Olympiasieger gegen bewährte Stars

Der spektakuläre Marathon-Frühling 2014

Der Marathon-Frühling 2014 verspricht reihenweise spektakuläre Rennen. Fast alles, was im Marathon Rang und Namen hat, steht auf den Startlisten der Rennen, die an den kommenden sechs Wochenenden den Lauf-Kalender füllen.

Mo Farah

Olympiasieger Mo Farah startet in London zu seinem ersten Marathon.

Bild: photorun.net

Spektakuläres Feld beim London-Marathon

Sind es die Debütanten oder die arrivierten Marathon-Stars, die in den nächsten Wochen für die Schlagzeilen sorgen? Diese Frage stellt sich vor dem Marathon-Frühling, der einmal mehr reihenweise spektakuläre Rennen verspricht. Gleich drei ganz große Namen des Langstreckenlaufes geben im April ihr Debüt über die 42,195 km.

Den Anfang macht Kenenisa Bekele in Paris am kommenden Sonntag. Ihm folgen sein britischer Rivale Mo Farah und Bekeles Landsfrau Tirunesh Dibaba, die beide am 13. April 2014 in London starten. Dieses Trio hat zusammen acht olympische Goldmedaillen über 5.000 beziehungsweise 10.000 m gewonnen. Fast alles, was im Marathon Rang und Namen hat, ist auf den Startlisten jener Rennen präsent, die an den kommenden sechs Wochenenden den Lauf-Kalender füllen. Das spektakulärste Feld steht eindeutig in London an der Startlinie. Doch auch der Boston-Marathon, der ebenso wie London zu den World Marathon Majors (WMM) gehört, ist hervorragend besetzt. Es wäre allerdings nicht das erste Mal, wenn bei einem anderen Rennen die schnelleren Zeiten gelaufen werden. Während Kenenisa Bekele in Paris vom Weltrekord träumt, könnte diese Marke, die Wilson Kipsang (Kenia) im vergangenen Jahr mit 2:03:23 Stunden in Berlin aufstellte, vielleicht eher in Rotterdam in Gefahr geraten. Hier ist der Kenianer Eliud Kipchoge am Start.

Dass Kenenisa Bekele in Paris sein Marathondebüt laufen wird, war eine Überraschung. Zunächst war die superflache, weltrekordträchtige Strecke des Dubai-Marathons im Gespräch, dann schien der finanzkräftige London-Marathon das Rennen um den äthiopischen Superstar zu machen. Doch Paris muss zumindest ein entsprechendes Angebot zu London gemacht haben, wo Mo Farah (Großbritannien) als Antrittsgeld offenbar 500.000 Dollar erhält. In ähnlichen Dimensionen dürfte die Gage bei Bekele liegen. Vielleicht wollte der 31-jährige Äthiopier bei seinem Debüt auch dem superstarken London-Feld aus dem Weg gehen. Doch ginge es dem Serien-Weltrekordler, Olympiasieger und Weltmeister in erster Linie um eine bestmögliche Zeit hätte er eigentlich auf der bekannt schnellen Strecke von Rotterdam laufen müssen – für sicherlich deutlich weniger Startgeld.

Dass die Pariser Veranstalter sich finanziell enorm strecken mussten, um Bekele zu verpflichten, ist offensichtlich. Beim Preisgeld wurde in Frankreich deutlich eingespart. Die Siegprämie wurde fast halbiert und das zeitabhängige Platzierungsgeld ebenfalls deutlich zurückgeschraubt. Statt maximal 50.000 Euro Siegprämie sind es nun nur noch höchstens 30.000. Das Gesamtpreisgeld schrumpfte entsprechend von knapp 270.000 auf gut 170.000 Euro.

Die Konkurrenz für Kenenisa Bekele ist gut, aber bei weitem nicht überwältigend. Der einzige Läufer im Feld mit einer Bestzeit von unter 2:06 Stunden ist Abdullah Shami. Der Äthiopier lief vor zwei Jahren zwei starke Rennen: Zunächst war er Siebenter in Dubai mit 2:05:42, dann gewann er in Hamburg mit 2:05:58. Seitdem kam er jedoch nicht mehr unter 2:08 ins Ziel. Ein weiterer Läufer lief bisher unter 2:07: Mark Kiptoo (Kenia) erreichte im vergangenen Oktober in Frankfurt als Zweiter 2:06:16. Sieben weitere Athleten gehen mit Bestzeiten von unter 2:10 Stunden ins Rennen. Bei den Frauen ist Valentine Kipketer als Favoritin anzusehen. Die erst 21-jährige Kenianerin hat sich stark entwickelt und gewann im vergangenen Herbst den Amsterdam-Marathon mit 2:23:05.

Olympiasiegerin Tiki Gelana läuft in London.

