Die internationale Bilanz

Das Marathonjahr 2012 im großen Rückblick

Nicht ganz so spektakulär und ohne Weltrekord, dafür aber mit einer insgesamt höheren Leistungsdichte in der Spitze - das war das Marathonjahr 2012. Eine Bilanz.

Geoffrey Mutai (links) und Patrick Makau waren die schnellsten Marathonläufer der vergangenen Jahre.

Geoffrey Mutai (links) und Patrick Makau waren die schnellsten Marathonläufer der vergangenen Jahre.

Bild: photorun.net

Nicht ganz so spektakulär wie 2011, aber bezüglich der Leistungen in der Spitze insgesamt noch besser – das war das Marathon-Jahr 2012. Weltrekorde über die klassische Distanz von 42,195 km blieben aus in den vergangenen zwölf Monaten, doch nie zuvor gab es eine derartige Dichte von absoluten Topzeiten. Während dies bei den Männern eine Fortsetzung der Entwicklung bedeutet, haben 2012 die Frauen nachgezogen. Derartig viele superschnelle Frauen-Marathonzeiten gab es nie zuvor. Ein halbes Dutzend Ergebnisse unter 2:20 Stunden und zwei davon sogar schneller als 2:19 – die besten Läuferinnen der Welt arbeiten sich langsam in Richtung Paula Radcliffes Fabel-Weltrekord vor.

Männer: Elf Läufer erzielen Zeiten unter 2:05 Stunden

Die Breite in der internationalen Spitze nimmt immer weiter zu. Im vergangenen Jahr blieben gleich elf Läufer über die klassische Distanz unter 2:05 Stunden. Das sind vier mehr als noch im Jahr 2011. Es ist noch nicht so lange her, da träumten die besten Marathonläufer der Welt davon, unter 2:05 Stunden zu laufen. Als erstem gelang dies dann Paul Tergat (Kenia), der 2003 in Berlin in 2:04:55 Stunden mit einer Sekunde Vorsprung auf seinen Landsmann Sammy Korir den Weltrekord brach. Erst 2007 gab es wieder ein Ergebnis unter 2:05 Stunden: Haile Gebrselassie (Äthiopien) verbesserte in Berlin die globale Bestmarke auf 2:04:26.

Doch inzwischen ist die Entwicklung im Marathon schon wieder zwei Schritte weiter: Es geht in der Zukunft für die schnellsten Männer der Welt sicherlich um eine Zeit von unter 2:03 Stunden. Im Marathon-Sensationsjahr 2011 war Geoffrey Mutai in Boston bereits 2:03:02 gelaufen. Doch die insgesamt abfallende Punkt-zu-Punkt-Strecke an der US-Ostküste erfüllt die Voraussetzungen für die Anerkennung von Rekorden nicht. Daher ist nach wie vor die Zeit von Patrick Makau (Kenia), der 2011 in Berlin 2:03:38 gelaufen ist, auch der offizielle Weltrekord.

BMW Berlin-Marathon 2012 - Bilder

Auf der schnellen Berliner Strecke versuchte Geoffrey Mutai im vergangenen September den Weltrekord zu brechen. Doch der Kenianer war nicht ganz in der Form von 2011, als er auch in New York den Kursrekord brach. So reichte es für Geoffrey Mutai „nur“ zu einer Jahresweltbestzeit von 2:04:15 Stunden – mit lediglich einer Sekunde Vorsprung vor dem Newcomer Dennis Kimetto (Kenia). Beide haben sicherlich das Vermögen, den Weltrekord zu brechen. Gleiches dürfte für Patrick Makau selbst sowie Wilson Kipsang (Kenia) gelten, der im April überzeugend den London-Marathon gewann und sich dann bei Olympia nach taktischen Fehlern mit Bronze zufrieden geben musste.

Im Marathonjahr 2013 werden für einige der Stars die City-Rennen und damit auch die Jagd nach schnellen Zeiten wieder mehr in den Vordergrund rücken als zuletzt. 2012 standen für sie die Olympischen Spiele beziehungsweise die Qualifikation dafür im Mittelpunkt. Die Weltmeisterschaften, die in diesem Sommer in Moskau stattfinden werden, sind dagegen nur für sehr wenige Weltklasseläufer wirklich interessant.

Einen ersten superschnellen Marathon könnte es bereits in Kürze geben: Am 25. Januar findet das Rennen in Dubai statt. Der Kurs in den Vereinigten Arabischen Emiraten ist durchgehend flach und bietet in dieser Hinsicht die wohl besten Bedingungen aller hochklassigen City-Marathonrennen. Es war in Dubai vor einem Jahr, wo sich die Äthiopier über die 42,195 km mit absoluten Weltklassezeiten zurückmeldeten. Zuvor waren ihnen die Kenianer davon gelaufen. In Dubai ist nunmehr allerdings ein Kenianer der Topfavorit: Moses Mosop will zeigen, dass er an seine Debüt-Fabelzeit aus Boston 2011 (er war Zweiter hinter Geoffrey Mutai in 2:03:06) anknüpfen kann. Vielleicht gelingt ihm dort auch regulär eine der schnellsten Zeiten aller Zeiten.

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Foto: Norbert Wilhelmi

Aus den Ergebnissen aus 2012 haben übrigens gleich vier Leistungen den Sprung in die Liste der Top 10 aller Zeiten geschafft. Das zeigt wie hochklassig das Marathonjahr 2012 auch ohne Weltrekord war. Wie dominant die Kenianer und Äthiopier über die klassische Distanz sind, wird ebenfalls offensichtlich: Nur Athleten aus diesen zwei Nationen erreichten 2012 Zeiten unter 2:07 Stunden – 23 Kenianer und 20 Äthiopier. Erst bei Ergebnissen unter 2:08 gesellen sich ein paar andere Nationen hinzu. Erstmals seit vier Jahren schafften dabei auch zwei Europäer derartige Leistungen: Patrick Tambwe (Frankreich) und der aufstrebende Pole Henryk Szost liefen 2:07:30 (Tiberias/Israel) beziehungsweise 2:07:39 (Otsu/Japan). Die Weltspitze ist für sie freilich noch weit entfernt. Vielleicht kann der Überraschungs-Olympiasieger Stephen Kiprotich (Uganda) 2013 mit den Kenianern und Äthiopiern mithalten.

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