Gelungene Überraschung

Anna Incerti läuft in die Herzen der Italiener

Italiens Marathon-Hoffnung Anna Incerti bezwingt beim Mailand-Marathon in 2:27:42 Favoritin Chepchumba.

Mailand Marathon 2008

Anna Incerti jubelt beim Zieleinlauf in Mailand.

Mit einem erwarteten und einem überraschenden Sieg endete der 9. Samsung Mailand-Marathon am Sonntag. Duncan Kibet und Anna Incerti sind die Gewinner des Rennens, bei dem die Rekordzahl von 5.875 Läufern aus 61 Nationen am Start war. Der 30-jährige Kenianer brach dabei den Streckenrekord: Nach 2:07:53 Stunden stürmte er ins Ziel auf dem eindrucksvollen Piazza Castello im Zentrum der Stadt. Elias Chelimo und Leonard Mucheru belegten mit 2:08:39 beziehungsweise 2:10:05 die nächsten Plätze, Vierter wurde Rachid Kisri (Marokko) mit 2:11:53. Oleksandr Kuzin (Ukraine) war als Achter in 2:13:43 bester Europäer.

Das Rennen hat seine Position als schnellster italienischer Männer-Marathon einmal mehr verteidigt. Trotz des eiskalten Wetters mit Temperaturen von knapp über dem Gefrierpunkt beim Start stellten die drei erstplatzierten Kenianer auf der schnellen Mailänder Strecke jeweils persönliche Rekorde auf.

Im Gegensatz zu Kibets Sieg kam der Erfolg von Anna Incerti völlig unerwartet. Die 28-jährige Italienerin stellte mit 2:27:42 Stunden nicht nur eine flotte persönliche Bestzeit auf sondern sie bezwang auch die große Favoritin Pamela Chepchumba. Die Vorjahressiegerin aus Kenia wurde Zweite in 2:28:34. Rang drei belegte Merima Denboba (Äthiopien) mit 2:29:57. Zum ersten Mal seit der Premiere des Rennens gab es in Mailand damit einen italienischen Sieg. Im Jahr 2000 hatte Lucilla Andreucci ebenfalls das Frauen-Rennen gewonnen. Anna Incerti galt allerdings schon vor ihrem Mailand-Start als die kommende italienische Marathon-Hoffnung. Bei Olympia hatte sie als 14. eine beachtliche Platzierung erreicht. Dabei erreichte sie in Peking trotz der schweren Bedingungen auch eine persönliche Bestzeit von 2:30:55 Stunden – Anna Incerti war die einzige Marathonläuferin der Top 30 bei Olympia, der das gelang. Eine Zeit unter 2:30 Stunden hatte sie sich in Mailand vorgenommen.

Bei den Männern erreichte eine Gruppe von sechs Läufern die Halbmarathonmarke nach 64:02 Minuten. Hinter den beiden Tempomachern Elijah Keitani und Benson Cherono (Mailands bisheriger Streckenrekordler, der sich auf den Dubai-Marathon vorbereitet) rannten Duncan Kibet, Leonard Mucheru und Elias Chelimo (alle Kenia) sowie Rachid Kisri (Marokko). Bei Kilometer 30 (1:31:26) verlor zunächst Kisri Kontakt, dann stiegen die Tempomacher aus, so dass Kibet, Chelimo und Mucheru an der Spitze lagen – die drei kennen sich gut, denn sie gehören zur Management-Gruppe von Dr. Gabriele Rosa und seinem Sohn Federico. Mucheru konnte als erster nicht mehr mithalten. Der Kenianer hatte Pech, denn er bekam ein Zehenproblem während des Rennens. Dabei verlor er einen Zehnagel und lief mit Schmerzen. Dennoch erreichte Mucheru sein Ziel mit Platz drei und einer Bestzeit von 2:10:05.

Der Wind war in der Phase zwischen 25 bis gut 30 km besonders störend, so dass hier das Tempo langsamer war als zuvor. Aber sechs Kilometer vor dem Ziel ergriff dann Duncan Kibet mit einer deutlichen Tempoverschärfung die Initiative. Mit Kilometerzeiten von klar unter 3:00 Minuten – den 37. km rannte er in 2:52 – entschied er das Rennen zu seinen Gunsten. Aufgrund der enormen Pace auf den letzten Kilometern gelang es Duncan Kibet den Streckenrekord, der bei 35 km noch außer Reichweite schien, um fünf Sekunden zu unterbieten. „Ich bin froh, dass ich gewonnen habe und Kursrekord gelaufen bin. Ich glaube, ich habe das Potenzial, zukünftig noch schneller zu laufen“, sagte Duncan Kibet. „Bei Kilometer 28 spürte ich ein leichtes Problem in der Oberschenkelmuskulatur, deswegen habe ich danach das Tempo nicht forciert und mich etwas zurückgehalten. Zum Glück wurde es dann besser, so dass ich am Ende schneller laufen konnte.“ Vor seinem Sieg in Mailand war Duncan Kibet erst einmal Marathon gelaufen. In Wien – bei im Gegensatz zu Mailand sehr hohen Temperaturen – erreichte er im April als Zweiter auf Anhieb 2:08:33 Stunden.

Ganz anders lief das Frauenrennen in Mailand, denn hier hielt sich Anna Incerti zunächst zurück. Sie wählte ein langsameres Tempo als die beiden Führenden: Allerdings lief auch Pamela Chepchumba nicht so schnell wie erwartet, so dass Merima Denboba ihr folgte. An der Halbmarathonmarke betrug der Vorsprung der beiden Führenden auf Anna Incerti nur zwölf Sekunden. Chepchumba und Denboba hatten diesen Punkt nach 1:14:01 Stunden erreicht. Angefeuert vom Publikum schloss Anna Incerti bei Kilometer 23 zur Spitze auf. „Ich habe bemerkt, dass sie langsamer wurde und dachte, dass ich vielleicht eine Chance haben würde“, erklärte Anna Incerti. Nachdem zunächst Denboba zurückgefallen war, fiel die Entscheidung kurz vor Kilometer 40. Hier löste sich die Italienerin von Kenias Favoritin. Den Sieg in Mailand mit ihrer ersten Zeit unter 2:30 Stunden wertete Anna Incerti als größten Erfolg ihrer Karriere. „Ich hätte vorher nie gedacht, dass ich hier Pamela Chepchumba schlagen könnte“, erklärte die Italienerin, die ebenso wie Duncan Kibet 20.000 Euro Sieggeld erhielt. „Es ist mir schwer gefallen im Wind zu laufen und bei Kilometer 39 bekam ich Probleme“, erklärte Pamela Chepchumba, warum sie sich geschlagen geben musste und es nichts wurde mit dem Angriff auf den Streckenrekord.

Text: race-news-service.com
Fotos: www.photorun.net