Sieben Weltrekorde

Berlin schnellster Marathon der Welt

Auch wenn der Weltrekord am Sonntag nicht gebrochen wurde, bleibt Berlin die schnellste Marathon-Strecken der Welt.

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Der Berlin-Marathon ist nach wie vor das schnellste Rennen der Welt. Hier wird Haile Gebrselassie von den Tempomachern John Kales (rechts) und Sammy Kosgei (beide Kenia) geführt.

Bild: photorun.net

Der verpasste Marathon-Weltrekord von Haile Gebrselassie (Äthiopien), der den Berlin-Marathon am Sonntag in 2:06:08 Stunden gewann, tut dem Ruf des Rennens als außergewöhnlich schnelle Strecke keinen Abbruch. Sieben Weltrekorde wurden in der Geschichte des Rennens gelaufen, sechs alleine innerhalb der vergangenen elf Jahre. Kein anderer Marathon weltweit kann mit diesem Tempo der Berliner mithalten.

Mehrfach wurden in Berlin Zeitbarrieren durchbrochen: 1998 war Ronaldo da Costa (Brasilien) der erste Läufer, der für die Marathondistanz eine Durchschnittsgeschwindigkeit von über 20 km/h erreichte. Er war nach 2:06:05 Stunden im Ziel. 2001 durchbrach die Japanerin Naoko Takahashi in Berlin als erste Frau die 2:20-Barriere (2:19:46). Zwei Jahre später rannte Paul Tergat (Kenia) den
ersten Marathon unter 2:05 Stunden (2:04:55) und dann steigerte sich Haile Gebrselassie 2008 auf 2:03:59.

In der Liste der schnellsten City-Marathonläufe der Welt steht der Berlin-Marathon weiterhin auf Position eins. Hier wird der Durchschnitt der besten zehn Männerzeiten gewertet. In Berlin liegt der nun bei 2:05:30 Stunden – eine Zeit, die nur bei drei anderen Marathonrennen überhaupt bisher erreicht worden ist: Lediglich in London, Rotterdam und Dubai gibt es Kursrekorde, die noch unter 2:05:30 stehen.

Doch was ist möglich im Marathon in der Zukunft? Die Meinungen gehen auseinander: Haile Gebrselassie ist sich sicher, dass eines Tages auch die Zwei-Stunden-Barriere fallen wird. „Aber vielleicht dauert es 20 oder 40 Jahre, bis wir solche Zeiten sehen. Es wird passieren, ich weiß nur nicht wann. Vor vierzig Jahren hat auch noch keiner daran gedacht, Zeiten zu erreichen, die heute immer wieder gelaufen werden.“

Skeptischer ist Paul Tergat bezüglich weiterer deutlicher Steigerungen des Marathon-Weltrekordes. „2:02 Stunden zu laufen, das wird sehr, sehr schwer. Denn ich glaube, wenn man die erste Hälfte schneller als 61:30 Minuten läuft, wird man einbrechen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass in der Zukunft ein Marathonläufer unter zwei Stunden bleibt, denn wir haben das Limit in meinen Augen fast erreicht.“ Bereits lange vor der gestrigen Marathon-Rekordjagd von Gebrselassie hatte Tergat erklärt: „Auch für Haile wird es immer schwerer, seinen aktuellen Weltrekord von 2:03:59 Stunden zu unterbieten.“ Das Rennen in Berlin gab ihm recht.

Paul Tergat traut vier Landsleuten zu, in den Weltrekord-Bereich von Haile Gebrselassie zu laufen: Olympiasieger Sammy Wanjiru, der in drei Wochen in Chicago startet, Martin Lel, James Kwambai und Duncan Kibet, der gestern aufgrund eines Hüftproblems aufgab. Und irgendwann könnte auch Kenenisa Bekele für neue Bestzeiten im Marathon sorgen. Der Äthiopier, der bereits lange Gebrselassie als 10.000-m-Weltrekordler abgelöst hatte und in Berlin im August Doppel-Weltmeister wurde (5.000 und 10.000 m), hat sich aber noch nicht entschieden, wann er sein Marathon-Debüt gibt.