Prag-Marathon 2012

Agnes Kiprop siegt nach Typhus-Erkrankung in Prag

9.000 Läufer aus 92 Nationen starteten beim Prag-Marathon 2012. Agnes Kiprop, die vor 4 Wochen noch an einer Typhus-Erkrankung litt, gewann das Frauenrennen (Kenia/2:25:41 Stunden).

Prag-Marathon 2012 Bilder

Der Äthiopier Deressa Chimsa und die Kenianerin Agnes Kiprop haben am Sonntag jeweils mit deutlichem Vorsprung den Prag-Marathon gewonnen. Chimsa, der mit einer persönlichen Bestzeit von 2:05:42 Stunden der schnellste Läufer auf der Startliste war, lief nach 2:06:25 Stunden ins Ziel. Damit erreichte der 35-Jährige die zweitschnellste Zeit in der Geschichte des Prag-Marathons. Nur der Kenianer Eliud Kiptanui war vor zwei Jahren bei seinem Streckenrekord mit 2:05:39 noch schneller. Bei guten Wetterbedingungen mit Temperaturen von 10 Grad Celsius zur Startzeit belegte Stephen Tum (Kenia) Rang zwei in 2:07:17. Dritter wurde bei seinem Marathondebüt Philemon Limo. Der Kenianer lief 2:09:25, gefolgt von seinem Landsmann Francis Bowen (2:10:05). RUNNER'S WORLD-Redakteur Urs Weber war in Prag vor Ort. Seine schönsten Fotos finden Sie in unserer Bildergalerie über diesem Absatz.

Agnes Kiprop, die vor vier Wochen beim Boston-Marathon wegen einer Typhus-Erkankung aussteigen musste, auf dem Weg zum Sieg des Prag-Marathons 2012.

Bild: Urs Weber

Die 32-jährige Agnes Kiprop hatte mit einer Siegzeit von 2:25:41 Stunden über eine Minute Vorsprung auf ihre kenianische Landsfrau Flomena Chepchirchir (2:26:50). Rang drei belegte Meseret Debele in 2:27:15, Vierte wurde Salem Ait (Algerien/2:27:21). Kiprop war beim Boston-Marathon vor knapp vier Wochen vorzeitig aus dem Rennen gegangen. Wie sich später herausstellte, litt sie unter einer Typhus-Erkrankung. Am Sonntag meldete sie sich nun eindrucksvoll zurück. Rund 9.000 Läufer aus 92 Nationen gingen beim Prag-Marathon an den Start.

Nachdem eine elfköpfige Spitzengruppe die Halbmarathonmarke in sehr schnellen 62:54 Minuten passiert hatte, setzte sich Deressa Chimsa relativ frühzeitig ab. Schon 15 Kilometer vor dem Ziel war Äthiopier alleine an der Spitze. Seine 30-km-Zwischenzeit von 1:29:36 lag immer noch im Bereich für eine Endzeit von unter 2:06 Stunden. Auf den letzten zehn Kilometern verlor Deressa Chimsa, der seine Bestzeit erst im Januar in Dubai aufgestellt hatte, aber etwas an Tempo, baute jedoch zugleich seinen Vorsprung aus. „Ich wusste, dass ich in sehr guter Form war, denn mein Training lief ohne Probleme. Deswegen war ich zuversichtlich“, erklärte Deressa Chimsa.

Ein ganz anderes Rennen hatte sich bei den Frauen entwickelt. Hier übernahm die Titelverteidigerin und große Favoritin, Lydia Cheromei, vom Start weg die Initiative und erlief einen großen Vorsprung. Ihre Zwischenzeiten von 32:46 Minuten (10 km) und 69:21 (Halbmarathon) deuteten auf eine Endzeit von gut unter 2:20 Stunden hin. An der 30-km-Marke war sie mit 1:40:18 zumindest noch auf Kurs für einen Streckenrekord, den sie selbst vor einem Jahr mit 2:22:34 aufgestellt hatte. Zu diesem Zeitpunkt hatte Lydia Cheromei (Bestzeit: 2:21:30) immer noch einen komfortablen Vorsprung von 1:14 Minuten auf Agnes Kiprop. Doch dann bekam die Titelverteidigerin große Probleme und Schmerzen in einem Bein. Nach 38 km wurde sie von Agnes Kiprop eingeholt, bei Kilometer 40 ging Lydia Cheromei schließlich aus dem Rennen.

„Ich war die ganze Zeit davon ausgegangen, dass Lydia gewinnen würde. Deswegen war ich überrascht, als ich plötzlich zu ihr auflief. Sie sagte, sie habe Probleme mit einem Bein“, erklärte Agnes Kiprop, die sich im vergangenen Jahr mit einem zweiten Platz beim Frankfurt-Marathon auf 2:23:54 gesteigert hatte. 2009 hatte sie sowohl den Frankfurt- als auch den Turin-Marathon gewonnen. „Als ich im April in Boston war, fühlte ich mich nicht gut. Aber dann wurde ich in Kenia gut behandelt“, erzählte Agnes Kiprop über ihre Typhus-Erkrankung. „Ich freue mich sehr über diesen Sieg, aber zugleich tut es mir leid für meine Freundin Lydia. Denn ich weiß, dass sie bereit war für ein sehr gutes Rennen.“

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