London-Marathon

Das Rennen der Superlative

Kein anderer City-Marathon ist so stark besetzt wie der Marathon am Sonntag in der britischen Metropole.

Wer in London gewinnt, rangiert ganz oben in der Liste der besten Marathonläufer der Welt. Denn kein anderer City-Marathon ist so stark besetzt wie der in der britischen Metropole. Das ist auch am Sonntag nicht anders, wenn sieben Männer und acht Frauen in Greenwich am Start stehen, die bereits Weltspitzenzeiten von unter 2:07 beziehungsweise unter 2:22 Stunden gelaufen sind. London zahlt mit einer Siegprämie von 55.000 Dollar bei weitem nicht das höchste Sieggeld, doch das Budget für die Antrittsgelder ist nirgendwo höher. Einen siebenstelligen Betrag kann David Bedford für die Stars ausgeben – unter ihnen sind der Olympiasieger Sammy Wanjiru sowie Martin Lel (beide Kenia) und Irina Mikitenko (TV Wattenscheid), die sich im vergangenen Herbst die Dollar-Million für den World Marathon Majors (WMM)-Sieg teilten. Lel und Mikitenko gehen zudem als Titelverteidiger an den Start eines Rennens, das schon vorher einen Rekord gebrochen hat. Denn nie zuvor wollten mehr Läufer den Flora London-Marathon rennen: 155.000 Athleten bewarben sich um eine Startnummer, 49.995 wurden über ein Lotteriesystem schließlich angenommen.

Andere Rekorde wollen einige der besten Marathonläufer der Welt am Sonntag brechen: Die Tempomacher sollen die Favoriten in Richtung einer Endzeit von rund 2:04 Stunden führen. Damit könnte der Weltrekord, den der Äthiopier Haile Gebrselassie im vergangenen Jahr mit 2:03:59 Stunden in Berlin aufgestellt hatte, erheblich in Gefahr geraten. Vor allen Dingen zwei Kenianern traut man zu, nach Gebrselassie unter 2:04 Stunden zu laufen: Martin Lel und Sammy Wanjiru.

Der erst 22-jährige Olympiasieger Sammy Wanjiru zeigte in Peking bei seinem Gold-Rennen eine famose Leistung. Fast nach Belieben dominierte er die Konkurrenz trotz schwerer Bedingungen und lief mit 2:06:32 Stunden eine Zeit, die nie zuvor auch nur annähernd bei Olympischen Spielen erreicht worden war. Wanjiru galt danach als potenzieller Marathon-Weltrekord-Nachfolger von Gebrselassie. Im März allerdings musste sich der Halbmarathon-Weltrekordler (58:33) in Lissabon überraschend nur mit Rang sieben in 61:23 Minuten zufrieden geben. Doch vor dem London-Marathon am Sonntag ist Sammy Wanjiru optimistisch: „Wenn das Tempo stimmt, dann werde ich versuchen, den Weltrekord zu brechen.“

Bereits im vergangenen Jahr lieferten sich Sammy Wanjiru und Martin Lel in London einen heißen Kampf. Damals siegte Lel in 2:05:15 Stunden mit neun Sekunden Vorsprung vor Wanjiru. Lel könnte am Sonntag als erster Läufer in London zum vierten Mal gewinnen. 2005, 2007 und 2008 war er der Sieger. Einen Hattrick gab es bisher einmal in London: Der Mexikaner Dionicio Ceron triumphierte von 1994 bis ’96. Ein leichtes Rückenproblem könnte für Martin Lel allerdings zu einem Handikap werden. Falls die beiden kenianischen Asse aus der Gruppe des italienischen Managers Dr. Gabriele Rosa nicht stechen, könnte die Stunde eines Debütanten schlagen: Der Halbmarathon-Weltmeister Zersenay Tadese (Eritrea) läuft in London sein Debüt.

Außergewöhnlich stark ist auch das Frauenfeld, obwohl Weltrekordlerin Paula Radcliffe (Großbritannien) aufgrund eines Zehenbruches passen muss. „Auch ohne Paula ist das Feld eines der stärksten, das wir in London bisher am Start hatten. Ich bin sicher, dass wir ein tolles Rennen sehen werden“, sagt Race-Direktor David Bedford, der neben Irina Mikitenko alle drei Medaillengewinner des olympischen Rennens von Peking verpflichtete: Olympiasiegerin Constantina Dita (Rumänien/Bestzeit: 2:21:30), die Silbermedaillengewinnerin Catherine Ndereba (Kenia/2:18:47) und die drittplatzierte Chinesin Zhou Chunxiu (2:19:51), die an der Themse vor zwei Jahren gewonnen hatte. Gemessen an der persönlichen Bestzeit, die in einem solchen Rennen aber nur bedingt aussagekräftig sein kann, ist Irina Mikitenko mit ihrem deutschen Rekord von 2:19:19 die Nummer zwei im Feld.

Es war in London vor einem Jahr, als sich Irina Mikitenko in der Marathon-Weltklasse etablierte. Jetzt kehrt die Läuferin des TV Wattenscheid als Titelverteidigerin zurück.
Vor einem Jahr hatten in London weder ihre Konkurrentinnen noch die britischen Buchmacher Irina Mikitenko auf der Rechnung. Wettquoten von bis zu 18/1 wurden damals auf einen Sieg der Deutschen angeboten. Jetzt sind sie alle vorbereitet auf das nächste große Rennen der Irina Mikitenko. Wer heute auf die Läuferin aus Freigericht wettet, setzt auf die Favoritin und erhält im ungünstigsten Fall eine Quote von nur 5/4. Und auch Irina Mikitenko ist bereit. Beim Paderborner Osterlauf hat sie das 10-km-Rennen in hochklassigen 31:22 Minuten gewonnen – das ist die zweitschnellste Zeit des Jahres – und bewiesen, dass sie in Topform ist. „Ich habe gut trainiert und freue mich auf den London-Marathon. Mein Ziel ist bei jedem Rennen zu gewinnen“, sagt Irina Mikitenko, die ihren maximalen wöchentlichen Trainingsumfang verglichen zum letzten Jahr um zehn Prozent auf bis zu 220 km steigern konnte. Über die WMM-Serie 2008-2009, in der sie wiederum in Führung liegt, macht sie sich keine besonderen Gedanken: „Wenn ich in London gut laufe, kommen die Punkte von alleine.“

Text: race-news-service.com
Foto: photorun.net