Interview

David Bedford: „Die ersten zwei Jahre waren eine Herausforderung“

Der Race-Direktor des London-Marathons, der frühere Weltklasseläufer David Bedford, im Interview.

David Bedford

David Bedford

Bild: photorun.net

Die erste WMM-Serie endete in New York – wie fällt Ihre Bewertung aus, wie sehen Sie die Zukunft?

David Bedford: Die ersten zwei Jahre waren eine Herausforderung für uns, denn wir haben erst jetzt, am Ende dieser Periode, die ersten Sieger der WMM. Es war in dieser Zeit nicht leicht, die Aufmerksamkeit auf die WMM zu lenken. Ich glaube, das wird jetzt wesentlich einfacher, wenn nun in jedem Jahr eine WMM-Serie endet. In New York ist mir aufgefallen, dass sich so viele Journalisten wie nie zuvor mit den World Marathon Majors beschäftigt haben. Ich war dort während des Rennens im Pressezentrum. Die TV-Kommentatoren von NBC haben ebenso wie die der BBC über die Situation der WMM gesprochen.

Gete Wami hat mit ihrem Start in New York dafür gesorgt, dass es ein echtes Finale um den WMM-Sieg gab. Sie gewann schließlich vor Jelena Prokopcuka den Jackpot. Werden sich die Top-Athleten zukünftig stärker auf die WMM-Rennen konzentrieren?

David Bedford: Gete Wami wäre unter normalen Umständen sicherlich nie fünf Wochen nach Berlin in New York gestartet. Das zeigt, welchen Einfluss die WMM-Serie inzwischen auf die Athleten ausübt. Ich denke, dies wird sich in den nächsten Jahren noch verstärken. Die Topläufer werden die WMM-Rennen noch stärker in ihre Planungen einbeziehen.

Sie haben davon gesprochen, dass Sie gerne beiden Siegern zukünftig eine Million Dollar zahlen würden anstelle von derzeit 500 000 Dollar.

David Bedford: Ja, das ist richtig. In meinen Augen sollten wir dann auch Prämien für die zweiten und dritten Plätze ausloben. Allerdings wird dies alles nur in Verbindung mit einem Titelsponsor für die WMM möglich sein. Es gibt einige Unternehmen, die durchaus Interesse haben, die WMM zu sponsern. Das Problem ist jedoch, dass jedes unserer Rennen bereits verschiedene große Sponsoren hat, so dass ein gemeinsamer Partner hier nicht mit den Interessen der einzelnen Veranstaltungen und deren Sponsoren kollidieren darf – das ist eine Herausforderung. Aber ich wäre überrascht, wenn wir nicht vor dem Ende der WMM-Serie 2007-2008 einen Titelsponsor präsentieren könnten.

Wie sehen Sie die Zukunft innerhalb der WMM-Gruppe, können Sie sich vorstellen, dass die Zahl von fünf Rennen erhöht wird?

David Bedford: Wir wollen in der jetzigen Form weitermachen und als Gruppe so zusammen bleiben. Wir werden auch dadurch gemeinsam stärker, weil wir unser Wissen bezüglich organisatorischer Dinge teilen. Im IT-Bereich hatten wir in diesem Jahr zum Beispiel alle die selben Partner, was dazu führte, dass das System stabiler und besser geworden ist. Zurzeit und für die nächsten Jahre ist die Zahl von fünf Veranstaltungen genug. Danach muss man sehen, ob man die WMM vielleicht ausbaut.

Ist es problematisch, dass die finanziellen Verhältnisse innerhalb der Gruppe doch recht unterschiedlich sind?

David Bedford: Natürlich ist nicht jedes unserer Rennen finanziell in der gleichen Position. Aber das ist auch nicht nötig. London ist hier sicherlich die Nummer eins, New York nicht so weit weg. Wir erkennen, dass dadurch nicht alle immer das gleiche leisten können. Das ist in Ordnung und wir tragen das mit, obwohl das kein Zustand auf ewig bleiben darf. Man weiß nie, aber es kann sicher passieren, dass sich ein Rennen irgendwann entscheidet aus finanziellen Gründen oder weil Konzepte sich ändern, die WMM-Gruppe zu verlassen. Sollte es dazu kommen, bin ich mir sicher, dass wir schnell einen Ersatz finden würden.

Es gibt eine Idee, des Wien-Marathon-Organisators Wolfgang Konrad, unterhalb der WMM eine Zweite Liga einzuführen. Hier könnten sich Breitensportler über mehrere Teilnahmen für ein WMM-Rennen wie London oder New York qualifizieren, für das sie sonst aufgrund der großen Nachfrage keine Startnummern bekommen würden. Was halten Sie davon?

David Bedford: Bisher habe ich dazu noch nichts konkretes gesehen. Es macht sicherlich Sinn, wenn wir uns als WMM nicht nur um die Eliteläufer kümmern. Insofern wäre ich interessiert daran, ein solches Konzept zu sehen. Aber oft steckt der Teufel im Detail. Eine derartige Initiative müsste uns als WMM-Gruppe etwas bringen und zugleich zu den fünf einzelnen Rennen passen.