Christoph Kopp im Interview

Die Situation der deutschen Marathonläufer - Teil III

Christoph Kopp, Sportlicher Leiter bei etlichen deutschen Top-Läufen, fordert ein Pool von 20 Läufern, die finanziell abgesichert werden sollen.

Christoph Kopp

Christoph Kopp (links), hier mit seinem Berlin läuft-Partnerchef Gerhard Janetzky im Olympiastadion, ist als Sportlicher Leiter bei etlichen deutschen Top-Läufen im Einsatz.

Bild: photorun.net

Es ist bald 25 Jahre her, dass ein deutscher Marathonläufer zuletzt eine Zeit unter 2:10 Stunden erreichte. Beim Berlin-Marathon 1990 war Jörg Peter Dritter in 2:09:23 und Stephan Freigang folgte auf Platz vier mit 2:09:45. Was muss passieren, damit deutsche Läufer eine Chance haben, zumindest wieder die europäische Spitze zu erreichen? Im folgenden Interview nimmt Christoph Kopp dazu Stellung. Er ist als Sportlicher Leiter unter anderen bei den Marathonrennen von Frankfurt, Düsseldorf und Hannover sowie bei den BIG 25 Berlin verantwortlich für das Elitefeld.

Gibt es genügend Talente?

Christoph Kopp: Talente in unseren Breitengraden gibt es sicher nicht weniger als in früheren Jahren. Allerdings wissen wir, dass der Reiz Leistungssport zu treiben oftmals anderen Reizen unterliegt. Zu vielfältig sind die Ablenkungsmöglichkeiten, nicht nur durch andere Sportarten. Die Motivation sich einem harten Training zu unterziehen, hängt vielfach vom Fingerspitzengefühl des Trainers ab und natürlich auch von den Förderungsmöglichkeiten der Vereine und der Verbände.

Werden Topathleten im Marathonbereich entsprechend gefördert? Was könnte hier verbessert werden?

Christoph Kopp: Wenn sich ein Athlet tatsächlich in die nationale Spitze hineingearbeitet hat, ist es oftmals sehr schwer die nächsten Stufen der Leistungskarriere zu erklimmen. Wer Glück hat und zum Beispiel durch die Bundeswehr eine Grundabsicherung erfährt, hat sicher schon die halbe Miete eingefahren. Aber leider gibt es solche Plätze nur, wenn schon ein gewisses Leistungsniveau erreicht worden ist. Es sollte ein Pool geschaffen werden, der einem Kreis von cirka 20 nationalen Top-Athleten die notwendige Sicherheit gibt, um sich für einen überschaubaren Zeitraum von einigen Jahren dem Hochleistungsport verschreiben zu können. Eine zentrale Steuerung ist hier allerdings sehr wichtig.

Hat der deutsche Langstreckenlauf ein Trainerproblem? Gibt es genügend erfahrene Trainer?

Christoph Kopp: In gewisser Hinsicht glaube ich schon, dass es ein Trainerproblem gibt. Wir kennen ja die deutsche Vereinslandschaft, wo viele meist ehrenamtlich tätige Trainer sehr engagiert sich dem Nachwuchs widmen. Mit Blick auf eine internationale Karriere reicht dies aber sicher nicht unbedingt aus. Natürlich gibt es in Deutschland auch erfahrene Trainer, die sich in Vollzeit ihrem Beruf widmen können. Meist nicht unbedingt adäquat entlohnt, aber doch engagiert.

Wäre es sinnvoll, wenn sich deutsche Athleten starken internationalen Trainingsgruppen anschließen würden?

Christoph Kopp: Es ist immer sinnvoll, sich leistungsstarken Gruppen anzuschließen, um nicht nur im eigenen Saft zu schmoren. Nur der Blick nach oben bringt Athleten im Leistungssport vorwärts. Ideal wäre natürlich eine zentrale Zusammenarbeit nach dem Vorbild des Camps von Alberto Salazar in den USA. Die Lauferfolge dieser Gruppe zeigen ja was möglich ist. Allerdings ist die finanzielle Investition für ein solches Vorhaben bei uns im Moment nicht in Sicht.
Leider ...

Wann läuft wieder ein deutscher Marathonläufer eine Zeit unter 2:10?

Christoph Kopp: Ich hoffe bald und noch vor den nächsten Olympischen Spielen.

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