Sabrina Mockenhaupt

"Ich werde wohl meine jetzige Bestzeit laufen"

Sabrina Mockenhaupt, unsere Weltklasse-Läuferin mit 31 nationalen Titeln, trainiert ernsthafter und konsequenter als je zuvor.

Sabrina Mockenhaupt

Sabrina Mockenhaupt

Bild: Norbert Wilhelmi

Sie laufen alle Langstrecken-Distanzen von 3.000 Meter bis Marathon auf einem sehr hohen Niveau. Welche Disziplin macht Ihnen am meisten Spaß?
Jeden Tag macht mir das am meisten Spaß, was ich gerade machen muss.

Aber es ist doch ein Unterschied, ob man für 1.500 oder 42.195 Meter startet...
Es gibt zum Schluss immer eine Leidenszeit. Beim Marathon ist die Leidenszeit einfach länger. Ich liebe alle Wettkämpfe. Deshalb muss ich auch aufpassen, dass ich nicht zu viele mache. Dieses Jahr habe ich weniger bestritten und merke, dass mir das guttut: Ich bin konzentrierter und frischer.

Haben Sie Vorbilder?
Ich hatte Vorbilder. Aber alle hatten was mit Doping zu tun. Jetzt habe ich keine mehr.

Zwischen Ihnen und Irina Mikitenko wird immer ein großes Konkurrenzverhältnis konstruiert. Stimmt das denn?
Nein! Beim Europacup in Marseille haben wir uns während der drei Tage richtig gut unterhalten. Ich habe versucht, Irina Mikitenko nach der für sie enttäuschenden Leistung wieder aufzurichten. Sie hat mir viel über Marathons erzählt und einige gute Tipps gegeben.

Sind Sie gar nicht neidisch auf das viele Geld, das sie verdient?
Nein, gar nicht. Ich weiß, dass sie eine ganz harte Arbeiterin ist. Ich habe mit ihr schon in St. Moritz trainiert, wo ich abbrechen musste, weil ich nicht mehr konnte. Ich bin zufrieden, dass ich nach ihr die am zweitbesten verdienende deutsche Läuferin bin. Ich brauche auch gar keinen Luxus. Man kann mit so wenig glücklich sein. Mich macht ein Tag, an dem ich ohne Schmerzen aufstehe, laufen kann und gute Leistungen bringe, glücklicher als irgendwelche Gelder.

Was haben Sie sich für Berlin vorge­nommen? Ist da die Bestzeit Ihres Vaters fällig (2:24:58 Stunden)?
Ich bin auf einem guten Weg. Wenn die Bedingungen stimmen, könnte es klappen. Ich werde wohl nicht auf eine 2:22 anlaufen, sondern erst mal auf meine jetzige Bestzeit (2:26:22; d. Red.) oder eine Minute schneller, und wenn ich gut drauf bin, könnte es am Ende eine 2:24 geben. Mein Ziel ist, unter die ersten Drei zu kommen.

Wie hat man sich die Tätigkeit eines Feldwebels in der Sportfördergruppe der Bundeswehr vorzustellen?
Ich muss mich einmal im Monat bei der Truppe melden. Seit ich bei der Bundeswehr bin, seit acht Jahren, habe ich in fast jedem Winter einen Lehrgang gemacht. Mit Grünzeug, Kriechen durch Schlamm und Gebibber im kalten Wald – nichts für Tussis. Das kann sich wahrscheinlich keiner vorstellen, dass ich kleines Persönchen so hart im Nehmen bin. Also, das ist schon hart erarbeitet. Im Dezember werde ich zum Oberfeldwebel befördert.

Sie setzen seit Ihren Anfängen im Leistungssport auf Ihren Coach Heinz Weber. Zwischendurch waren Sie kurze Zeit bei Paul-Heinz Wellmann in Leverkusen,sind aber wieder zurückgekehrt. War dessen Trainingskonzept Ihnen zu modern?
Der Heiner ist eher derjenige, der anders trainiert. Der Paul-Heinz macht das, was überall in Deutschland gemacht wird: typi­sche Tempoläufe – 200er, 400er, 1000er. Das hatte ich noch nie gemacht und wollte es mal ausprobieren. Aber die Wiederholungsläufe machten mich sehr müde und kaputt, dadurch war ich am nächsten Tag nicht so gut erholt, lief ruhiger – und plötzlich fehlte mir die Ausdauer. Ich konnte zwar 1.000 Meter in 2:52 Minuten laufen, bekam das aber über 3.000 Meter nicht mehr hin. Da habe ich gemerkt, dass es nicht das Richtige für mich ist, und bin nach einem hal­ben Jahr zu Heiner zurückgekehrt. Da haben zwar ­einige gelästert, aber nur so lange, bis ich in Peking Bestzeit über 10.000 Meter ­lief.

Was ist das Besondere an Ihrem Training?
Heiners Philosophie sind Tempowechsel­läufe. Zum Beispiel laufe ich 14 bis 16 Kilometer, Grundtempo 90 bis 88 Sekunden pro Runde. Dann kommen schnelle Runden, zum Beispiel zwei à 82 und eine à 74, dann wieder zurück auf 88, dann 86...

Ihr typischer Trainingsumfang?
150 bis 160 Kilometer bei einer 10.000-Meter-Vorbereitung und bis zu 200 Kilo­meter vor einem Marathon.

Was fällt Ihnen da am schwersten?
Am schwersten fällt mir manchmal, sonntags früh aufzustehen und dann 30 bis 35 Kilometer zu laufen. Und Tempotraining, wenn es heiß ist. Der Rest ist Pillepalle.

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"Beim Laufen höre ich lieber Vogelgezwitscher als Musik"