Frankfurt-Marathon 2015

Arne Gabius knackt deutschen Rekord

Beim Frankfurt-Marathon lief Arne Gabius deutschen Rekord (2:08:33 Stunden). Die Äthiopier Sisay Lemma und Gulume Tollesa gewannen. Lisa Hahner lief persönliche Bestzeit.

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Frankfurt-Marathon Arne Gabius

Erschöpft und glücklich erreicht Arne Gabius das Ziel des Frankfurt-Marathon und ist der neue Inhaber des deutschen Marathon-Rekords.

Bild: Norbert Wilhelmi

Arne Gabius hat beim Frankfurt-Marathon den deutschen Rekord gebrochen. Der 34-jährige Stuttgarter lief als Vierter nach einem starken Kampf 2:08:33 Stunden. Damit unterbot der für LTH Hamburg Marathon startende Läufer die 27 Jahre alte Bestmarke um 14 Sekunden und wurde überlegen Deutscher Meister. 1988 war Jörg Peter (Dresden) in Tokio 2:08:47 Stunden gelaufen. Gabius wurde in dem hochklassig besetzten Rennen Vierter. Seine Bestzeit, die er vor einem Jahr in Frankfurt aufgestellt hatte, unterbot er um 59 Sekunden. Arne Gabius ist der erste deutsche Läufer, der die deutsche Olympianorm von 2:12:15 Stunden unterbot. Außerdem stellte er in Frankfurt eine europäische Jahresbestzeit auf. Der Äthiopier Sisay Lemma gewann das Rennen in 2:06:26 Stunden vor den Kenianerin Lani Rutto (2:06:34 Stunden) und Alfers Lagat (2:06:48 Stunden).

Bei den Frauen belegten drei Äthiopierinnen die Podestplätze: Überraschend setzte sich Gulume Tollesa in 2:23:12 Stunden mit einer deutlichen persönlichen Bestzeit nach einem Sprint-Duell vor der zeitgleichen Dinknesh Mekash durch. Rang drei belegte Koren Jelela mit 2:23:52 Stunden. Deutsche Meisterin wurde Lisa Hahner (Run2Sky/Gengenbach), die als Sechste mit 2:28:39 Stunden erstmals in ihrer Karriere unter 2:30 Stunden blieb. Pech hatte die 25-Jährige jedoch, weil sie die deutsche Olympianorm um nur neun Sekunden verpasste.

Gleich drei Fotografen waren für runnersworld.de in Frankfurt, um das historische Rennen festzuhalten. Die schönsten Fotos vom Frankfurt-Marathon geschossen von Wolfgang Steeg finden Sie oberhalb dieses Artikels. Die Galerien von Norbert Wilhelmi und Tomas Ortiz-Fernandez finden Sie weiter unten.

Spannende Rennen beim Frankfurt-Marathon

Der Frankfurt-Marathon bot damit Dramatik an vier Fronten – im Männer-Rennen im Kampf um den Sieg als auch um den deutschen Rekord, bei den Frauen ebenfalls im Kampf um Platz eins sowie um die deutsche Olympianorm. Die Siegzeiten bestätigen die Position des Frankfurt-Marathon, der zu den hochklassigsten Rennen weltweit gehört. Bei den Männern wurde die zehntschnellste Siegzeit des Jahres erreicht, bei den Frauen sogar die sechstschnellste.

Für den Frankfurt-Marathon, der als IAAF Gold Label Rennen zur höchsten Kategorie der Straßenrennen gehört, hatten 14.565 Läufer gemeldet. Rahmenwettbewerbe hinzugerechnet, verzeichneten die Veranstalter insgesamt 25.547 Meldungen.

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Umrundet von Top-Läufern aus Ostafrika machte sich Arne Gabius auf den Weg zum deutschen Rekord.

Bild: Catfun-Foto

Sisay Lemma gewinnt Frankfurt-Marathon, Gabius läuft Rekord

Im Rennen der Männer erreichte eine 17-köpfige Spitzengruppe mit Arne Gabius bei sehr guten Wetterbedigungen mit Temperaturen zwischen 13 und 15 Grad Celsius, bedecktem Himmel und kaum Wind die Halbmarathonmarke nach 63:22 Minuten. Damit lag die von Tempomachern geführte Gruppe exakt im Zeitplan. Eine Vorentscheidung fiel dann in der Phase ab Kilometer 25. Hier verlor Arne Gabius zunächst den Kontakt zur Spitzengruppe, dann forcierte Sisay Lemma das Tempo enorm und setzte sich mit Tempomacher Wilfred Kigen (Kenia) auf dem 28. Kilometer ab. Lemma lief diesen Kilometer in 2:44 Minuten und ließ dann im schnellsten Teil des Rennens 1.000-m-Zeiten von 2:49, 2:52 und 2:52 Minuten folgen. An der 30-km-Marke hatte er damit einen Vorsprung von 24 Sekunden auf eine vierköpfige Verfolgergruppe mit Alfers Lagat und Lani Rutto sowie ihren kenianischen Landsleuten Norbert Kigen und Suleiman Simotwo.

Überraschend schafften dann rund vier Kilometer vor dem Ziel Lagat und Rutto noch einmal den Anschluss an Sisay Lemma, der deutlich langsamer geworden war. So wurde es plötzlich wieder spannend. Doch auf dem letzten Kilometer war der aktuelle Wien-Marathon-Sieger Lemma nicht zu schlagen. „Ich bin sehr froh über den Sieg, aber ich wollte eigentlich eine Zeit von 2:05 Stunden laufen“, sagte der 24-jährige Sieger.

