Geschichte des Stadtmarathons

Der Frankfurt-Marathon: ein professioneller Start

Der Platzierung im Kalender ist es zu verdanken, dass der Hoechst-Marathon in Frankfurt im Mai 1981 Deutschlands erster Stadtmarathon war; weniger als vier Monate später folgte Berlin mit seinem Stadtmarathon. Die Frankfurter hatten sich am New-York-Marathon orientiert, der 1976 der weltweit erste Stadtmarathon war.

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Die markante Silhouette der Frankfurter City ist ein Markenzeichen des Marathons.

Bild: Photo Run

Der Frankfurt-Marathon: vom Start weg professionell
Der Platzierung im Kalender ist es zu verdanken, dass der Hoechst-Marathon in Frankfurt im Mai 1981 Deutschlands erster Stadtmarathon war; weniger als vier Monate später folgte Berlin mit seinem Stadtmarathon. Die Frankfurter hatten sich am New-York-Marathon orientiert, der 1976 der weltweit erste Stadtmarathon war, und als 1979 in Stockholm die Europapremiere des Stadtmarathons stattgefunden hatte, fuhren die Marathonläufer des OSC Hoechst dorthin und schauten sich einiges ab, was sie zwei Jahre später bei ihrem Marathon am Main berücksichtigten. „Wir haben ihn: den deutschen Marathon-Klassiker“ schrieb das Laufmagazin „Spiridon“, damals die einzige interessante Informationsquelle zum Thema Straßenlauf, nach der erfolgreichen Premiere am 17. Mai 1981.

ARD und ZDF kümmerten sich nicht um Marathon
Am Beispiel des Frankfurt-Marathons zeigt sich allerdings, dass ein Stadtmarathon an sich kein Selbstläufer ist. Während der Berlin-Marathon in seinen Anfangsjahren eher kleine Brötchen backen musste in Sachen Finanzierung, was übrigens nicht mit daran lag, dass der Race Director von Beruf Konditor war, konnten die Frankfurter mehr oder weniger aus dem Vollen schöpfen. Mit dem Chemie-Konzern Hoechst AG als Namenssponsor (heute zerschlagen und in Aventis aufgegangen) gelang den Frankfurtern auf Anhieb ein überzeugender Auftritt. Internationale Klasseläufer standen an der Startlinie, der Streckenrekord wurde 1984 auf 2:11:18 (Dereje Nedi, Äthiopien) geschraubt, 1985 fanden erstmals mit großem Erfolg Deutsche Marathonmeisterschaften im Rahmen eines City-Marathons statt, die Leistungsdichte hatte Weltstandard. Nur das Fernsehen machte nicht mit, was aus heutiger Sicht (mit stundenlangen Live-Reportagen von allen möglichen Sportarten, darunter auch Marathon) wohl nur versteht, wer damals alt genug war, sich darüber zu ärgern. In den Sportabteilungen von ARD und ZDF (die Privatsender gab es noch nicht) saß man zu jener Zeit ganz gern mal auf dem hohen Ross.

Dem Hauptsponsor wurde es zu teuer
Dem Hauptsponsor war der Marathon zu teuer bzw. das Medienecho zu leise: Er stieg aus und konzentrierte sich fortan auf die Unterstützung von Fußball und Eishockey in Frankfurt. Da die Marathon-Macher vom OSC Hoechst unter ihrem Race Director Wolfram Bleul ungern kleinere Brötchen backen wollten und sich auf die Schnelle kein Ersatz für den Großsponsor fand, warfen sie das Handtuch, und 1986 fiel der Marathon am Main aus. Erst im Herbst 1987 wurde in Frankfurt wieder Marathon gelaufen, diesmal unter der Regie der Stadt bzw. ihrer Sportdezernentin Sylvia Schenk. Die ehemalige 800-m-Läuferin war die richtige Frau zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle. Auf Anhieb gelang den Frankfurtern ein Comeback, wenngleich in der Zwischenzeit der Hamburg-Marathon aus den Startblöcken gesprintet war und fortan die Nummer zwei in Deutschland war.

Der Kenianer Winfred Kigen stellte vor einem Jahr einen Streckenrekord auf (2:08:29).

Bild: Photo Run

Berlin marschierte ab 1986 auf und davon
Als Nummer eins hatte sich spätestens seit dem Verschwinden des Hoechst-Marathons der Berlin-Marathon herausgemausert. Hier trumpfte neben einer schnellen Strecke und dem begeisternd mitgehenden Publikum eine reibungslose Organisation auf, dazu kam der touristische Attraktionswert der damals noch geteilten Stadt. Schon in den achtziger Jahren hatte der Berlin-Marathon den mit Abstand höchsten Anteil von touristischen Ausländern.
Berlin übertraf in jedem Jahr die Frankfurter Vorgabe an Teilnehmern, nicht jedoch die Siegerzeiten. Bei der Premiere 1982 wurden 3400 Meldungen verzeichnet (Frankfurt 3150). Mittlerweile waren in aller Welt Stadtmarathons entstanden, von Paris bis Chicago, von Helsinki bis Miami. Die Berliner katapultierten sich 1990 ins Vorderfeld der Weltliga, denn nach der Maueröffung erlebte der Marathon mit der neuen Strecke durch das Brandenburger Tor einen Boom. Auf 25000 war das Teilnehmerfeld begrenzt, das bedeutete einen Zuwachs von 52 Prozent gegenüber dem Vorjahr, allerdings ging die Läuferzahl 1991 wieder um acht Prozent zurück. Seit 2000 ist das Teilnehmerfeld in Berlin begrenzt, erst auf 27000, 2001 auf 30000 und seit letztem Jahr auf 40000.

Heute liegt Frankfurt auf Rang vier
Die Frankfurter haben sich in den letzten Jahren nach einer Phase der Stagnation Ende der neunziger Jahre wieder berappelt und erlebten vor einem Jahr ihr bestes Rennen mit Streckenrekorden bei den Männern und Frauen. Hinter Berlin, Hamburg und Köln liegt dieser Marathon an vierter Stelle in der Hitparade der deutschen Marathons, und wie es aussieht, verzeichnet der Frankfurt-Marathon im Jahr des 25. Jubiläums einen Teilnehmerrekord.

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