Bild: photorun.net

Edelhase Gebrselassie beim London-Marathon

London hat wie seit Jahren das stärkste Feld am Start. Hier trifft der Weltrekordler Wilson Kipsang (Kenia/2:03:23) auf den schnellsten Läufer aller Zeiten, Geoffrey Mutai (Kenia/2:03:02), der seine Bestzeit auf der nicht rekordkonformen Strecke von Boston aufstellte, auf den Olympiasieger Steven Kiprotich (Uganda), den Londoner Streckenrekordler Emmanuel Mutai (Kenia/Bestzeit: 2:03:52), der das Rennen vor drei Jahren mit 2:04:40 gewann, sowie die äthiopischen Aufsteiger Ayele Abshero (2:04:23) und Tsegaye Mekonnen, der im Januar beim Dubai-Marathon mit einem inoffiziellen Junioren-Weltrekord von 2:04:32 triumphierte. Und dann gibt es natürlich noch die Debütanten Ibrahim Jeilan (Äthiopien), der 2011 Weltmeister über 10.000 m war, und Doppel-Olympiasieger Mo Farah. Für den britischen Superstar ist bei seinem Debüt der britische Rekord von Steve Jones ein Ziel. Jones lief 1985 in Chicago 2:07:13.

Ein Feld mit vielen Stars produziert oft nicht die erhoffte sehr schnelle Siegzeit, da in der entscheidenden Phase keiner für den anderen Tempo machen möchte und stattdessen taktiert wird. Bis zur 30-km-Marke soll Haile Gebrselassie die Athleten auf Weltrekordkurs führen, was für den dann knapp 41-Jährigen bei einer avisierten Zeit um 1:27:40 Stunden aber nicht leicht wird.

Während sich das Medieninteresse stark auf Mo Farah und seine Konkurrenten konzentriert, gerät das Frauenfeld etwas in den Hintergrund. Dabei ist dieses Rennen kaum schwächer besetzt. Am Start ist neben der Olympiasiegerin Tiki Gelana (Äthiopien), der Weltmeisterin Edna Kiplagat und der neuen Halbmarathon-Weltrekordlerin Florence Kiplagat (65:12 Minuten) auch die Titelverteidigerin Priscah Jeptoo (alle Kenia), die zuletzt mit souveränen Siegen bei den Halbmarathonrennen in Ras Al Khaimah (Vereinigte Arabische Emirate) und Newcastle überzeugt hatte. In Nordostengland bezwang Jeptoo dabei auch die dreifache Olympiasiegerin Tirunesh Dibaba. Der Äthiopierin ist zumindest mittelfristig viel zuzutrauen im Halbmarathon und Marathon. Es ist gut möglich, dass sie im Vergleich zu den anderen beiden großen Debütanten, Bekele und Farah, in London beim Debüt auf Anhieb die beste Leistung zeigt.

Dibaba

Bild: photorun.net

Olympiasiegerin Tirunesh Dibaba startet in London ihre Marathon-Karriere.

36.000 Starter beim Boston-Marathon

Der 118. Boston-Marathon wird stark unter dem Eindruck des Terrorangriffes aus dem vergangenen Jahr stehen. Damals musste das Rennen abgebrochen werden. Gut 5.600 Läufer konnten nicht ins Ziel laufen. Jenen Athleten boten die Veranstalter einen garantierten Startplatz an. Die meisten von ihnen nutzten dies, so dass – auch aufgrund von zusätzlicher starker Nachfrage – die Größe des Feldes an diese Ausnahmesituation angepasst wurde. 36.000 Startplätze wurden vergeben. Nur einmal war der Boston-Marathon noch etwas größer: Bei der 100. Auflage wurden 38.708 Läufer angenommen. Für viele Jahre blieb dieser Marathon der größte aller Zeiten.

Trotz der Absage des schnellsten Läufers auf der Startliste, Moses Mosop, ist das Rennen in der Breite der Spitze sehr hochklassig besetzt. Der Kenianer, der in Boston bei seinem Debüt vor drei Jahren als Zweiter 2:03:06 gelaufen war, kam nicht rechtzeitig in Form und läuft nun am 11. Mai in Prag. Es sind 17 Läufer verpflichtet worden, die bereits Zeiten unter 2:10 gelaufen sind. In dieser Hinsicht übertrifft Boston sogar London (13). Als Favorit anzusehen ist Dennis Kimetto (Kenia), der zuletzt in Chicago gewann und sich dabei auf 2:03:45 steigerte. Er ist allerdings noch nie auf einem hügeligen Kurs Marathon gelaufen. Sein größter Herausforderer könnte Titelverteidiger Lelisa Desisa (Äthiopien) sein. Auch bei den Frauen ist mit Rita Jeptoo (Kenia/2:19:57) die Vorjahressiegerin am Start. Sie trifft auf die beiden starken Äthiopierinnen Mare Dibaba, die mit einer Bestzeit von 2:19:52 die schnellste im Starterfeld ist, und Meseret Hailu. Die Halbmarathon-Weltmeisterin von 2012 hat eine Bestzeit von 2:21:09 und war vor einem Jahr bereits Zweite in Boston. Mit Caroline Kilel (Kenia) ist auch die Gewinnerin des Rennens von 2011 dabei. Sie hatte sich im vergangenen Jahr mit einem Sieg in Frankfurt in persönlicher Bestzeit von 2:22:34 zurückgemeldet.

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