New-York-Marathon 2012

Bekomme ich mein Geld zurück?

Nach der Absage des New-York-Marathons bleiben viele Fragen offen. Bekomme ich mein Geld zurück? Jurist Torsten Schmitz beantwortet die drängenden Läufer-Fragen.

Jurist Torsten Schmitz zum New-York-Marathon 2012

Jurist Torsten Schmitz, LL.M., ist selbst begeisterter Marathonläufer.

Bild: Torsten Schmitz

Erst spät entschied der New Yorker Bürgermeisters Michael Bloomberg, die 43. Auflage des diesjährigen New-York-Marathons abzusagen – wegen der schweren Schäden, die Hurrikan "Sandy" verursacht hat. Jetzt stellt sich für viele Läuferinnen und Läufer die Frage, ob sie bereits entstandene Kosten ersetzt verlangen können. Für Aufregung hat dabei insbesondere die Ankündigung des Veranstalters (New York Road Runners) gesorgt, das Startgeld nicht zu erstatten. Welche Ansprüche für Reisende vor diesem Hintergrund im Einzelnen bestehen, ist je nach Situation unterschiedlich zu beantworten.

Situation 1: Ich habe bei einem deutschen Reiseveranstalter ein Komplettpaket gebucht, konnte jedoch noch nicht einmal anreisen.

Der Reiseveranstalter schließt in diesem Fall jeweils gesonderte Verträge mit den einzelnen Leistungserbringern (Fluggesellschaft, Hotel, Marathonveranstalter) und bündelt diese zu einer Gesamtheit von Reiseleistungen. Vertragspartner des Reisenden ist ausschließlich der Reiseveranstalter. Wer eine solche Pauschalreise bucht, erhält in der Person des Reiseveranstalters einen einheitlichen, klar erkennbaren Schuldner, der sich nicht durch Verweis auf die einzelnen Leistungserbringer von seiner Haftung befreien kann.

Die Absage des New-York-Marathons wegen der verheerenden Folgen des Wirbelsturms "Sandy" stellt einen Fall von höherer Gewalt dar, der beide Vertragsparteien zur Kündigung berechtigt. Der Reiseveranstalter verliert dann seinen Anspruch auf den vereinbarten Reisepreis. Hat der Reisende bereits gezahlt, kann er den Reisepreis vom Reiseveranstalter zurückverlangen. Da der Reiseveranstalter vor Beginn der Reise noch keine Leistungen erbracht hat, steht ihm diesbezüglich auch grundsätzlich kein Entschädigungsanspruch gegen den Reisenden zu.

Bezüglich der Rückerstattung des Startgelds gilt Folgendes: Die Teilnahme am Lauf gehört in der Regel zu den vertraglich versprochenen Leistungen des jeweiligen Veranstalters der Marathon-Reise. Auf die Bedingungen der New York Road Runners muss sich der Reisende dann nicht verweisen lassen, er kann das Startgeld von seinem Vertragspartner, dem Reiseveranstalter, zurückverlangen. Zur Klärung des tatsächlichen Leistungsumfangs hilft ein Blick in die Vertragsunterlagen bzw. die Allgemeinen Geschäftsbedingungen des jeweiligen Reiseveranstalters.

Situation 2: Ich habe bei einem deutschen Reiseveranstalter ein Komplettpaket gebucht und war zum Zeitpunkt der Absage des Rennens bereits vor Ort.