Zu einem Kampf gegen die Uhr wurden die letzten 15 Kilometer für den sichtlich gezeichneten Arne Gabius. „Die zweite Hälfte war verdammt hart und hat sich gezogen wie Kaugummi, es tat weh. Jetzt weiß ich, was Marathon bedeutet“, sagte der neue deutsche Rekordhalter. Es wurde ganz knapp und zeitweise musste man fürchten, dass es nicht ganz reichen könnte für den deutschen Rekord. Doch Arne Gabius lief schließlich 14 Sekunden schneller als Jörg Peter 1988 und startete somit ein neues, viel versprechendes Kapitel im deutschen Männer-Marathonlauf. Passt man die derzeitige Jahresweltbestenliste dahingehend an, dass bei Olympia in Rio nur drei Läufer pro Nation starten können, würde Arne Gabius in einer solchen Liste derzeit Rang zwölf belegen. Mit großem Abstand gewann er den deutschen Meistertitel vor Marcel Bräutigam (GutsMuths Rennsteiglaufverein/2:17:05 Stunden) und Andreas Straßner (TSG 08 Roth/2:18:50 Stunden).

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Foto: Tomás Ortiz-Fernandez

Frankfurt-Marathon

Bild: Norbert Wilhelmi

Trotz verpasster Olympia-Quali glücklich im Ziel: Lisa Hahner (links) mit Mona Stockhecke.

Knappe Entscheidung beim Frauenrennen

Das Frauenrennen entwickelte sich zu einem echten Thriller. Bei einem gleichmäßigen Tempo passierte eine siebenköpfige Spitzengruppe die Halbmarathonmarke nach 1:11:29 Stunden. Nach 30 Kilometern waren noch vier Läuferinnen im Rennen um den Sieg: Das äthiopische Trio Gulume Tollesa, Dinknesh Mekash und Koren Jelala sowie die Russin Sardana Trofimova, die dann auf dem folgenden 5-km-Abschnitt nicht mehr mithalten konnte und am Ende Platz vier mit 2:24:38 Stunden belegte.

Auch nach 40 Kilometern waren die drei Äthiopierinnen noch zusammen. Dann setzte sich Gulume Tollesa ab und das Rennen schien bereits entschieden. Doch kurz vor dem Einlauf in die Festhalle konnte Dinknesh Mekash noch einmal aufschließen. Bis zum letzten Schritt war die Entscheidung offen. Im Zielsprint in der Festhalle setzte sich in 2:23:12 Stunden Gulume Tollesa durch, die mit ihrer bisherigen Bestzeit von 2:29:40 Stunden nicht zum engeren Favoritenkreis gezählt hatte. „Ich habe überhaupt nicht mit dem Sieg gerechnet, aber ich dachte, dass ich unter die ersten drei kommen kann, weil ich sehr gut trainiert habe“, sagte sie. Dinknesh Mekash lag einen Schritt zurück und wurde mit der gleichen Zeit gewertet. Koren Jelala gelang an dritter Stelle in 2:23:52 Stunden eine Rückkehr auf internationales Top-Niveau nach einer Babypause.

Mit riesigem Jubel wurde Lisa Hahner im Ziel empfangen, die als beste deutsche Läuferin den sechsten Platz erreichte. Sie gewann damit den deutschen Meistertitel und verbesserte in 2:28:39 Stunden ihre persönliche Bestzeit deutlich. Vor zwei Jahren war sie in Frankfurt 2:30:17 Stunden gelaufen. Nach einer Serie von Verletzungen hat sie sich mit einem starken Auftritt zurück gemeldet. „Ich bin super happy, bin neue Bestzeit gelaufen. Wenn ich entspannt laufe, kann ich die beste Leistung bringen. Ich habe versucht locker zu bleiben, das ist gut gelungen. Ich freue mich über meine neue Bestzeit, an die verpasste Olympianorm denke ich jetzt nicht“, sagte sie in einer ersten Reaktion. Nur neun Sekunden fehlten ihr am Ende zu der vom Deutschen Leichtathletik-Verband geforderten Marke. Auf dem zweiten Platz im Rennen um den nationalen Titel folgte Mona Stockhecke (LTH Marathon Hamburg/2:33:54 Stunden), die ihre Bestzeit nur um vier Sekunden verpasste. Dritte wurde Steffi Volke (LG Telis Finanz Regensburg) mit 2:41:47 Stunden.

Ergebnisse des Frankfurt-Marathons

Männer
1. Sisay Lemma ETH 2:06:26
2. Lani Rutto KEN 2:06:34
3. Alfers Lagat KEN 2:06:48
4. Arne Gabius GER 2:08:33
5. Suleiman Simotwo KEN 2:08:49
6. John Kemboi Cheruiyot KEN 2:08:56
7. Estifanos Tewelde ERI 2:09:16
8. Raymond Chemungor KEN 2:10:06
9. Henry Chirchir KEN 2:10:22
10. Micah Kogo KEN 2:10:24
 
Frauen
1. Gulume Tollesa Chala ETH 2:23:12
2. Dinknesh Mekash Tefera ETH 2:23:12
3. Koren Jelela Yal ETH 2:23:52
4. Sardana Trofimova RUS 2:24:38
5. Meseret Tolwak ETH 2:27:17
6. Lisa Hahner GER 2:28:39
7. Meseret Mengistu Biru ETH 2:28:58
8. Agnes Mutune KEN 2:30:13
9. Risper Gesabwa KEN 2:30:49
10. Andrea Mayr AUT 2:33:28

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