Marathon unter 2:00 Stunden?

Breaking 2: Erster Test war erfolgreich

Bei Nikes „Breaking2h“-Projekt blieben zwei der drei Läufer beim Halbmarathon-Test unter 60 Minuten, aber können sie das auch zweimal hintereinander? Das ist ja die eigentliche Frage.

Breaking 2: Erster Test auf der Halbmarathondistanz war erfolgreich

Von links nach rechts in der hinteren Reihe: Lesisa Desisa, Zersenay Tadese, and Eliud Kipchoge bei ihrem Halbmarathon-Test auf einem 2.400-Meter-Rundkurs auf der Formel-1-Strecke in Monza, Italien.

Bild: Chris Lawrence

Nach Monaten der Spekulationen und Debatten traten am Dienstag Eliud Kipchoge (Kenia, Marathonbestzeit 2:03:05 h), Lelisa Desisa (Äthiopien, 2:04:45 h) und der Halbmarathon-Weltrekordler Zersenay Tedese aus Eritrea zum ersten Testlauf für Nikes „Breaking2“-Projekt auf dem Formel 1-Kurs in Monza, Italien, an. Gute 59 Minuten später war das Ergebnis ein Mix aus vielversprechenden Vorzeichen, aber noch mehr Fragen. Bis zum Tag X, irgendwann im Mai (das Datum steht noch nicht fest, aber wir werden berichten), an dem die Zwei-Stunden-Marke unterboten werden soll, gibt es für die Athleten und Wissenschaftler, die am Projekt beteiligt sind, noch einiges zu tun – das steht fest.

Zwei blieben unter 60 Minuten

In Monza lief Marathon-Olympiasieger Eliud Kipchoge 59:17 Minuten, ihm folgte Tadese in 59:41 Minuten und weit hinterher lief Lelisa Desisa in 62:55 Minuten, er hatte nach der Hälfte der Distanz abreißen lassen müssen. Aber zuvor hatte das Nike-Team immer wieder darauf hingewiesen, dass dies kein Rennen sei, sondern nur ein Testlauf. Weniger für die Athleten, sondern mehr für Nike, um die Logistik für das eigentliche Rennen unter Live-Bedingungen auf die Probe zu stellen: „Wir testen heute nicht die Fitness der Athleten“, sagte Brad Wilkins, einer der zuständigen Wissenschaftler vor dem Start, „wir testen uns selbst.“ Unter diesem Aspekt waren die Zeiten Kipchoges und Tadeses sehr ermutigend, zumal sie offensichtlich nicht an ihre Grenzen gingen. Desisas Ergebnis war kein Desaster, macht aber seine Chancen, am Tag X wirklich mit dabei zu sein, mehr als fragwürdig.

Formel-1-Fahrer im Führungsfahrzeug

Die Strecke selbst war angelegt als 2400-m-Runde, exakt vermessen war sie 2402,4 Meter lang. Eine weiße Linie markierte die Ideallinie. Die Läufer folgten vom Start weg einem Tesla als Führungsfahrzeug, gefahren von einem Formel-1-Testfahrer. Auf dem Wagen war eine sehr große, breite Uhranzeige montiert, die Zwischenzeiten, aktuelle Laufzeit und prognostizierte Laufzeit anzeigte und sicherlich auch einen gewissen Windbreaker-Effekte hatte. Das Auto wurde computergesteuert beschleunigt und somit auch als Tempomacher genutzt. Die Verpflegung wurde den Athleten von Nikes Forschungsmitarbeiter Brett Kirby von einem Motorrad aus persönlich angereicht. Die Verpflegung war personalisiert und in verschieden farbigen Flaschen abgepackt.

Der Schuh fürs Projekt

Natürlich waren zwei der wichtigsten Dinge, die getestet wurden, die Ausrüstung und die Pacing-Strategie. Kipchoge, Tadese und Desisa trugen den Zoom Vaporfly Elite, ein nagelneuer Schuh, der speziell nur für die Testläufer zur Verfügung stand, eine absolute Innovation aus den geheimsten Nischen des Nike Design-Labors. Der Schuhexperte unserer Mutterzeitschrift RUNNER’S WORLD USA Jeff Dengate durfte als einziger Nicht-Nike-Mitarbeiter den Schuh testen. Mehr dazu im Video hier (in englisch!)…

Taktik der Tempomacher

Für Experten interessant war aber auch, wie die Tempomacher die Protagonisten über die ersten Kilometer führen sollten. Die Läufer formierten sich zunächst in einer Raute von 1-2-3-2-1 Läufern. Dabei nahmen Kipchoge, Desisa und Tadese die letzten drei Plätze ein. Die Tempomacher wurden im Test aus- und eingewechselt, was in einem offiziellen Rennen nicht erlaubt ist. Ab und zu auffrischender Wind und das hohe Tempo sorgte immer wieder für ein wenig Durcheinander im kleinen Feld. Die letzte 2,4-km-Runde liefen Kipchoge und Tadese schließlich alleine, auch um noch einmal den Wissenschaftlern die Möglichkeit zu geben, diese Rennsituation mit der gepacten Situation zu vergleichen.

Riesige Datensammlung zur Auswertung

Im letzten Schritt werden nun die zahlreichen Daten, die die Wissenschaftler vor Ort erhoben, ausgewertet, vom Anstieg der Körperkerntemperatur, des Sauerstoffverbrauchs bis zu den Ergebnissen der Messung der Hauttemperatur, oder des Gewichtsverlusts und vielem vielem mehr. Vor allem werden diese Ergebnisse zeigen, in welchem Belastungsbereich die Athleten sich tatsächlich nach der Hälfte der zu laufenden Strecke im angestrebten Tempo bewegten, oder anders ausgedrückt: wie viel Reserve sie bei diesem Tempo noch hatten.

Gleiches Tempo auf der doppelten Strecke?

Die Skeptiker des Projekts werden sich nach diesem Testlauf bestätigt fühlen und sagen, dass auch unter optimiertesten Laufbedingungen und mit dem besten Material, eine doppelte Distanz in diesem Tempo nicht bewältigt werden kann, aber wer Kipchoge nach dem Zieleinlauf gesehen und gesprochen hat, konnte an den Zweifeln zweifeln. Der Marathon-Olympiasieger war so entspannt und locker, als ob er gerade nur einen Dauerlauf absolviert hätte und antwortete schließlich auf die Frage, wie hart es denn heute gewesen sei, 95, oder 98 oder 100 Prozent? „Sechzig Prozent. Es war wirklich einfach nur ein Training.“

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Das Rennen in Monza im Video