Lauf für Unicef

Äthiopischer Sieg beim Genf-Marathon 2012

6.900 Läufer starteten beim Genf-Marathon 2012 - das ist ein Teilnehmerplus von 21 Prozent. Zewou Asfaw Tewodros und Yuliya Vinokurova siegten.

Genf-Marathon 2012

6.900 Läufer starteten insgesamt über die vier Distanzen des Genf-Marathons 2012.

Bild: Manu Molle

Der Genf-Marathon 2012 begann mit grauen Wolken und endete mit Sonnenschein, als der Äthiopier Zewou Asfaw Tewodros nach 2:19:25 Stunden als Sieger in den Jardin Anglais einlief. Wegen des kräftigen Windes lagen Rekorde am Sonntag außer Reichweite. Dennoch freute sich Tewodros überschwänglich über seinen ersten Sieg beim Genf-Marathon: „Ich bin sehr glücklich, dass ich gewonnen habe! Die Strecke ist sehr schön und das Wetter war auch gut. Ich lief mit meinen Freunden zusammen, nicht sehr schnell, aber locker. Wir hatten einander immer im Blick und konnten daher immer beobachten, ob die anderen noch gut drauf waren oder schon müde wurden. Bei Kilometer 41 konnte ich erkennen, dass Terefa müde wurde und entschloss mich, anzugreifen. Eigentlich wollte ich schon bei Kilometer 38 attackieren. Aber da schien er noch frisch zu sein und es wäre für mich zu gefährlich gewesen, also habe ich noch gewartet.“

Tewodros’ Geduld und sein gutes Urteilsvermögen sollten sich auszahlen: Im Ziel lag er 26 Sekunden vor seinem Landsmann Terefe Seifu (2:19:51). Der ebenfalls aus Äthiopien stammende Vorjahressieger Hailu Begashaw folgte als Dritter nach 2:25:12. Die drei Äthiopier hatten das Rennen vom Start an dominiert. Zewou und Terefe liefen nach der Hälfte der Strecke noch Seite an Seite, Hailu lag weniger als zwei Minuten zurück. Entlang der 42,195 km langen Strecke feuerten zahlreiche Fans die 1.300 Läufer an. „Für mich war es heute sehr schwierig, da ich erst vor zwei Wochen in Zürich gelaufen bin“, sagte Hailu Begashaw, „ich hatte muskuläre Probleme und konnte keinen Druck machen. Aber die Menschen an der Strecke waren großartig, sie haben uns toll unterstützt und ich möchte mich bei Ihnen bedanken.“ Die Hoffnungen des Kenianers Kipchumba Hillary, den Rekord brechen zu können, erfüllten sich heute nicht: Er wurde Vierter.

Den Frauen-Marathon gewann in beeindruckender Manier die Russin Yuliya Vinokurova mit einer Zeit von 2:44:29 Stunden vor der Griechin Andriana Domvrou (3:03:38). Als Dritte folgte die Portugiesin Nisa Camela.

Die schnellen äthiopischen Läufer Terefe Seifu, Tewodros Zewdu und Hailu Begashaw beherrschten das Rennen in Genf.

Bild: Manu Molle

Am Halbmarathon nahmen fast 4.000 Läufer teil. Er brachte die knappste Entscheidung der Männer-Wettbewerbe. Den meisten Applaus bekam der örtliche Läufer Medhi Khelifi (Tunesien), der nach 21,097 Kilometern und einer Zeit von 1:07:40 Stunden als erster die Ziellinie überlief. Zehn Sekunden nach ihm folgte Wadajo Alemhyew aus Äthiopien.

Über seinen Halbmarathon-Sieg zeigte sich Mehdi Khelifi etwas erstaunt: „Es war sehr windig, aber da ich den ganzen Winter in der Höhe trainiert habe, fiel es mir leicht. Es hat mich überrascht, dass die Äthiopier von vorne nicht stärker gezogen haben. Ich durfte heute nicht zu sehr forcieren, da ich in der nächsten Woche an den tunesischen Halbmarathon-Meisterschaften teilnehmen werde.“

Bei den Frauen setzte sich auf dieser Strecke die Favoritin Aline Camboulives (Frankreich) durch, die das Ziel fünf Minuten vor Tenke Soltani aus der Schweiz erreichte.

Aline Camboulives beurteilte ihren Lauf kritisch: „Ich bin zu schnell gestartet und die ersten 10 Kilometer in 35 Minuten gelaufen. Das war schneller als mein Rekord bei den französischen Meisterschaften. Aber dann musste mir die Kraft einteilen, um nicht in den roten Bereich zu kommen. Fünf Kilometer vor dem Ziel habe ich gespürt, wie meine Beine müde wurden. Der Rückweg war hart, es war windig. Aber ich habe meinen persönlichen Rekord verbessert und bin daher sehr zufrieden.“

Die achte Auflage des Genf-Marathons ist damit am Sonntag erfolgreich zu Ende gegangen. Vier Läufe wurden ausgetragen: ein Marathon, ein Halbmarathon, La Genevoise (5 km für Frauen) sowie die Nachwuchs-Rennen. Es war ein Wochenende der Leistungen und des Feierns für Tausende von Läufern: vom jüngsten Teilnehmer, dem sechsjährigen Artur Minor, bis zum ältesten Läufer, dem 79 Jahre alten Jacques Rey. Die Familie Rudiak aus Kanada wurde vertreten durch Don Rudiak, seine Tochter und seinen Bruder, die zum ersten Mal gemeinsam bei einem Marathon antraten. Wieder mit dabei war auch Thierry Charpiot als einer von 55 Läufern, die seit 2005 bei jeder Ausgabe dieses Rennens dabei waren.

Genf-Marathon 2012

Bild: Manu Molle

Durch zehn Orte im Genfer Umland verlief die Strecke.

Unter dem Motto «courir pour aider – Rennen, um zu helfen» starteten die Teilnehmer. Ein Teil der Einschreibgebühr (5 % von Frauenlauf, Halb- und Vollmarathon; 100 % der Kinderrennen) geht an die humanitäre Organisation UNICEF, die seit 2010 Partnerin des Genf-Marathons ist. Insgesamt kam 2012 eine Summe von mindestens 50.000 Schweizer Franken für UNICEF zusammen.

Mit 6.900 Läufern konnte der Genf-Marathon 2012 einen Teilnehmerrekord verzeichnen. Im Vergleich zu 2011 nahmen 21 Prozent mehr Läufer teil. Die Beliebtheit des Genf-Marathons spiegelt sich nicht nur in der gestiegenen Teilnehmerzahl wieder. Seine wachsende internationale Ausstrahlung beweist er mit 132 vertretenen Nationalitäten und einem Anteil von 32 Prozent ausländischer Läufer. 60.000 Zuschauer besuchten das bislang größte Marathon-Dorf im Jardin Anglais („Englischer Garten“) am Ufer des Genfer Sees direkt an der Marathon-Laufstrecke, die durch zehn benachbarte Orte verlief, bevor sie zum Finale zurück an das Seeufer und durch die Stadt Genf führte.

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