Männer-Marathon bei der LA-EM in Zürich

André Pollmächer überzeugt auf starkem achten Platz

Daniele Meucci gewann den Marathon bei der Leichtathletik-Europameisterschaft in Zürich in 2:11:08 Stunden. André Pollmächer lief auf einen starken achten Platz vor.

Daniele Meucci gewinnt den EM-Marathon.

André Pollmächer lief als Achter das beste Marathonrennen seiner Karriere.

Bild: photorun.net

Daniele Meucci ist der neue Marathon-Europameister. Der 28-jährige Italiener gewann das Rennen in Zürich in 2:11:08 Stunden. Meucci absolvierte in der Schweiz einen beachtlichen Doppelstart, denn er war vier Tage zuvor bereits Sechster im 10.000-m-Finale. Die Silbermedaille sicherte sich Yared Shegumo (Polen) in 2:12:00, Dritter wurde Aleksey Reunkov (Russland) mit 2:12:15. Ein starkes Rennen lief André Pollmächer. Der 31-Jährige, der für den Rhein-Marathon Düsseldorf startet, lief durchweg sein eigenes Tempo, machte auf den letzten 10 Kilometern etliche Plätze gut und wurde am Ende Achter in 2:14:51. Das ist die beste Platzierung eines deutschen Läufers in einem EM-Marathon der Männer seit 1986. Damals gewann Herbert Steffny in Stuttgart die Bronzemedaille vor Ralf Salzmann. André Pollmächer war der einzige deutsche Läufer im Züricher EM-Feld.

Ein Pole stand lange Zeit im Blickpunkt bei dem Rennen über die 42,195 km, das bei sonnigem Wetter und warmen Temperaturen von teilweise über 20 Grad Celsius stattfand: Marcin Chabowski hatte sich bereits nach rund neun Kilometern vom Feld abgesetzt und erlief einen großen Vorsprung. Der 28-Jährige, der 2012 in Düsseldorf als Vierter mit 2:10:07 Stunden seine Bestzeit aufstellte, erreichte die Halbmarathonmarke nach 64:45 Minuten und lag damit schon fast eine Minute vor der großen Verfolgergruppe. Nach 25 km war er sogar 70 Sekunden voraus.

Doch in dieser Phase begann die Verfolgergruppe zu reagieren. Es war der Schweizer Titelverteidiger Viktor Röthlin, der vor heimischem Publikum das letzte große Rennen seiner Karriere lief, der das Tempo verschärfte. Nach und nach fiel die Verfolgergruppe auseinander, während der Vorsprung von Chabowski bei steigenden Temperaturen schmolz. Die Zuschauer hofften natürlich, dass einer der beiden Schweizer in der Gruppe – neben Röthlin lief Tadesse Abraham, der aus Eritrea stammt, aber bereits seit zehn Jahren in der Schweiz lebt – ganz nach vorne laufen könnte. Doch es kam anders. Vor der 30-km-Marke fiel Abraham, der mit einer Bestzeit von 2:07:45 zu den großen Favoriten zählte, zurück, und kurz darauf konnte auch Röthlin das Tempo nicht mehr halten. Es war Daniele Meucci, der sich absetzte und immer dichter an den führenden Chabowski herankam. Der Italiener, der zuletzt bei den Europameisterschaften Medaillen über 10.000 m gewonnen hatte (Bronze 2010 sowie Silber 2012) und erst wenige Marathonrennen gelaufen war, überholte den Polen kurz vor der 35-km-Marke. Chabowski war stark eingebrochen, litt unter Seitenstechen und gab bald darauf auf.

Während Meucci, der im vergangenen November in New York als Zehnter mit 2:12:03 seine bisherige Bestzeit aufgestellt hatte, zum größten Sieg seiner Karriere und einem persönlichen Rekord von 2:11:08 lief, sicherte sich ein anderer Pole die Silbermedaille: Der aus Äthiopien stammende Yared Shegumo war nach 2:12:00 im Ziel. Von Platz sechs auf Rang drei lief auf den letzten sieben Kilometern der Russe Aleksey Reunkov, der in 2:12:15 Bronze gewann.

„Es war eine schwierige Strecke, und in der letzten Runde war ich sehr müde. Aber ich habe immer an mich geglaubt. Wir arbeiten in Italien daran, weiter Marathon-Geschichte zu schreiben. Dies ist erst mein viertes Rennen über diese Distanz gewesen“, sagte Daniele Meucci, der das 10.000-m-Rennen vier Tage zuvor „lediglich zur Auflockerung“ gerannt ist. Zum fünften Mal hat ein Italiener den EM-Marathon der Männer gewonnen. Jeweils zweimal triumphierten zuvor Gelindo Bordin (1996 und 1990) sowie Stefano Baldini (1998 und 2006), die jeweils auch Marathon-Olympiasieger waren.

Hinter dem viertplatzierten Javier Guerra (Spanien/2:12:32) folgte der umjubelte Viktor Röthlin in 2:13:07. Abdellatif Meftah (Frankreich/2:13:16) und Ruggero Pertile (Italien/2:14:18) kamen auf die Plätze sechs und sieben. Für die Schweizer gab es am Ende doch noch eine Medaille: In der Team-Wertung belegten Röthlin, Abraham (Neunter in 2:15:05) und Christian Kreienbühl (23. in 2:18:36) Rang drei hinter Russland und Frankreich. „Mein fünfter Platz war heute für mich das Maximum was möglich war. Es ist wunderbar, dass wir mit dem Team eine Bronzemedaille gewonnen haben, und es war toll für mich, dass ich meinen letzten Marathon in meinem Heimatland laufen konnte“, sagte Viktor Röthlin.

Starker André Pollmächer

André Pollmächer zeigte zum dritten Mal in Folge eine starke Marathonleistung. Vor knapp einem Jahr hatte er sich beim Berlin-Marathon mit einer Bestzeit von 2:13:05 Stunden zurückgemeldet, im April erreichte er bei Dauerregen in Düsseldorf 2:13:59. Doch sein Züricher EM-Rennen vom Sonntagmorgen ist noch stärker einzuschätzen. Platz acht bei einer Meisterschaft in 2:14:51 Stunden – dieses Resultat macht Hoffnung für die Zukunft. Noch bei Kilometer 30 lag André Pollmächer, der die Halbmarathonmarke zuvor in 66:40 Minuten passiert hatte, auf Rang 18. Bis zum Ziel machte er noch zehn Plätze gut.

„Ich bin gleichmäßig gelaufen und habe auf diese Weise viele Plätze aufholen können. In der ersten Runde war ich in der großen Führungsgruppe. Das hat mir geholfen, gut ins Tempo reinzukommen. Ich habe lange nicht gewusst, dass ich so weit vorne liege“, sagte André Pollmächer und fügte hinzu: „Ich bin so froh und happy, dass sich alles ausgezahlt hat. Ich habe alles auf eine Karte gesetzt mit dem EM-Start und der Vorbereitung. Dazu gehören vier Wochen Trainingslager in St. Moritz, die etwas kosten. Ich hoffe, dass jetzt auch bei den Förderungen etwas passiert.”