Athen-Marathon 2015

Auf der Spur des Mythos "Marathon"

Der Athen-Marathon ist ein Muss für jeden leidenschaftlichen Läufer: Einmal dort laufen, wo der Mythos Marathon seinen Ursprung hat und alles begann. Patrick Brucker berichtet davon.

Athen-Marathon 2015

Patrick Brucker auf dem Erinnerungs-Foto auf dem Philopappos-Hügel mit der Akropolis im Hintergrund nach dem Lauf.

Bild: Privat

Auch wenn es für mich nur über die 10-km-Distanz an den Start ging, war die Vorfreude auf den Lauf groß. Bereits am Freitag, zwei Tage vor dem Athen-Marathon, flog ich von Stuttgart nach Athen. Passend zu meinem griechischen Wochenende, das zugleich meine erste Reise nach Griechenland bedeutete, begann schon beim Einstieg ins Flugzeug die Einstimmung auf das Land mit den über 3.000 Inseln. Denn schon auf dem Flug mit der griechischen Airline Aegean bekam ich die Landessprache oft genug zu hören.

Start am National Garden

Nach der späten Ankunft im Hotel Stratos Vassilikos, das nur zwei Metro-Stationen vom Start entfernt liegt, begann für mich keine 30 Stunden später der Renntag. Dank der günstigen Lage reichte es, mich rund 70 Minuten vor dem Startschuss auf den Weg zu machen. Einen kurzen Fußmarsch und zwei Stationen später stand ich dann schon vor dem Parlament in der Amalias Avenue, neben der sich der National Garden befindet. Trotz warmen Wetters und erwartetem Gedränge bei der Starterbeutel-Abgabe, nahm ich meinen Beutel mit – was sich glücklicherweise als komplett unkompliziert herausstellte und reibungslos ablief.

Einrollen zu Beginn des Rennens

Pünktlich um 8:45 Uhr fiel dann für tausende Läufer der Startschuss für den 10-km-Lauf des 33. Athen-Marathons am Sonntag, den 8. November 2015. Doch gleich auf den ersten Metern merkte ich, dass das nicht mein bester Tag werden würde. Schwere Beine und ein unrunder Schritt begleiteten mich schon von Beginn an. Auf dem ersten Kilometer galt es nichtsdestotrotz, es so gut es geht, rollen zu lassen und Schwung für den fünf Kilometer langen, leicht aber stetig ansteigenden Abschnitt zu holen. Da es zuerst leicht bergab ging und ich etwa in der dritten oder vierten Reihe stand, blieb mir ohnehin nichts anderes übrig. Also versuchte ich, mir erstmals ein wenig Platz zu verschaffen und die Euphorie ihr Übrigens tun zu lassen.

Stetiger Anstieg bis zum Wendepunkt

Wenige Meter später ging es dann auch schon in die leichte Steigung hinein – zwar nichts, was mir als Schwarzwälder den Angstschweiß über die Stirn laufen ließ, aber doch schon für ein deutlich langsameres Tempo sorgte. „Sind das wirklich nur zwei Prozent?!“ Von Meter zu Meter kam mir die breite Straße steiler vor. Doch zum Glück lag mein Ziel im Ziel: Eine schnelle Zeit konnte ich woanders laufen, aber das Ziel im Panathinaiko Stadion war schon etwas ganz Besonderes für mich. Aber erst mal waren es noch ein paar Kilometer bis dorthin. Im Wissen, dass die zweite Hälfte die deutlich schnellere ist, nahm ich die langsame Zwischenzeit an der 5-km-Marke hin und freute mich auf den Wendepunkt nur 800 Meter später.

“Bravo! Bravo!“ – Kräftige Anfeuerung am Streckenrand

Zur frühen Stunde noch nicht so zahlreich am Streckenrand, stieg die Anfeuerung mit den vorbeilaufenden Kilometer-Schildern. Auf einmal schien ich sogar Griechisch zu verstehen: „Bravo! Bravo!“-Rufe wurden immer zahlreicher und lauter. Der Spaß an der Anstrengung wurde immer größer, doch schneller wurde ich dadurch trotzdem nicht. Aber davon ließ ich mich bei diesem besonderen Lauf nur wenig ärgern. Nach knapp sieben Kilometern überholte mich dann ein Läufer – der einzige, mit dem ich es auf der zweiten Hälfte zu tun bekommen sollte. Das zeigte mir, dass es doch gar nicht so schlecht laufen konnte. Also ging ich das Tempo mit und versuchte nochmals ein bisschen zu beschleunigen. Bis zum Verlassen der Vasilissis Sofias Avenue, auf der ein Großteil des Rennens stattfand, konnte ich dranbleiben und auch selbst für die Tempoarbeit sorgen.

Der Zieleinlauf beim Athen-Marathon ist im historischen Panathinaiko-Stadion aufgebaut.

