Marathon Hamburg

11.185 Finisher und ein äthiopischer Doppelsieg

Einen äthiopischen Doppelsieg gab es beim Marathon Hamburg bei schwül-warmen Temperaturen. Stefan Koch und Steffi Volke heißen die neuen deutschen Meister.

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Marathon Hamburg 2011

Sieger Gudisa Shentema mit seiner Landsfrau Fatuma Sado Dergo, die die Frauenwertung für sich entscheiden konnte.

Bild: Claus Dahms

Einen äthiopischen Doppelsieg gab es beim Hamburg-Marathon bei schwül-warmen Temperaturen. Topzeiten waren bei diesen Bedingungen nicht möglich. Während Gudisa Shentema in 2:11:03 Stunden gewann, setzte sich bei den Frauen die Debütantin Fatuma Sado Dergo in beachtlichen 2:28:30 durch. Zum ersten Mal in der Geschichte des Hamburg-Marathons, die 1986 begann, gab es einen äthiopischen Doppelsieg. Die integrierte Deutsche Meisterschaft entschieden Stefan Koch (LG Braunschweig / 2:20:39) und Steffi Volke (LG Telis Finanz Regensburg / 2:51:18) für sich.

Der zweitgrößte deutsche Marathon verzeichnete 16.117 Anmeldungen, 12.281 Läufer starteten tatsächlich. Nur 11.185 erreichten das Ziel, seit 1999 hatten die Finisherzahlen immer höher gelegen.

Hamburg Marathon aus Läufersicht: 104 Fotos

Stefan Koch bei km 24.

Bild: Claus Dahms

Im Männerrennen hatten die Veranstalter im Vorfeld auf die Neuauflage des Duells zwischen den Kenianern Rodgers Rop und Wilfred Kigen gesetzt. 2007 hatte Rop in 2:07:32 Stunden mit nur einer Sekunde Vorsprung vor Kigen gewonnen. Doch zu einem Duell kam es am Sonntag nie. Rop hatte bereits nach 10 Kilometern einen Rückstand von knapp zwei Minuten auf die Spitzengruppe und stieg bald darauf aus. Der Kenianer, der einst die Marathon-Klassiker in Boston und New York gewonnen hatte, ist weit weg von seiner ursprünglichen Topform. Auch Kigen kam in Hamburg nicht ins Ziel. An der Halbmarathonmarke lief der Vorjahressieger des Rennens noch in einer 13-köpfigen Spitzengruppe, die diesen Punkt in 65:03 Minuten erreichte. Doch nach 30 km hatte er gut eine Minute Rückstand und beendete den Marathon danach vorzeitig.

Bei den steigenden Temperaturen wurde das Rennen in der zweiten Hälfte langsamer. Als eine achtköpfige Spitzengruppe den 30-km-Punkt nach 1:33:06 Stunden passierte, war eine Zeit unter 2:10 praktisch schon außer Reichweite. In der Folge dezimierte sich die Gruppe immer weiter und schließlich entstand ein Zweikampf zwischen Gudisa Shentema und Kipkemboi Kipsang (Kenia). Erst auf den letzten zwei Kilometern fiel die Entscheidung zugunsten des Äthiopiers, der das Tempo in dieser Phase noch einmal forcieren konnte. Der 30-Jährige, der vor zwei Wochen beim Prag-Marathon aufgegeben hatte und nun in einem zweiten Anlauf in Hamburg erfolgreich war, gewann schließlich mit 15 Sekunden Vorsprung vor Kipsang (2:11:18). Shentema, der eine Marathon-Bestzeit von 2:07:34 vorweisen kann und in Hamburg seinen größten Sieg über die 42,195 km feierte, hatte in der Vergangenheit schon einige gute Platzierungen erreicht. So war er 2006 beim Berlin-Marathon Zweiter. Rang drei belegte in Hamburg Johnstone Maiyo (Kenia/2:11:27), gefolgt vom aus Kenia stammenden Bellor Yator (Katar/2:11:30).

Mit Stefan Koch setzte sich im Rennen um den deutschen Meistertitel der Favorit durch. Doch der 26-Jährige quälte sich am Ende bei den hohen Temperaturen. Nach einer Halbmarathon-Durchgangszeit von 68:18 Minuten wurde auch er deutlich langsamer und musste bei Kilometer 40 sogar eine kurze Gehpause einlegen, bevor er sich doch noch als Achter des Gesamtklassements ins Ziel schleppte. „Ich hatte schon nach 16 km Seitenstechen. Dann wurde es wieder besser, doch bei Kilometer 34 begannen die Probleme und bei 40 ging gar nichts mehr. Mein Körper wollte nicht mehr“, sagte Stefan Koch in einer ersten Stellungnahme im NDR-Fernsehen und fügte hinzu: „Ich bin froh, dass ich trotzdem Deutscher Meister geworden bin.“ Nachdem die Titelverteidigerin Bernadette Pichlmaier (LAG Mittlere Isar) verletzungsbedingt nicht hatte starten können, sicherte sich Steffi Volke den Titel. 2:51:18 Stunden reichten ihr zum nationalen Sieg und zu Platz elf in der Gesamtwertung.

Marathon Hamburg 2011

Bild: Claus Dahms

Wie in jedem Jahr feuerten auch diesmal hunderttausende Zuschauer die Läufer mächtig an.

Fast 23 Minuten vor der Deutschen Meisterin hatte eine Debütantin den Hamburg-Marathon für sich entschieden: Die erst 19-jährige Fatuma Sado Dergo lief, geführt von einem Tempomacher, als einzige eine Zeit von unter 2:30 Stunden (2:28:30). Die Halbmarathonmarke hatte sie gemeinsam mit Rose Kosgei (Kenia) und Halima Hassen Beriso (Äthiopien) in 1:12:42 erreicht. In der Folge verloren zunächst die Kenianerin, die bis auf Rang sechs zurückfallen sollte, und dann auch die Äthiopierin den Kontakt zu Fatuma Sado Dergo, die sich in diesem Jahr im Halbmarathon auf 69:02 Minuten verbessert hatte. Hinter Dergo wurde Beriso mit 2:32:42 Zweite. Joyce Kandie (Kenia) belegte in 2:33:05 Rang drei.