Porträt

„Vielleicht bin ich Nummer 10!“

Haile Gebrselassie ist in seiner Heimat Volksheld und Vorbild zugleich. Er verrät, wer für ihn die größten Langstreckenläufer aller Zeiten sind.

Haile Gebrselassie

Haile Gebrselassie beim Training in Addis Abeba.

Bild: photorun.net

Warum Haile Gebrselassie zum Volksheld und Vorbild für Äthiopien geworden ist, kann man nirgends so verstehen wie dort. Es ist ein Haile abseits von Mikrophonen und Fernsehkameras, aber er ist genauso freundlich und zuvorkommend, wie in der Öffentlichkeit. In Bahir Dar im Norden Äthiopiens besuchen 1200 Kinder und Jugendliche die vor zehn Jahren mit anfangs 40 Kindern gegründete „ADM-Schule“, benannt nach Hailes früh verstorbener Mutter Ayelech Degefu, deren Initialen sich im Namen wiederfinden. Als Haile zu Besuch kommt, stehen alle versammelt und er wird mit einer Choreographie aus Liedern, Sprechchören und Lautsprecherdurchsagen lautstark empfangen. Er schüttelt Hände und streichelt Köpfe mit strahlenden Augen. Mit dem Direktor bespricht er die nächste Erweiterung der Schule. Den Elternverein trifft er zum Mittagessen. Die Lehrer motiviert er und dankt ihnen für ihre Arbeit. „Hier geht es nicht ums Geld verdienen, wie in meinen anderen Geschäften. Hier geht es um Verantwortung und die Befriedigung, etwas für mein Land zu tun“, sagt er stolz. „Wenn ich etwas angehe, will ich immer etwas machen, das wirklich einen Unterschied ausmacht.“

Das hat er ohne Zweifel auch im Laufsport gemacht, dem er sich weiterhin mit Feuer und Flamme widmet. Seine Ziele sind nach wie vor die Allerhöchsten: „Ich will in London 2012 Olympiagold im Marathon gewinnen“, sagt er klar. In der viel diskutierten Frage nach dem größten Langstreckenläufer aller Zeiten hat Haile übrigens sein ganz persönliches Ranking: Die Nummer eins ist für ihn sein Landsmann Abebe Bikila, der zweimal in Folge Marathon-Olympiasieger war und beide Male in neuer Weltrekordzeit gewonnen hat.

An zweite Stelle reiht er den Finnen Paavo Nurmi ein, auf Rang drei die „tschechische Lokomotive“ Emil Zatopek. Und an welcher Stelle sieht er sich selbst? „Vielleicht bin ich die Nummer zehn“, sagt er mit Understatement und kann sich ein Lachen nicht verkneifen. Im Ernst fügt er hinzu: „Lasst mich erst meine Karriere beenden, dann soll das jemand anders beurteilen.“

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Haile Gebrselassie, der herzliche Weltstar