Das Interview

"Kampf Frau gegen Frau entscheidet"

Irina Mikitenko gibt sich bezüglich ihrer Renntaktik bedeckt. Offener spricht sie über ihr Training.

Irina Mikitenko

Irina Mikitenko gewinnt den London-Marathon 2009.

Bild: photorun.net

Frage: Der Londoner Race-Direktor David Bedford spricht vom besten Frauen-Feld in der Geschichte seines Rennens. Wie bewerten Sie die Konkurrenz und mit welchen Zielen gehen Sie an den Start?
Irina Mikitenko: Die Konkurrenz ist in der Tat so stark, dass ich mir die Startlisten eigentlich gar nicht erst anschauen bräuchte. Es sind viele Athletinnen dabei, die sehr schwer zu schlagen sind. Mindestens zehn Läuferinnen haben Siegchancen. Ich bin mir nicht sicher, welcher Lauf besser besetzt ist – der in London oder das WM-Rennen im Sommer in Daegu. London ist auch vom Rennablauf wie ein Meisterschaftsrennen. Der Kampf Frau gegen Frau entscheidet. Angesichts der enorm starken Konkurrenz setze ich mir keine konkreten Ziele. Aufgrund der Konstellation mit dieser enorm starken Konkurrenz geht es für mich darum, am Tag X vollkommen fit zu sein und alles geben zu können. Dann werden wir sehen, was herauskommt.

Gibt es eine bestimmte Taktik, mit der Sie in dieses Rennen gehen?
Natürlich nimmt man sich vor dem Start etwas vor, aber man darf sich bei einem solchen Marathon nicht festlegen. Denn es kann schnell alles über den Haufen geworfen werden, zum Beispiel durch das Wetter oder durch ein anderes Tempo. In London musst du als Topläuferin alles alleine entscheiden und auf alles vorbereitet sein.

Sie waren zuletzt dreieinhalb Wochen im Trainingslager in Südafrika. Es war das erste Mal, dass Sie dort trainierten. Wie war das?
Als wir dort in Potchefstroom, rund eineinhalb Stunden von Johannesburg, ankamen, bekamen wir erst einmal einen Schreck wegen der Hitze. Ich habe mich gefragt, wie ich dort bei über 30 Grad Celsius 200 Kilometer pro Woche rennen soll. Wir haben es dann gemacht wie die Afrikaner und es hat ganz gut funktioniert. Ich bin früh morgens und am Abend gelaufen und habe die zweite Trainingseinheit sogar besser vertragen als sonst im Höhentraining. Das hatte sicher damit zu tun, dass ich nach dem morgendlichen Training eine längere Regenerationszeit hatte. Hilfreich war, dass am Anfang auch Claudia Dreher dort war und uns einiges zeigen konnte. Außerdem trainierten die Geher mit Ronald Weigel dort. Es war schön, während des Trainings bekannte Gesichter zu treffen.

Zu welchen Zeiten und in welchen Höhen sind Sie gelaufen?
Ich habe morgens um 7 Uhr für zwei bis zweieinhalb Stunden trainiert und dann noch einmal bis zu zwei Stunden ab 17.30 Uhr. Gelaufen bin ich in Höhen zwischen 1.350 und 1.500 Metern. Das ist nicht so hoch wie sonst in St. Moritz. Ich werde nach London wissen, ob die Höhe ausreichend war.

Gibt es manchmal Phasen, in denen Sie sich fragen, warum Sie sich ein derart hartes Training mit 38 Jahren noch antun müssen? Wie lange wollen Sie noch laufen?

Solche Phasen gibt es nach Verletzungen. Dann frage ich mich schon mal, was soll das, wofür dieser ganze Aufwand? Aber meine Familie steht voll hinter mir und gibt mir immer wieder Rückhalt. Und dann gibt es auch wieder neue Reize und Ziele. Natürlich ist der olympische Marathon 2012 in London ein großes Ziel. Doch abgesehen davon denke ich immer nur an das nächste große Ziel und plane Schritt für Schritt. Ich plane mit 38 Jahren nicht mehr langfristig, überlege aber daher auch nicht, wie lange ich noch laufen werde. Zurzeit kann ich mir ein Leben ohne meinen Sport nicht vorstellen.

Sind die London-Starts für Sie ein Vorteil für Olympia?
Sicherlich, das ist eine sehr gute Vorbereitung. Ich kenne die Atmosphäre, das Wetter, die Strecke, die Menschen, die Trainingsstrecken und es gibt inzwischen einige Kontakte in London.

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Mikitenko lauert auf London-Sieg