahr lief Stanley Biwott sein bisher wohl bestes Rennen: An der Themse war er Zweiter hinter Eliud Kipchoge und erreichte 2:03:51.

Tesfaye Abera Dubai

Bild: photorun.net

Tesfaye Abera gewann zunächst in Dubai und dann auch in Hamburg.

Tesfaye Abera
Nation: Äthiopien
Bestzeit: 2:04:24
Alter: 24


Tesfaye Abera schaffte wie eine Reihe seiner Landsleute den Durchbruch beim Dubai-Marathon. Überraschend gewann er das Rennen im Januar mit der Weltklassezeit von 2:04:24 Stunden. Damit steigerte er seinen persönlichen Rekord gleich um gut fünf Minuten, hatte jedoch Pech, weil er den Streckenrekord in dem Wüstenemirat um eine Sekunde verpasste. Da längst nicht alle Äthiopier, die in Dubai in den letzten Jahren starke Zeiten liefen, diese Ergebnisse danach bestätigten, entschloss sich Tesfaye Abera im April einen weiteren Marathon zu laufen, um zu zeigen, dass Dubai keine Eintagsfliege war. Er gewann auch in Hamburg und lief dort bei windigen Bedingungen 2:06:58. Damit sicherte er sich die Rio-Nominierung, schwächte sich möglicherweise jedoch zugleich für die Spiele. Denn in Rio wird er nun schon den dritten Marathon in diesem Jahr laufen.

Lemi Berhanu
Nation: Äthiopien
Bestzeit: 2:04:33
Alter: 21


Lemi Berhanu ist ein weiterer äthiopischer Dubai-Marathon-Sieger. Ähnlich wie Tesfaye Abera steigerte auch er sich dabei um gut fünf Minuten: In 2:05:28 gewann Berhanu 2015 in Dubai, wo er in diesem Jahr knapp geschlagener Zweiter war und sich auf 2:04:33 steigerte. Wie Tesfaye konnte sich auch Berhanu trotz der Weltklassezeit nicht sicher sein, für Olympia nominiert zu werden. Er startete beim Boston-Marathon und gewann auf dem schweren Kurs in 2:12:45. Das brachte Berhanu das Rio-Ticket, doch auch für ihn wird damit der olympische Marathon bereits der dritte in diesem Jahr sein. Das ist sicher kein Vorteil.

Feyisa Lelisa
Nation: Äthiopien
Bestzeit: 2:04:52
Alter: 26


Die besten Zeiten von Feyisa Lelisa liegen ein paar Jahre zurück: 2012 war er beim Chicago-Marathon Zweiter mit 2:04:52 Stunden, zwei Jahre zuvor war er in Rotterdam 2:05:23 gelaufen, und 2011 hatte er bei der WM Bronze gewonnen. Sein Sieg beim Tokio-Marathon im Februar mit 2:06:56 überzeugte die äthiopischen Funktionäre. Unverständlich bleibt jedoch, warum als dritter Läufer nicht Kenenisa Bekele nominiert wurde. Unter normalen Umständen wäre Bekele aufgrund seiner Grundschnelligkeit der Mann im olympischen Starterfeld gewesen, der Eliud Kipchoge am ehesten in Schwierigkeiten hätte bringen können. Dieses großes Duell findet nun nicht statt. Lelisa hat im Vergleich zu seinen äthiopischen Landsleuten aber den Vorteil, dass er in diesem Jahr bisher nur einen Marathon gelaufen ist.

Olympische Spiele 2016 in Rio:

Das deutsche Marathon-Männerteam ...