Die Marathon-Fabelzeit

Das sagen Experten zur 2h-Barriere

Wird es möglich sein, einen Marathon unter zwei Stunden zu laufen? Stephen Kiprotich, Arne Gabius und weitere Experten äußern sich zum Wann und Wo.

Arne Gabius feierte beim Frankfurt-Marathon 2014 sein Debüt

Arne Gabius und seine Frankfurter Marathon-Debützeit.

Bild: photorun.net

Zurzeit steht der Weltrekord bei 2:02:57 Stunden – eine Zeit, die man in den 90er Jahren kaum für möglich gehalten hätte. Der Kenianer Dennis Kimetto lief diesen Weltrekord vor einem Jahr in Berlin. Er stellte in der deutschen Hauptstadt zuvor übrigens auch den aktuellen 25-km-Weltrekord von 1:11:18 Stunden auf – ein Tempo, das ziemlich genau dem entspricht, das für die Zwei-Stunden-Barriere nötig ist.

Nachfolgend äußern sich im letzten Teil dieser Serie der Marathon-Olympiasieger Stephen Kiprotich aus Uganda, der Race-Direktor des Vienna City Marathons, Wolfgang Konrad, der deutsche Marathon-Shootingstar Arne Gabius und Horst Milde, der Initiator des Berlin-Marathons, zu diesem Thema.

Arne Gabius lief im vergangenen Jahr in Frankfurt ein sensationelles Marathondebüt und erreichte mit 2:09:32 Stunden auf Anhieb eine Zeit unter 2:10 Stunden. Im Oktober wird er erneut in Frankfurt starten und peilt den deutschen Rekord von 2:08:47 an: „In den nächsten 30 Jahren wird die Zwei-Stunden-Marke im Marathon nicht gebrochen, dafür fehlen den Athleten die Zubringerleistungen. Der Weltrekord im Halbmarathon von Zersenay Tadese liegt bei 58:23 Minuten und der Mann aus Eritrea kann diese Leistung nicht im Marathon abrufen. Für eine Zeit von unter zwei Stunden im Marathon benötigt der Athlet eine Halbmarathon-Bestzeit von 57:15 bis 57:45 Minuten. Und so ein Talent ist zurzeit nicht in Sicht.“

Stephen Kiprotich

Bild: photorun.net

Stephen Kiprotich wurde 2012 in London überraschend Olympiasieger im Marathon. Ein Jahr später gewann der Läufer aus Uganda auch den Weltmeistertitel über die klassische Distanz: „Kann man unter zwei Stunden laufen? Das ist eine schwierige Frage. Es gab eine Zeit, da konnte sich keiner vorstellen, dass der Weltrekord auf eine Zeit von unter 2:07 Stunden verbessert werden könnte. Seit Paul Tergat 2003 in Berlin als Erster unter 2:05 Stunden lief, sind die Intervalle, in denen der Weltrekord gebrochen wurde, immer kürzer geworden. Ich denke, die Entwicklung wird dahin gehen, dass wir einen Rekord unter zwei Stunden sehen werden. Berlin könnte der Ort sein, wo das passiert.“

Horst Milde, der den Berlin-Marathon sowie verschiedene andere große, internationale Laufveranstaltungen initiierte, ist Vorsitzender der German Road Races: „Ich glaube nicht, dass eine Zeit unter zwei Stunden in den nächsten 20 Jahren machbar ist, wenn es mit legalen Mitteln passiert. Eines Tages kann ich mir schon vorstellen, dass es eine solche Zeit geben wird. Man muss auch die Entwicklung anschauen: 1998 lief Ronaldo da Costa in Berlin Weltrekord – er verbesserte die Marke von 2:06:50 Stunden auf 2:06:05 Stunden. 16 Jahre später rannte Dennis Kimetto mit 2:02:57 Stunden gut drei Minuten schneller. Drei Minuten fehlen jetzt noch zur Traumgrenze.“

Wolfgang Konrad

Bild: photorun.net

Wolfgang Konrad, hier mit Athleten im Rahmen einer Pressekonferenz des Wien-Marathons.

Wolfgang Konrad, der frühere Weltklasseläufer über 3.000 m Hindernis und ehemalige österreichische Rekordhalter, ist der Race-Direktor des Vienna City Marathons: „Ich glaube, dass die Zwei-Stunden-Barriere fallen wird, und ich kann mir vorstellen, dass es schon innerhalb der nächsten zehn Jahre passiert. Der zukünftige Marathon-Rekordläufer wird dabei von der Unterdistanz kommen und in der Lage sein, seine sehr starke Geschwindigkeit auf den Marathon zu übertragen – er wird sozusagen durchsprinten. Die Rekordentwicklungen in der Leichtathletik sprechen dafür. Heute steht beispielsweise der 10.000-Meter-Weltrekord bei 26:17 Minuten – das heißt, es sind zwei 5.000-m-Abschnitte von unter 13:10 nötig. Derartige Zeiten liefen um 1980 herum Henry Rono und Dave Moorcroft. Und sie stellten damit Weltrekorde über 5.000 Meter auf.“


Lesen Sie hier, was Mo Farah, Kenenisa Bekele und Jo Schindler über die Zwei-Stunden-Grenze über Marathon denken.

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