In diesem Fall hat der Reiseveranstalter bereits einen Teil der vertraglich geschuldeten Leistungen erbracht (Hinflug, Unterbringung im Hotel). Der Reisende hat allerdings auch nach Reisebeginn im Fall von höherer Gewalt ein Kündigungsrecht. Hier gilt es nun Folgendes zu beachten: Zwar erlischt auch in diesem Fall der Reisepreis des Reiseveranstalters, allerdings erhält dieser nunmehr einen Entschädigungsanspruch, der vom Umfang der bereits erbrachten Leistungen abhängig ist. Der Anspruch besteht auch dann, wenn die erbrachten Leistungen für den Reisenden ohne Interesse sind. Den zu viel gezahlten Reisepreis kann der Reisende jedoch trotzdem zurückverlangen. Bezüglich des Startgeldes gilt dasselbe wie in Situation 1: War die Laufteilnahme vertraglich zugesichert und wurde diese Leistung nicht erbracht, so kann der Reisende auch das Startgeld vom Reiseveranstalter erstattet verlangen.

Der Reisende muss trotz Kündigung des Vertrages aber nicht befürchten in New York "festzusitzen". Der Reiseveranstalter muss den Reisenden schnellstmöglich zurückbefördern. Entstehen hierdurch allerdings Mehrkosten, so wird der Reisende daran zur Hälfte beteiligt. Sonstige Mehrkosten, die etwa durch einen zwangsweise verlängerten Aufenthalts entstehen, fallen jedoch dem Reisenden zur Last. Der Reiseveranstalter ist gehalten, den Reisenden bei der weiteren Organisation des Aufenthaltes zu unterstützen. Verletzt er diese Pflicht, so muss er vermeidbare Mehrkosten ersetzen.

Läufer bevölkern Central Park nach Marathonabsage - Bilder

Situation 3: Ich habe mir die Reise individuell selbst zusammengestellt und gebucht.

Bei der individuellen Buchung von Flug, Unterkunft und Marathon-Teilnahme findet das deutsche Reiserecht keine Anwendung. Der Reisende schließt in diesem Fall jeweils selbst die Verträge mit den einzelnen Leistungserbringern. Sowohl für die Fluggesellschaft als auch für die Hotelbetreiber ist die Motivation zur Reise nach New York irrelevant. Sie schulden lediglich die Hin- und Rückreise bzw. die Unterbringung für den vereinbarten Zeitraum. Erfüllen sie diese Verpflichtungen, so haben sie auch Anspruch auf die vereinbarten Entgelte. Die Absage des Marathons ist bei dieser Konstellation ein Risiko, dass den Reisenden selbst trifft. Hat der Reisende bezüglich des Fluges eine Reiserücktrittsversicherung abgeschlossen, kann er seinen Schaden gegebenenfalls mindern. Ansonsten wird er lediglich auf die Kulanz seiner Vertragspartner hoffen können.

Bezüglich des Startgeldes gilt ebenfalls Abweichendes: Vertragspartner sind nunmehr die New York Road Runners selbst. Deren Allgemeine Geschäftsbedingungen schließen eine Rückerstattung des Startgeldes selbst für den Fall der Absage des Events aufgrund höherer Gewalt aus. In der Klausel heißt es unter anderem:
"Once you have entered a race, your entry fees are non-exchangeable, non-transferable, and non-refundable, under any and all circumstances, including, but not limited to, cancellation of the event or of your participation, or change in the date, nature, or format of the event."

Wäre deutsches Recht anwendbar, so würde diese allumfassende Ausschluss-Klausel einer gerichtlichen Überprüfung wohl nicht standhalten (Stichwort: "Leistung ohne Gegenleistung"). Hier gilt allerdings US-amerikanisches Recht. Zwar bestehen auf Seiten des Verfassers erhebliche Zweifel, ob diese "no refund"-Klausel durch ein US-Gericht gebilligt würde, das Beschreiten des Rechtswegs ist für die betroffenen Läuferinnen und Läufer angesichts des Aufwandes und der Kosten jedoch wenig praktikabel.

Im Einzelfall vermag daher vielleicht ein nachdrückliches Schreiben an die New York Road Runners Abhilfe zu schaffen. Auch bleibt zu hoffen, dass der öffentliche Druck und die anhaltende Kritik der Sportler an der Startgeld-Regelung noch zu einem Umdenken beim Veranstalter führen.

Jurist Torsten Schmitz

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