Bild: Patrick Brucker

Ein Stück Lauf-Geschichte

Als ich dann eigentlich dachte, die zuvor bezwungenen Höhenmeter wieder alle hinter mir zu haben, ging es in einer letzten Links-Kurve Richtung Panathinaiko Stadion und am National Garden entlang nochmals ziemlich steil bergab. Eine Straßen-Überquerung später war es dann soweit. Zwar wollte meine Uhr schon vor dem Stadion halt machen und meldete sich schon zum zehnten Mal lautstark, doch wusste ich, dass das Beste noch vor mir lag – und die Uhr dieses Mal Unrecht hatte. Denn 119 Jahre vor mir lief hier Spyros Louis bei den ersten Olympischen Spielen 1896 als erster Olympiasieger im Marathon zu Gold. Ich hatte nicht einmal ein Viertel der Marathon-Distanz hinter und 48 schnellere Läufer vor mir, doch ich genoss die letzten rund 150 Meter mindestens genauso stark, wie das 1896 der erste Marathon-Olympiasieger getan haben musste – und die schweren Beine wurden auf einmal federleicht. Wenn doch nur der ganze Lauf im Stadion stattgefunden hätte.

Für mich als leidenschaftlicher Läufer waren die finalen Meter im Olympia-Stadion von 1896 die besten Meter meiner knapp 100 Rennen, an denen ich bisher teilgenommen habe: Für einen Moment Teil der Langstrecken- respektive Marathon-Geschichte zu sein, war einfach klasse. Und die Zeit? 37:31 Minuten. Aber das sollte mich nicht großartig stören. Nach Athen kommt keiner zum Bestzeiten-Knacken. Hier läuft man, um sich auf die Spuren des Mythos „Marathon“ zu machen und an der Geschichte teilzuhaben.

Einige Meter nach der Ziellinie wurden schließlich die Medaillen überreicht – eine der schönsten, die ich bisher umgehängt bekam, denn sie zeigt das Panathinaiko-Stadion in olympisch anmutendem Gold.

Euphorischer Empfang des griechischen Marathon-Siegers

Nachdem ich durch die Zielverpflegung war und meinen Starterbeutel abgeholt hatte, bin ich sofort wieder Richtung Stadion gegangen. Den Zieleinlauf des ersten Marathon-Läufers wollte ich natürlich nicht versäumen. Doch aufgrund der herausragenden Infrastruktur vor Ort und einer reibungslosen Organisation hatte ich noch genug Zeit, mir alle Ecken der Zuschauer-Ränge anzuschauen und den Blick über das Geschehen schweifen zu lassen. Als dann der Grieche Christoforos Merousis nach 15 Jahren ohne griechischen Sieger als Erster ins Ziel lief, war der Jubel groß. Das Stadion hatte sich seit dem Finish der ersten 10-km-Läufer sukzessive gefüllt, sodass viele tausend Zuschauer für einen standesgemäßen Empfang sorgten.

Akropolis bereits am Vortag

Vom Hotel aus nur eine Metro-Station weiter und nur rund einen Kilometer vom Olympia-Stadion von 1896 entfernt, befindet sich das wohl bekannteste Wahrzeichen der griechischen Hauptstadt – die Akropolis. Warum der Lauf hier nicht vorbei ging, könnte man sich vielleicht fragen, wenn man – so wie ich – noch nie in Athen war. Doch als Strecken-Highlight bietet sich der 156 Meter hohe Fels am Ende eines Marathons wenig an. Zum Glück hatte ich noch den ganzen Samstag Zeit, mir die schönsten Flecken Athens anzuschauen.

Sightseeing-Tour am Samstag vor dem Lauf

Also ging es am Vortag des Rennens ab zehn Uhr mit Guide Kostas von Athens Walking Tours nach einer kurzen informativen Begrüßung im Akropolis Museum mit dem Anblick des Olympischen Marathon-Pokals von 1896 Richtung Philapappos Hügel. Vorbei am Gefängnis des Sokrates, hatte man schon nach wenigen Metern einen tollen Blick auf die Akropolis. Danach führte mich Kostas unter anderem noch an den Ort, an dem hunderte Jahre v. Chr. Die Volksabstimmungen abgehalten wurden.

Zur Mittagszeit zeigte mir George, einer der Athens Insiders, die neuere Geschichte der Stadt: Außergewöhnliche Restaurants und Bars und die bekanntesten Werke der Athener Street Art standen auf dem Plan. Durch die engen Straßen hätten die Läufermassen des Athen-Marathons ohnehin nicht durchgepasst. Umso froher war ich, dass ich am Vortag schon etwas von der Geschichte und den schönsten Orten zu sehen bekam. Der Nachmittag stand dann im Zeichen der Erholung und wurde weniger aktiv genutzt, bevor es am Abend im Hotel eine extra für den Athen-Marathon initiierte Pasta Party gab.

Der Sonntagnachmittag und der folgende Montagmorgen verflogen dann so schnell, dass mir nicht mehr viel Zeit blieb, weitere Sehenswürdigkeiten, von denen Athen einige bietet, zu erkunden. So ging es dann am Sonntagmittag Richtung Flughafen, um auf dem Flug das griechische Wochenende mit einem – ironischerweise – niederländischen Bier über den Wolken ausklingen zu lassen.

Und wer weiß, vielleicht komme ich irgendwann nochmal nach Athen, um die historischen 42,195 Kilometer von Marathon nach Athen zu laufen und noch mehr von Athen zu entdecken.

Athen-Marathon 2015:

Trotz griechischer Krise neuer Te...