Leserreporter Günter Schmidt

Bananenmangel in Costa Rica

Dass Laufen in Costa Rica nicht der größte Volkssport ist, musste Günter Schmidt mitten auf der Strecke erfahren.

Marathon in San José - Die Bilder
San José Marathon

Das Wasser wird beim San José-Marathon in praktischen Plastikbeuteln ausgegeben.

Bild: Günter Schmidt

In Runde zwei laufe ich freudig meiner Banane entgegen. Der Verpflegungspunkt ist der gleiche, jetzt bei Kilometer 19. Aber was ist denn da passiert? Keine Bananen mehr da! Jetzt weiß ich, wie sich unsere Affen immer fühlen, wenn sie im Baum sitzen und vergeblich auf eine milde Gabe hoffen. Denn auch im Supermarkt unseres Küstenortes ist die Bananenkiste meist leer. Manchmal habe ich das Gefühl, dass die vor Weihnachten alle Bananen nach Deutschland verfrachtet haben. Also, wenn ihr in einen Banane beißt, denkt daran, es gibt Menschen auf der Welt, die vergeblich auf eine Banane hoffen. Mein Gott, und das ausgerechnet in Costa Rica. Zum Glück habe ich ja noch meine Kekse. Aber was ist das? Ich greife in meinen Bauchgurt – und greife ins Leere! Ja, wenn ich den Reißverschluss geschlossen hätte, wären die Kekse noch da. Bleibt die Hoffnung, sie irgendwo auf der Strecke wiederzufinden. Aber ich kann es vorwegnehmen – die Hoffnung erfüllt sich nicht. Und nun lässt auch noch die Getränkeversorgung zu wünschen übrig. Nichts gibt es mehr bis zum Verpflegungspunkt, der sich jetzt in der dritten Runde bei Kilometer 33 befindet. Hier bunkere ich ausreichend Getränke im Bauchgurt und lernfähig wie ich bin, schließe ich auch den Reisverschluss.

Absperrungen werden überbewertet

Lief das Stadtleben im Zentrum in den ersten beiden Runden noch sehr ruhig, wimmelt es jetzt vor Menschen. Und glaube keiner, dass die sich auch nur einen Moment darüber Gedanken machen, warum die Straße mit Seilen abgesperrt ist. Oder darüber, was das für komische Leute sind, die nichts Besseres zu tun haben, als durch die Stadt zu rennen. Die latschen kreuz und quer, die geht das alles nichts an. Mein Rezept ist da wohl das einzige, was hilft: Rücksichtslos weiterlaufen…!

Ich komme mit zwei jungen Läufern aus Costa Rica ins Gespräch. Beide laufen ihren ersten Marathon. Den wievielten ich laufe, wollen sie wissen. Den 94. verkünde ich stolz und merke, dass einer der beiden etwas überlegt. Dann verkündet er das Ergebnis: „In Costa Rica gibt es zwei Marathons, da brauche ich ja 47 Jahre." Wo er Recht hat, hat er Recht!

Ins Stadion von San José passen 35.000 Menschen, davon waren allerdings nur wenige Plätze besetzt.

Bild: Günter Schmidt

Kein Durchgang am Stadion

Durch die Tatsache, dass ich Hungerstreik-Gehpausen einlege, wird es dann doch nur eine Zeit knapp unter 5 Stunden. In diesem Bewusstsein laufe ich entspannt auf das Tor zum Stadiongelände zu. Da stehen zwei Posten. Und als ich das Tor erreiche, schließen die das Tor - vor meiner Nase! Sind die noch dicht? Ob ich zum Marathon gehöre, will der eine wissen. Sehe ich aus, als wäre ich auf Besichtigungstour? Ich soll mich umdrehen – nein, auf dem Rücken habe ich auch keine Startnummer! Aber dann sieht sein Wächterkollege den Chip an meinem Schuh – ich darf passieren. Wenn ich die 5 Stundenmarke nicht schaffe, die sind schuld!

Bester Europäer – mit einer Zeit von knapp unter 5 Stunden

Ich muss noch fast das ganze Stadion außen umrunden, bevor ich durch den Tunnel in eines der schönsten Stadien der Welt einlaufe. Hinter diesem Satz verbirgt sich kein Zynismus - das 2011 erbaute Estadio Nacional mit seinen über 35.000 Plätzen ist wunderschön. Und die Zuschauer springen von ihren Plätzen, jubeln mir zu. Wobei ich vielleicht erwähnen sollte, es sind heute nicht ganz 35.000. Aber 50 sind es bestimmt. Ich frage nach, wie viele Deutsche außer mir über die Marathondistanz am Start waren. Keiner. Und Europäer? Keiner. Mein Gott, ich bin nicht nur bester Deutscher, ich bin der beste Europäer! Dass nicht abhebe, davor bewahrt mich nur die Tatsache, dass ich erfolgsverwöhnt bin. Auch vor drei Jahren war ich hier schon bester Europäer.

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