Im Interview

Die Regen-Sieger von Boston

Das große Runner's World-Interview mit den beiden Siegern des Boston-Marathons.

Grigorjeva

Die Siegerin des Boston Marathon Lidija Grigorjeva.

Der Titelverteidiger war nicht zu schlagen. Souverän hat Robert Cheruiyot am Montag seinen Vorjahressieg beim Boston-Marathon in 2:14:13 Stunden wiederholt. Es war bereits der dritte Triumph des 28-jährigen Kenianers beim ältesten Städtemarathon der Welt. Runner's World sprach mit Cheruiyot.

Runner's World: Robert Cheruiyot, Glückwunsch zur Titelverteidigung. Boston scheint ja Ihr Rennen zu sein?

Cheruiyot: Ja, Boston, das ist mein Marathon. Und ich kann jetzt schon sagen, dass ich im nächsten Jahr wiederkomme und dann versuchen werde, zum vierten Mal zu gewinnen.

RW: Wie haben Sie die schwierigen äußeren Bedingungen erlebt?

Cheruiyot: Das ist eigentlich gar nicht mein Wetter, es war viel zu kalt. Und der böige Wind hat alles noch zusätzlich erschwert. Es war ein wirklich hartes Rennen. Das sieht man auch an meiner Zeit. Ich war sieben Minuten langsamer als bei meinem Streckenrekord im Vorjahr.

RW: Sie hatten auf der Zielgeraden 20 Sekunden Vorsprung vor Ihrem Landsmann James Kwambai. Haben Sie sich dennoch bis zum letzten Meter konzentriert, um nicht wieder, wie in Chicago auf der Ziellinie auszurutschen?

Cheruiyot (lacht): Ich wusste, dass so eine Frage kommen wird. Ich bin einfach durchs Ziel gelaufen, und habe mir keine Gedanken gemacht und ich bin mir sicher, sowas wie in Chicago passiert mir garantiert nie wieder.

RW: Durch Ihren Erfolg ist Ihnen der Gesamtsieg der World Marathon Majors kaum noch zu nehmen.

Cheruiyot: Ja, das freut mich. Es war mein dritter Sieg bei einem der World Marathons. Ich konzentriere mich auf diese Serie, will sie unbedingt gewinnen und es sieht ja jetzt wirklich gut für mich aus.

RW: Welche Rennen werden Sie als nächstes laufen?

Cheruiyot: Das weiß ich noch nicht. Ich gönne meinem Körper jetzt erst einmal etwas Ruhe und werde dann entscheiden, wo ich im Herbst starte. Aber ich kann jetzt schon sagen, dass ich auf jeden Fall im Herbst noch Marathons laufen werde.


Für Lidija Grigorjeva war es war ihr Debüt beim ältesten Städtemarathon der Welt und es wurde ein erfolgreiches. Die 33-jährige Russin gewann das Sturm- und Regenrennen in 2:29:18 Stunden. Runnersworld sprach mit der Siegerin:

RW: Lidija Grigorjeva, herzlichen Glückwunsch zum Sieg. Wie haben Sie das Rennen erlebt?

Grigorjeva: Ich wusste, dass ich gut in Form bin und war sehr selbstbewusst. Jelena Prokopcuka, Madai Perez und ich, wir haben uns rechtzeitig vom Feld abgesetzt, selbst Rita Jeptoo und Deena Kastor konnten nicht folgen. Da war ich schon mal etwas überrascht. Zwischen Kilometer 35 und 40 habe ich dann gemerkt, dass ich noch etwas zusetzen kann und deshalb habe ich ca. drei Kilometer vor dem Ziel angezogen.

RW: Wie haben Sie die äußeren Bedingungen mit Dauerregen, Sturm und Temperaturen von zehn Grad empfunden?

Grigorjeva: Ehrlich gesagt, hatte ich ein viel schnelleres Rennen erwartet und mich auch darauf vorbereitet. Aber durch das Wetter wurde es ein ganz anderes Rennen. Mich hat das aber nicht so gestört. Mein Training in Russland lief unter ähnlichen Bedingungen ab, da hatte ich auch oft Regen und kalte Winde.

Runnersworld: Was sagen Sie dazu, dass bei der Siegerehrung die alte sowjetische und nicht die russische Hymne gespielt wurde?

Grigorjewa: Ganz ehrlich, ich war so überwältigt von meinem Sieg, das habe ich erst mitbekommen, als die Hymne schon fast vorbei war. Es hat mich aber nicht gestört.

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Interviews: Heiko Oldörp