Haile Gebrselassie

Der Marathon-Weltrekordler im Interview

Haile Gebrselassie: „Eines Tages fällt die Zwei-Stunden-Barriere – ich denke, ich könnte 2:03 laufen.“

Haile Gebrselassie WR

Der neue Marathon-Weltrekordler: Haile Gebrselassie.

Haile Gebrselassie hat beim Berlin-Marathon für das große Highlight gesorgt und den Weltrekord gebrochen. Der 34-jährige Äthiopier krönte die 34. Auflage des Rennens mit einer Zeit von 2:04:26 Stunden. Marisa Reich sprach mit Haile Gebrselassie.

Gleich nach Ihrem Zieldurchlauf haben Sie mit Paul Tergat telefoniert, der den Race-Direktor Mark Milde umgehend angerufen hatte. Was hat er Ihnen gesagt?

Haile Gebrselassie: „Paul Tergat hat mich direkt nach dem Rennen angerufen und mir gratuliert. Paul ist ein sehr guter Freund, und ich habe mich bei ihm entschuldigt, dass der Weltrekord jetzt nicht mehr ihm gehört. Ich sagte, es tut mir leid, aber Du kannst es ja, wenn du willst, im nächsten Jahr probieren.“

Sie haben in Berlin Ihren 24. Weltrekord aufgestellt. Bedeutet Ihnen der Weltrekord mehr als die anderen?

Haile Gebrselassie: „Von meinen 24 bisher aufgestellten Weltrekorden ist dieser heute ohne Zweifel der wichtigste, denn der Marathonlauf ist eindeutig die Königsdisziplin unter den Langstrecken. Weltrekorde auf der Bahn bin ich schon viele gelaufen, aber beim Marathon ist dies mein erster. Ein Weltrekord ist immer etwas ganz besonderes und über diesen habe ich mich gefreut wie über meinen ersten.“

Sie sind schon in Amsterdam, Fukuoka, London und Berlin Marathon gelaufen – wie sind denn die Städte im Streckenvergleich?

Haile Gebrselassie: „Die meisten der vier Strecken haben sehr gute und schnelle Kurse, aber ich glaube, dass nur in Berlin Weltrekorde möglich sind. Hier kommt einfach alles zusammen. Die Organisation, die Jahreszeit, das Wetter, die vielen Helfer, die für einen reibungslosen Ablauf sorgen, und vor allem die Zuschauer. Die machen bestimmt 60 bis 70 Prozent einer Leistung aus. Die pushen Dich bis zum Limit. In Berlin sind einfach die besten Zuschauer. An der gesamten Strecke wird man angefeuert, und ich habe immer meinen Namen entlang der 42 Kilometer gehört – das war klasse.“

Wie schnell können Sie in Berlin noch rennen?

Haile Gebrselassie: „Dass ich hier schnell rennen kann, habe ich ja am Sonntag bewiesen. Eigentlich hatte ich mir ja 2:03 Stunden vorgenommen, aber das hat noch nicht geklappt. Letztes Jahr hatte ich mich ein wenig geärgert, da ich den Zuschauern gerne den Weltrekord geboten hätte. Ich wollte ihnen etwas zurückgeben für die tolle Anfeuerung. Aber in diesem Jahr hat es funktioniert. Für mich hoffe ich, dass sich auch in 100 Jahren noch jemand an mich erinnert und sagt, der Haile Gebrselassie ist in Berlin Weltrekord gelaufen. Mein Name steht ja jetzt in der Marathon-Rekordliste. Ich selbst glaube, dass in Berlin auch eine Zeit von 2:03 Stunden für mich möglich sein könnte.“

Wenn Sie die Strecke in Berlin verändern könnten, um sie noch schneller zu machen – was würden Sie ändern?

Haile Gebrselassie: „Ich würde nicht viel ändern, denn die Strecke ist super. Natürlich wären ein paar weniger Kurven gut, aber wenn ich die Strecke auswählen dürfte, würde sie sicher nicht mehr so schnell sein. Wie ich schon sagte, sind es vor allem die Zuschauer, die enorm wichtig sind.“

Haben Sie jetzt das richtige Rezept für einen perfekten Marathon gefunden?

Haile Gebrselassie: „Trotz meines Weltrekords kann ich noch nicht sagen, dass ich die endgültige Lösung für einen perfekten Marathonlauf gefunden habe. Ich beobachte noch immer verschiedenste Dinge im Marathon. Jeder Kilometer ist anders. Auch wenn ich die Lösung zum perfekten Marathon vielleicht selbst nie finden werde, kann ich in der Zukunft mal einen Läufer trainieren, dem ich meine Erfahrung, die ich jetzt sammele, mitteilen kann und der dann der Lösung noch näher kommt.“

Wird eines Tages die Zwei-Stunden-Barriere im Marathon fallen?

Haile Gebrselassie: „Vielleicht dauert es 20 oder 40 Jahre, bis die zwei Stunden geknackt werden. Es wird passieren, aber ich weiß nicht wann.“

Wie sehen Ihre Pläne für das nächste Jahr aus?

Haile Gebrselassie: „Meinen nächsten Marathon werde ich in Dubai im Januar laufen. Da im nächsten Jahr Olympische Spiele sind, möchte ich dort auch Marathon laufen. Nach Berlin würde ich eines Tages auch gerne wiederkommen, mal schauen ob mich Mark Milde wieder einlädt. Fest vorgenommen habe ich mir die Weltmeisterschaften 2009 in Berlin.“

Sie haben ja Ihren Halbmarathon-Weltrekord verloren. Haben Sie Ambitionen sich diesen wieder zu holen?

Haile Gebrselassie: „Ja, natürlich – aber es bleibt mein Geheimnis, wann und wo ich das mache. Ich weiß natürlich um die schnelle Strecke beim Berliner Halbmarathon, aber das Rennen passt 2008 zeitlich nicht ganz so gut. Das ist eine Sache, die ich auch mit meinem Manager absprechen muss.“

Abebe Bikila, äthiopischer Marathon-Olympiasieger von 1960 und 1964, entschied sich mit 16 Jahren, barfuß zu laufen. Haben Sie je daran gedacht, das auch zu tun?

Haile Gebrselassie: „Ich habe riesigen Respekt vor Abebe Bikila, und er hat für sich damals eine Entscheidung getroffen, die für ihn die beste war. Ich würde niemals ohne Schuhe laufen, denn für mich sind sie ideal. Damals, kann ich mir vorstellen, waren die Schuhe sehr unbequem, und barfuß war es wahrscheinlich einfach angenehmer zu laufen. Heutzutage allerdings sind die Schuhe perfekt. Sie sind optimal für die Füße und somit für das Laufen.“

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