Lauflabor

Anfänger ohne Knieprobleme trotz hartem Marathontraining

Anfänger können eine relativ hohe Laufbelastung, selbst ein Marathon-Training, ohne messbare Auswirkungen auf ihre Knie absolvieren.

Marathontraining verursacht auch bei Anfängern keine Knieschmerzen

Auch Laufanfänger können einen Marathon schaffen, ohne dass ein erhöhtes Risiko für Kniebeschwerden besteht.

Bild: Norbert Wilhelmi

So ziemlich jede Studie, die das Thema „Läufer und Knieprobleme“ untersuchte, ob nun jahrzehntelange Längsschnitt- oder punktuelle Querschnittstudien, bestätigte, dass für Läufer kein erhöhtes Arthrose-Risiko in den Knien, sondern vielleicht sogar eine geringere Gefahr (wahrscheinlich durch die Rolle des Laufens bei der Gewichtsabnahme) besteht. Ich habe darüber oft geschrieben und die Beweise sind größtenteils unumstößlich.

Aber es gibt eine Lücke in der Beweiskette und zwar in Bezug auf die Selbstauswahl der Läufer. Jede Studie, die langjährige Läufer untersuchte, warf damit zwangsläufig einen Blick auf Menschen, die ohnehin die Erfahrung gemacht hatten, dass ihre Knie für das Laufen geeignet waren, sonst hätten sie damit schon längst aufgehört. Aber, was wäre, wenn man eine zufällige Auswahl an Menschen von der Straße nähme und sie „zwingen“ würde, regelmäßig zu laufen? Gibt es Menschen, bei denen das Laufen wirklich Probleme verursachen würde? Dies ist eine berechtigte Frage.

Eine interessante Studie, die gerade in der Zeitschrift Knee Surgery, Sports Traumatology, Arthroscopy veröffentlicht wurde, befasst sich teilweise mit diesem Thema. Sie untersuchte eine Gruppe von zehn Laufanfängern, die ein überwachtes sechsmonatiges Trainingsprogramm absolvierten, welches mit einem vollen Marathonlauf abgeschlossen wurde. Vor und nach dem Programm wurde bei den Teilnehmern anhand der hochempfindlichen MRI 3D-Analyse das Volumen und die Dichte des Knorpels an verschiedenen Stellen im Knie gemessen. Der Läufertyp, der im Allgemeinen als besonders gefährdet gilt, ist jemand mit geringem Trainingshintergrund, der sich nur kurz darauf vorbereitet, eine längere Strecke wie einen Marathonlauf zu bewältigen. Die Studie gibt nicht viele Trainingsdetails preis, allerdings liefen die Probanden zum Schluss zwischen 25 und 60 km pro Woche.

Die Grafik zeigt die aus dem Lauftraining resultierenden Veränderungen (Follow-up) des ursprünglichen (Baseline) Knorpel-Volumens an verschiedenen Positionen im Knie.

Bild: runnersworld.com

Die einzige Änderung, die eine statistische Signifikanz erreichte, war eine 3,2-%-Abnahme am seitlichen Oberschenkelknochen (dem lateralen Femur, gekennzeichnet in der eingebetteten Grafik durch ein *). Andererseits kann man auch erkennen, dass das Knorpel-Volumen im mittleren Oberschenkelknochen (medialer Femur) ein bisschen (um 2,4 %) zugenommen hat. In beiden Fällen waren diese Veränderungen sogar kleiner als die Abweichungen im Test-Retest, welcher die Präzision der Messtechnik überprüft. Daraus schlussfolgerten die Forscher, dass keine tatsächlichen, klinisch signifikanten Veränderungen vorlagen. Gleiche Ergebnisse ergaben sich in Bezug auf die Knorpel-Dichte.

Interessanterweise stellten frühere Studien, die den Knorpel direkt nach dem Laufen untersuchten, viel größere Veränderungen fest. Vermutlich, weil zu diesem Zeitpunkt die Flüssigkeit vorübergehend aus dem Knie herausgepresst war. Aber der Knorpel normalisiert sich nach ein bis zwei Stunden wieder - eine Erinnerung daran, dass er ein dynamisches, lebendes Gewebe ist und nicht nur ein mechanischer Stoßdämpfer. Tatsächlich fanden die Forscher heraus, dass eine längere Inaktivität des Knorpelgewebes definitiv zur Ausdünnung führt. Somit erscheint eine regelmäßige Druckbelastung sogar unerlässlich zur Erhaltung eines gesunden Knorpels. Einige Wissenschaftler vermuten, dass die regelmäßige, durch das Laufen verursachte Belastung die Knorpel-Dichte mit der Zeit (als eine adaptive Reaktion) erhöhen könnte. Aber dafür gibt es hier keine Beweise.

Alle Probanden in dieser Studie waren so gesund, um mit dem Laufen anzufangen, und sie hatten keine Vorgeschichte mit Knieproblemen. Daher sagt uns diese Studie nichts über die Auswirkungen des Laufens auf die Gelenke von Menschen mit einem „schlechten Knie“, das entweder durch eine unvorteilhafte Biomechanik oder frühere akute Verletzungen verursacht wurde. Da ungefähr 99 % der Menschen, die ich je getroffen habe, bei sich selbst schon mal ein „schlechtes Knie“ diagnostiziert haben, ist dies sicher eine Frage, die noch näher betrachtet werden muss. Schlussendlich aber unterstützt die Studie eine Sache auf jeden Fall und zwar, dass sogar Anfänger eine relativ hohe Laufbelastung ohne messbare Auswirkungen auf ihre Knie absolvieren können.

Blog aus der Trainingswissenschaf:

Weniger Energieverbrauch bei Fers...